D.Lehmann

„Happy new year everyone, including the haters and the fake news media!“, ließ US-Präsident Donald Trump fast schon erwartungsgemäß als Neujahrsgruß über Twitter verkünden. Während er seine Kampagne gegen die Medien also uneingeschränkt fortsetzt, lässt sich in dem Zusammenhang eine Sache ziemlich schnell feststellen: 2018 war tatsächlich ein gutes Jahr für Fake News. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Software BuzzSumo vom Medienportal BuzzFeed nach der Analyse von 21.000 Artikeln diverser Webseiten, die zumindest gelegentlich bewusst Falschmeldungen verbreiten (hier geht's zum Beitrag).

Fake News auf Facebook erfolgreicher als Nachrichtenseiten

Geprüft wurde, wie viele Interaktionen (die Summe aller „Gefällt mir“-Angaben, Kommentare und geteilten Beiträge) diese generieren können. Trotz der Bemühungen zahlreicher Faktencheck-Formate (z. B. Mimikama.at) und der vermeintlichen Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Problematik fällt das Ergebnis ernüchternd aus. „Die acht erfolgreichsten Falschmeldungen hatten mehr Facebook-Interaktionen als fast alle Artikel der größten Nachrichtenseiten in Deutschland“, im Vergleich zum Vorjahr seien auch die Interaktionen nochmals gestiegen.

Nach wie vor sind Fake News, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Flüchtlinge thematisieren, unter den „erfolgreichsten“ Beiträgen. Die größte Reichweite auf Facebook erzielte 2018 laut BuzzFeed der Text „Staat zahlt Harem 7.500 Euro im Monat – Syrer lebt jetzt mit 2 Ehefrauen und 8 Kindern in Deutschland“ der Plattform anonymousnews.ru.

Behörden bei im EU-Ausland registrierten Seiten machtlos

Die Seite fällt immer wieder mit aus dem Zusammenhang gerissenen und irreführenden Aussagen auf – und profitiert von der Verwechslung mit dem Hackerkollektiv Anonymous. Allerdings: „Bei den anonymen Nachrichten handelt es sich um kein Projekt der internationalen Anonymous-Bewegung - auch wenn der Name und das Logo mit Guy-Fawkes-Maske dies suggerieren sollen“, heißt es beim Faktenfinder der Tagesschau (Link zum Text). Oft bedient sie sich zudem an Bild- und Videomaterial, um es für Verleumdungen und Falschaussagen zu missbrauchen.

Versuche, solchen Inhalten mit Anzeigen beizukommen, liefen bislang ins Leere: Da Anonymous News in Moskau und damit im EU-Ausland registriert ist, greift die Impressumspflicht nicht, deutsche Behörden sind daher machtlos. Nutzer sollten deshalb unter anderem darauf achten, ob eine Seite Kontaktdaten angibt und über welche Top-Level-Domain (.de, .com, .org usw.) sie registriert ist. Ein beispielsweise rein deutschsprachiges Angebot ohne solche Informationen sollte kritisch betrachtet werden.

Sie möchten sich weiter informieren oder haben konkrete Fragen? Zum Thema "Was sind Fake News und wie erkenne ich sie?" finden regelmäßig Digitale Stammtische mit einem Experten statt. Sie sind herzlich eingeladen daran teilzunehmen! (Zur Veranstaltungsübersicht)