Schöne, neue Gesundheitswelt: Die Zukunft hat längst begonnen!

D.Lehmann
Smartphone und Stetoskop auf einem Tisch
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Ein Gastbeitrag von Dr. Ursula Kramer, Gründerin der Plattform HealthOn (healthon.de) und regelmäßig Referentin bei unseren "Digitalen Stammtischen"

Sensoren, die in Tabletten eingebettet sind, und anzeigen, ob und wann ein Medikament tatsächlich eingenommen worden ist. Maßgeschneidert für den jeweiligen Patienten auf Rezept hergestellte Tabletten aus dem 3-D-Drucker. Eine Hotline, an der eine Maschine nach Symptomen fragt und danach entscheidet, ob ein Arztbesuch notwendig ist oder nicht. Essen einfach per App fotografieren, um Kalorien oder Broteinheiten der Mahlzeit zu berechnen. Das alles sind keine Zukunftsszenarien, sondern Produkte, die es heute schon gibt. Das lässt erahnen, wie weitreichend Digitalisierung die Gesundheitsversorgung von morgen verändern wird.

Diagnose, Therapie, Lebensstilveränderung – digitale Gesundheitsanwendungen für alle Bereiche

Auch das ist ein Ergebnis des Digitalisierungsfortschritts: Die kontinuierliche Blutzuckermessung, die das Leben für Menschen mit Diabetes deutlich verändert. Über 24 Stunden hinweg liefert sie Messwerte, ganz ohne lästiges Stechen und ohne Blutzuckerteststreifen.

Diese neuen Systeme können nicht mehr nur messen, sondern vorhersagen, wie sich der Blutzucker in den nächsten Stunden verändern wird. Sie geben Empfehlungen, ob Insulin gespritzt oder Nahrung aufgenommen werden soll. Es ist vorstellbar, dass das Diabetesmanagement für einige Patienten damit viel einfacher werden kann.

Den inneren Schweinhund digital überlisten…

Jeder Zweite nutzt bereits Gesundheits-Apps (Link zur Bitkom-Pressemitteilung). Statt wie bisher beim Arztbesuch, könnten diese Helfer die Daten aus digitalen Tagebüchern, aus Fitnessarmbändern, aus Blutdruckmessgeräten oder digitalen Waagen kontinuierlich aufzeichnen und auswerten. Tipps und Handlungsempfehlungen immer dann zu bekommen, wenn man sie braucht, Fragen stellen zu können, immer dann, wenn ein Problem auftaucht, das kann für chronische Patienten, die im Alltag oft auf sich selbst gestellt sind, eine positive Vorstellung sein. Der digitale Helfer könnte im richtigen Moment dazu motivieren, die Treppe zu nehmen, zu Fuß zum Bus zu laufen oder einen Abendspaziergang zu machen.
 

Digitalisierung: Der Patient rückt stärker in den Fokus

Individueller und besser soll die Versorgung werden insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Schmerz, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen. Lassen sich anhand der vom Patienten selbst aufgezeichneten Daten aus digitalen Tagebüchern, Apps, smarten Uhren und Fitnessarmbändern, intelligenten Waagen und digitalen Messgeräten sinnvolle Erkenntnisse ableiten, um das Lebensumfeld des Patienten besser zu verstehen, um Antworten zu finden auf die folgenden Fragen: Wie kommt der Patient mit einer vom Arzt verordneten Therapie tatsächlich klar? Wie ändern sich seine Krankheitssymptome? Wie fühlt sich der Patient unter der Therapie? Wie gut sind Blutdruck, Blutzucker und Gewicht eingestellt und wie regelmäßig werden welche Arzneimittel eingenommen?

Zusammen mit den Behandlungsdaten, die der Arzt bei den Therapiekontrollen erfasst, könnte sich mit dem vom Patienten erfassten Daten ein vollständigeres Bild ergeben. Individuelle Unterschiede zwischen Patienten könnten erkennbar werden, ebenso die Hürden, die den Einzelnen an der Umsetzung der verordneten Therapie hindern. Wer profitiert von welcher Therapie, wer braucht welche Unterstützung? Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern eine Möglichkeit, die Perspektive der Patienten besser zu verstehen und Therapien zu vereinfachen mit dem Ziel, Behandlungsergebnisse zu verbessern.
 

Vertrauensvolle Berater – wichtiger denn je

Digitalisierung ist jedoch keine technische Allzweckwaffe für die Lösung aller Gesundheitsprobleme. Denn am Anfang jeder Therapie steht auch im digitalen Zeitalter das Bewusstsein des Patienten für die Notwendigkeit einer Therapie, die eigene Motivation, Therapieziele festzulegen und erreichen zu wollen. Das ist und bleibt ein sehr persönlicher Entscheidungsprozess des Einzelnen, den Arzt und Apotheker als vertrauensvolle Ansprechpartner lediglich begleiten können.

Zum Beispiel auch durch die Empfehlung sinnvoller Gesundheits-Apps, die zur praktischen Unterstützung da zum Einsatz kommen können, wo sie die Qualität der Versorgung verbessern, wo sie organisatorische Abläufe vereinfachen oder die Kommunikation mit dem Patienten sinnvoll ergänzen können. Voraussetzung dafür ist immer, dass der Patient die neuen digitalen Helfer auch nutzen möchte und kann. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken digitaler Medien, die Patienten bei der selbstbestimmten Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen stärkt. Gesundheitskompetenz wird zukünftig verstärkt auch eine Frage der Medienkompetenz.
 

Stärkung der digitalen Gesundheitskompetenz – Schlüssel zu besserer Patientenversorgung

Obwohl das Interesse zum Beispiel an Diabetes-Apps sehr groß ist, haben sie sich noch nicht als gemeinsames Arbeitsmittel von Arzt, Apotheker und Patient etabliert. Das hat viele Gründe: Es gibt so viele Apps, welche sind gut und sicher? Welcher App kann ich vertrauen? Wie kann ich Daten aus meinem digitalen Tagebuch mit Arzt und Apotheker austauschen?

Nicht nur Patienten, sondern auch Arzt und Apotheker müssen lernen, die Qualität und Vertrauenswürdigkeit digitaler Anwendungen einzuschätzen. Es muss eine sichere, digitale Infrastruktur geben, um Daten miteinander austauschen zu können. Die erforderlichen Entwicklungen lassen weiter auf sich warten. Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und die sogenannte Telematikinfrastruktur, die Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser und Patienten miteinander verbinden soll, haben sich leider immer wieder verzögert.
 

Digitalisierung als Chance für eine optimale Gesundheitsvorsorge

Was macht uns krank, was hält uns gesund, wie können wir uns besser schützen vor Umweltbelastungen, Antibiotikaresistenzen, Virusepidemien? Wie können wir die Arzneimittelversorgung sicherer gestalten und bessere Ergebnisse für den Patienten erzielen? Die Vernetzung im Gesundheitswesen aller Beteiligten und die Nutzung von Daten, die Verbraucher und Patienten mit Apps, Messgeräten, Fitnessarmbändern etc. erfassen, können dazu beitragen, Gesundheitsrisiken früher zu erkennen und früher helfend eingreifen zu können. Neue Möglichkeiten wie Videosprechstunden, Online-Beratung und die Einlösung elektronischer Rezepte weisen den Weg in diese digitale Zukunft der Gesundheitsversorgung.


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