Staffel 2, Folge 4Digitale Teilhabe für Menschen mit geringer Literalität
- Beteiligt: Dr. Nicole Pöppel
- Erschienen am: 08 Sep. 2026
Über die Folge
In dieser Folge sprechen wir mit Dr. Nicole Pöppel, Geschäftsführerin des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung e. V., über geringe Literalität und digitale Teilhabe. Im Gespräch geht es um die Perspektiven von Lernbotschafter:innen, die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung sowie die Rolle von verständlicher Sprache, digitalen Hilfsmitteln und Künstlicher Intelligenz. Außerdem sprechen wir darüber, wie Menschen mit geringer Literalität erreicht werden können, warum aufsuchende Ansätze dabei eine wichtige Rolle spielen und weshalb Alphabetisierung und Grundbildung viele Bereiche des Lebens beeinflussen – von Arbeit und Gesundheit bis hin zu gesellschaftlicher und digitaler Teilhabe.
Digitale Teilhabe für Menschen mit geringer Literalität

Transkript zum nachlesen
00:00:00.121
Geringe Literalität bedeutet, dass man zu geringe Lese- und Schreibkenntnisse
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hat für das, was in unserer Gesellschaft erwartet wird.
00:00:06.537
Das heißt, wir reden nicht vom totalen Analphabetismus, also dass jemand gar
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nicht lesen und schreiben kann,
00:00:12.486
sondern wir sprechen von einer Gruppe von mehr als sechs Millionen Erwachsenen,
00:00:16.187
die Buchstaben, Wörter oder einfache Sätze lesen können, aber an Texten scheitern.
00:00:21.747
Also die Politik sollte die Alphabetisierung und Grundbildung ernster nehmen,
00:00:26.377
weil so viele Lebensumstände natürlich von Schriftsprachkompetenz abhängen.
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Das prägt Familie, das prägt Beruf, das soziale Leben, die Gesundheit und so weiter.
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Willkommen zum Digital Kompass Podcast. Digital einfach erklärt.
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Gemeinsam gestalten wir digitale Teilhabe. Verständlich und praktisch.
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Euer Moderator, Inklusator Sascha Lang.
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Digital Kompass Podcast, herzlich willkommen. Das ist die Folge Nummer 4 aus
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der Staffel Nummer 2. Schön, dass ihr mit dabei seid.
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Dr. Nicole Pöppel ist heute mein Gast und zwar unter anderem vom Bundesverband
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Alphabetisierung und Grundbildung.
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Nicole, wir bleiben beim Du. Herzlich willkommen.
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Hallo Sascha, herzlichen Dank für die Einladung.
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Ja, wenn ich hier das lese, Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung.
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Wir machen das ja immer so bei unserem Podcast, dass wir zuerst mal wissen wollen,
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mit wem führen wir heute das Interview.
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Das heißt, stell dich mal ganz kurz vor, aber auch natürlich die Aufgaben und
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der Zweck des Bundesverbandes.
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Ich bin Geschäftsführer beim Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung.
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Und wir sind ein Verein, den gibt es seit Anfang der 80er Jahre,
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das in Münster gegründet.
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Und wir sind so eine bundesweite Anlaufstelle für das Thema Alphabetisierung
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und Grundbildung. Also wenn Erwachsene zu geringe Lesung- und Schreibkompetenzen
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haben oder Grundbildungsbedarf, kann man sich an uns wenden.
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Ein ganz wichtiges zentrales Angebot ist unser Beratungstelefon,
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das Alpha-Telefon, das jedem offen steht, der sich über das Thema informieren möchte.
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Und wir bieten auch eine Reihe von fachlichen Services, Fortbildung und Schulung
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an. Das heißt, wir machen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren fit,
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aber auch unterstützen auch Fachkräfte in dem Feld, die zum Beispiel Erwachsene
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beim Lesen und Schreiben lernen unterstützen.
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Geringe Literalität, was meint man damit und wie zeigt sie sich im Alltag bei den Menschen?
00:02:23.115
Geringe Literalität bedeutet, dass man zu geringe Lesen- und Schreibkenntnisse
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hat für das, was in unserer Gesellschaft erwartet wird.
00:02:29.539
Das heißt, wir reden nicht vom totalen Analphabetismus, also dass jemand gar
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nicht lesen und schreiben kann, sondern wir sprechen von einer Gruppe von mehr
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als sechs Millionen Erwachsenen, die Buchstaben, Wörter oder einfache Sätze lesen können,
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aber an Texten scheitern.
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Und vieles in unserem Alltag ist ja sehr textbasiert. Also man bekommt Post,
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die man bearbeiten muss, E-Mails und so weiter.
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Das heißt, dass diejenigen, die das nicht so richtig können,
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die gering literalisiert sind, die Schriftsprache meiden und auch bei alltäglichen
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Dingen auf Unterstützung angewiesen ist.
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Da kann man sich natürlich vorstellen, dass sich diese Einschränkung auf sehr
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viele Lebensbereiche auswirkt, auf das Privatleben, aber auch auf den Beruf.
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Und viele Betroffene schränken sich auch selber ein, weil sie Sorge haben,
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zum Beispiel in bestimmten Kontexten, die sie noch nicht kennen,
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mit Schrift konfrontiert zu werden.
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Lese- und Schreib, geringe Lese- und Schreibmöglichkeit oder Literalität.
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Wie weit und wo oder wie nah ist das mit dem Begriff Lese- und Rechtschreibschwäche
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verbunden? Das ist jetzt eine Frage, die ich einfüge, weil das Thema ja oft
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beginnt. Wo mache ich da den Unterschied?
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Ja, genau. Es kommt oft die Frage auf, was hat das mit Legasthenie zu tun?
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Und da muss man einfach unterscheiden. Legasthenie ist eine diagnostizierte
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Leserechtschreibstörung. Also da gibt es tatsächlich wirklich eine Diagnose,
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wenn jemand Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben lernen hat.
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Das kann eine mögliche Ursache sein, dass ein Erwachsene das dann am Ende nicht richtig gelernt hat.
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Aber die Gruppe der gering-literalisierten, also der mehr als sechs Millionen
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Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter, die nicht richtig lesen und schreiben können,
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das kann vielfältige Ursachen haben.
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Also Legasthenie könnte eine ursprüngliche Ursache dafür sein,
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dass ein Kind zum Beispiel im Kindesalter Schwierigkeiten beim Lernen hatte.
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Und wenn es dann nicht ausreichend unterstützt wurde, kann sein,
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dass am Ende die erwachsene Person dann gering-literalisiert ist.
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Aber man muss eben so unterscheiden, nicht jede Legasthenikerin,
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jede Legasthenikerin wird automatisch geringletralisiert und umgekehrt haben
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auch nicht alle geringletralisierten eine diagnostizierte Degasthenie.
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Was ich weiß ist, dass viele Erwachsene ja vielleicht also auch Schwierigkeiten
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haben, zum Beispiel eine Diagnostik zu bekommen, weil es da wohl auch einen Mangel gibt.
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Also bei Kindern schaut man da mittlerweile genauer hin und ermöglicht auch
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Diagnostik und Therapie. Bei Erwachsenen ist das leider noch nicht unterstützt.
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Und das bedeutet dann am Ende auch, dass in den Lernangeboten für Erwachsenen.
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Zum Beispiel an Volkshochschulen oder bei anderen Trägern, erstmal nicht differenziert
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wird, was die Ursache ist, sondern man guckt nur, wie ist die Kompetenz und
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wo steht die Person und wo kann man vielleicht dann weiterarbeiten,
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um die Leseschreibkenntnisse zu verbessern.
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Warum wird das erst im Erwachsenenalter, diese geringe Literalität,
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zum Mittelpunkt? Also warum stellt man das erst bei Erwachsenen fest?
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Du sprichst hier von sechs Millionen Erwachsenen, aber jugendliche Kinder zählen da nicht dazu?
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Genau, weil man davon ausgeht, dass Jugendliche und Kinder dann noch sozusagen
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im Lernprozess sind und man guckt dann erst im Erwachsenenalter,
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ob dann die erwarteten Lese- und Schreibkenntnisse da sind.
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Das heißt, in der Kindheit oder Jugend wird natürlich auch geschaut,
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also man macht ja auch zum Beispiel in Schulen Studien oder man schaut,
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ob das Kind natürlich mitkommt, ob es Förderbedarf hat und so weiter,
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aber der Begriff der geringen Literalität ist einfach quasi für Erwachsene vorbehalten.
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Bei Kindern und Jugendlichen spricht man dann vielleicht auch eher von Lese-Rechtschreib-Schwäche
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oder man guckt, ob es eine diagnostizierbare Störung gibt.
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Wenn man jetzt die Zahl von 6 Millionen hört, merkt man, dass das trotzdem weit
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verbreitet ist in einem doch industrialisierten Land.
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Gibt es da Zielgruppen, die ganz besonders darunter leiden oder die ganz besonders,
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diese geringe Literalität aufweisen?
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Wie kann man das unter der Bevölkerung feststellen?
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Ja, da können wir uns ganz gut auf die Leo-Studie der Uni Hamburg stützen.
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Die hat herausgefunden, dass von diesen mehr als sechs Millionen Erwachsenen,
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die deutschsprachig sind.
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Etwas mehr als die Hälfte deutsche Herkunftssprache haben und ein bisschen weniger
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als die Hälfte eine andere Herkunftssprache.
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Dabei muss man aber wissen, dass in dieser Zahl noch nicht zweisprachige Personen,
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die noch gar kein Deutsch sprechen, erfasst sind.
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Und insgesamt, wenn man so auf den Bildungsstand guckt, dann kann man sehen,
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dass eher Personen mit niedrigen Schulabschlüssen oder auch keinen Schulabschlüssen
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besonders betroffen oder beferdet sind.
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Es sind auch eher Ältere als Jüngere betroffen, aber es geht trotzdem durch alle Altersschichten.
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Also wir haben, also die Leo-Studie bezieht sich auf Personen zwischen 18 und
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64 Jahre, was wiederum auch bedeutet, dass dann die jenseits der 64,
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also besonders die älteren Generationen nicht mehr erfasst sind.
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Und hier wissen wir, da gerade die Eltern etwas eher betroffen sind,
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dass da natürlich auch noch einige Personen sind, die jetzt in dieser Zahl nicht erfasst sind.
00:07:25.060
Das heißt, wir sprechen da wahrscheinlich noch von einer Dunkelziffer,
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die viel höher liegt als das, was wir gerade festgestellt haben.
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Wie wird denn in Deutschland ausreichend über geringe Literalität gesprochen
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und Bewusstsein für das Thema geschaffen?
00:07:39.074
Also wir als Verband sprechen seit Jahrzehnten über das Thema und wir hatten
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tatsächlich auch die ersten bundesweiten Kampagnen und Schätzungen von Zahlen.
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Frühjahr, bevor die Leo-Studien der Uni Hamburg dann erstmals repräsentative
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Zahlen geliefert haben.
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Und wir haben auch darauf hingewirkt, dass es so eine nationale Strategie im
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Bund gibt. Und am Ende ist auch eine bundesweite Initiative zustande gekommen,
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das ist die Alpha-Dekade.
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Alpha-Dekade 2016 bis 2026, das heißt, die läuft Ende des Jahres aus.
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Und das war ein großer Fortschritt. Das heißt, im Zuge dessen hat man vom Bund
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her anerkannt, das ist ein Problem, das unsere Gesellschaft betrifft.
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Dessen man sich annehmen muss, das gefördert werden muss.
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Deswegen wurden viele Projekte, Maßnahmen und auch Strukturen ausgebaut.
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Um Literalität und Grundbildung in Deutschland bei Erwachsenen zu fördern.
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Jetzt sind wir gerade an dem Endpunkt der Alpha-Dekade und man merkt auch schon,
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dass da die öffentliche Aufmerksamkeit sich wieder reduziert und viele zentrale
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Strukturen nicht verstetigt worden sind. Vieles läuft projektbasiert,
00:08:40.092
projektgefördert und das endet dann im Moment.
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Also ein Beispiel dafür ist, dass es eine bundesweite Kampagne gab,
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die Öffentlichkeitswirksam auf das Thema aufmerksam gemacht hat.
00:08:50.372
Die wurde zum Beispiel schon vor ein paar Jahren eingestellt und das merken
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wir deutlich, dass dann die öffentliche Berichterstattung abnimmt und auch die
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Nachfrage sinkt nach Lernangeboten und Beratung.
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Wir kommen jetzt auf das Thema der Praxis zu sprechen. Ich würde gerne eine Frage da einwerfen.
00:09:05.077
Geringe Literalität oder auch Analphabetismus und so Themen sind ja prinzipiell
00:09:10.482
ein extremes Tabuthema.
00:09:13.072
Wie konntet ihr, die ja schon seit den 80er Jahren mit dem Thema arbeiten,
00:09:17.070
da unter Gegenwirkungen, dass das nicht mehr so tabuisiert wird?
00:09:21.145
Also es gibt schon auch, was ich eben angedeutet habe durch die Entwicklung
00:09:24.942
der AfD-Karte zum Beispiel, es gibt schon auch eine stärkere Sensibilisierung
00:09:29.302
jetzt von gesellschaftlichen Akteuren, Verbänden, Verwaltungen,
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dass man hat viel Personal geschult und sensibilisiert.
00:09:34.920
Weil was man festgestellt hat ist, dass die Betroffenen schon auch,
00:09:40.290
also es braucht eine Ansprache und das macht man am besten an Positionen,
00:09:43.672
wo die Personen schon sind.
00:09:44.672
Nehmen wir beispielsweise das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit oder auch,
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soziale Einrichtungen, die Personen bei anderen Themen unterstützen,
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dass man da eine Ansprache herstellt.
00:09:56.782
Und da haben wir sehr, sehr viele Multiplikatoren, Multiplikatoren geschult.
00:09:59.985
Das ist ein ganz wesentlicher Faktor.
00:10:02.046
Und natürlich ist auch das allgemeine Bewusstsein gestärkt worden.
00:10:09.494
Der Bundesverband arbeitet mit sogenannten Lernbotschaftern.
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Ist es das, was du gerade angesprochen hast und was steckt da dahinter?
00:10:17.527
Wir hatten schon seit den Anfängen unserer Vereinsgründung immer sehr starken
00:10:20.829
Fokus, schon auch auf der Unterrichtspraxis und auf den Bedarfen von Lernenden
00:10:25.259
und Lernbotschafterinnen und Lernbotschafter sind,
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ehemalige Betroffene oder auch jetzt immer noch Lernende, die als Erwachsene
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besser Lesen und Schreiben gelernt haben.
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Und die unterstützen unsere Schulungen, unsere aufsuchenden Aktionen und auch
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ganz wichtig die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, weil sie dann sozusagen
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authentisch davon berichten können. Also was hat bei ihnen dazu geführt,
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dass sie es nicht richtig gelernt haben?
00:10:47.386
Wie haben sie es nochmal geschafft? Wie haben sie den Anfang gefunden?
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Doch wieder sich zu motivieren, erneut zu lernen, weil man blickt ja dadurch
00:10:54.039
auch eine schwierige Erfahrung auch mit dem Thema des Läden und Schreibenlernens zurück.
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Und das ist uns ganz wichtig, diese authentischen Stimmen dabei zu haben und
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auch für andere mögliche Betroffene dann so eine Ansprechpartner auf Augenhöhe.
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Welche Erfahrungen und Perspektiven bringen diese Lernbotschafter euch in eure Arbeit?
00:11:14.676
Die Erfahrungen sind natürlich individuell, aber eine wichtige Erfahrung,
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die sie schon auch oft verbinden, ist das, was es bedeutet in unserer Gesellschaft,
00:11:23.969
diese Schwierigkeit zu haben.
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Dort ist das ja auch angesprochen mit dem Tabu, also dieses Geheimnis,
00:11:29.078
Man erwartet gemeinhin, dass ein Erwachsene, besonders auch wenn er deutschsprachig
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ist, lesen und schreiben kann.
00:11:34.151
Bei ZweitsprachlerInnen sieht das ja immer nochmal ein bisschen anders aus.
00:11:36.508
Da ist das vielleicht offenkundiger und auch weniger tabuisiert,
00:11:39.328
dass man das noch nicht so gut kann in Deutsch.
00:11:41.470
Aber bei Deutschsprachigen ist es eben so.
00:11:44.953
Und diese Erfahrung haben sie gemeinsam und auch, was es ausmacht,
00:11:48.728
dass man nochmal mit dem Lernen begonnen hat.
00:11:50.979
Für viele ist da so ein ganz starker Zugewinn an Souveränität,
00:11:54.908
Selbstbewusstsein und auch so dem Erkenntnis, ich kann noch was dazulernen,
00:11:58.378
so eine Art von Selbstwirksamkeitserfahrung auch dabei und das können sie ganz gut transportieren,
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und dann natürlich auch sowohl Multiplikatoren, Multiplikatoren.
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Sensibilisieren dafür, wie kann man jemanden ansprechen, Wie kann man jemanden
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vielleicht auch eine Brücke bauen und natürlich auch andere Betroffene ansprechen?
00:12:17.270
Das heißt, wenn ich jetzt aus deinen Antworten heraushöre, bedeutet geringe
00:12:22.038
Literalität nicht unbedingt, ich muss mich damit abfinden, sondern es gibt Wege,
00:12:27.148
vielleicht für jeden individuell, aber es gibt Wege, da etwas rauszukommen,
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vielleicht nicht in die komplette Literalität, aber Schritte nach vorne zu bewegen.
00:12:34.518
Da gibt es Angebote und da gibt es Möglichkeiten.
00:12:36.673
Ja, ganz genau. Also ganz wichtig sind natürlich die zum einen Kursangebote,
00:12:42.058
da sind vor allem Volkshochschulen die wichtigsten Anbieter.
00:12:44.278
Es gibt zunehmend auch, wenn man gemerkt hat, naja, so formalisierte Kurse sind,
00:12:48.688
nicht immer das Richtige für alle.
00:12:49.888
Deswegen hat man auch Lerncafés, Lerntreffs eingerichtet, vor allem auch eher
00:12:54.428
in sozialen Quartieren, also eher, dass man zu den Menschen hingeht,
00:12:58.048
als dass man erwartet, dass sie zum Beispiel so einen klassischen Lernanbieter aufsuchen.
00:13:02.068
Und man hat auch digitale Lernangebote, ganz wichtig, also zum Beispiel das VHS-Lernportal.
00:13:09.199
Es gibt auch verschiedene Projekte für bestimmte Branchen, also auch für den
00:13:13.388
Beruf, Anwendungen für Personen, die da noch Nachholbedarf haben, entwickelt haben.
00:13:18.698
Es gibt Lern-Apps, mit denen man dann quasi auch ortsunahmhängig selbst lernen
00:13:24.308
kann, wenn man digital schon ausreichend fit genug ist.
00:13:27.428
Also man kann auf jeden Fall was hinzulernen und von allen, die das machen,
00:13:32.912
die zeigen auch deutlich, dass es sich für sie lohnt.
00:13:36.870
Was kann oder was könnten Politik, Verwaltung, Gesellschaft aus euren Erfahrungen
00:13:42.775
lernen und auch den Erfahrungen, die die Botschafter gemacht haben?
00:13:46.286
Ja, ich denke schon, dass das eines, was ich eben erwähnt habe,
00:13:48.875
diese Ansprache ist. Also viele Betroffene, die wir jetzt kennen,
00:13:52.005
wir kennen natürlich nur die, die dann auch den Weg in Lernangebote gefunden haben, persönlich.
00:13:56.828
Sonst ist vieles basierend natürlich auf Studien. Aber die hätten sich früher
00:14:00.615
eine Ansprache gewünscht und das ist oft für sie auch erleichternd.
00:14:04.624
Das heißt, wir müssten irgendwie schaffen, dass nicht so viele Jahre vergehen
00:14:09.235
zwischen dem Ende der Schulzeit und dem erneuten Lernen.
00:14:12.205
Und dann denke ich, dass die Lernenden ein grundsätzliches Vorbild sind für
00:14:17.575
diese Devise, dass es nie zu spät ist, weil die Erwachsenenbildung und das lebenslange
00:14:21.695
Lernen ist so wichtig und das wird in unserer hochdynamischen Gesellschaft ja auch immer wichtiger.
00:14:26.479
Das heißt, auch im Erwachsenenalter kann man noch grundlegendes Lernen oder Verbessern.
00:14:30.311
Das ist auch in gewisser Weise notwendig. Und die Erwachsenenbildung ist ja
00:14:34.185
der größte Bildungssektor und das wird leider noch viel zu wenig beachtet.
00:14:38.835
Also die Politik sollte die Alphabetisierung und Grundbildung ernster nehmen,
00:14:43.435
weil so viele Lebensumstände natürlich von Schriftsprachkompetenz abhängen.
00:14:47.845
Das prägt Familie, das prägt Beruf, das soziale Leben, die Gesundheit und so weiter. haben.
00:14:52.295
Wir kommen gleich zur Digitalisierung. Bevor wir das aber machen,
00:14:54.635
wir haben in einer unserer ersten Folgen das Thema einfach und leichte Sprache
00:14:58.011
drin gehabt. Ich stelle mir jetzt gerade die Frage, inwiefern ist das hilfreich
00:15:01.375
für Menschen mit geringer Literalität? Also einfach oder leichte Sprache,
00:15:04.838
nutzt das was, bringt das was, hilft das?
00:15:07.107
Ja, ganz entscheidend ja. Und wir würden da immer nochmal so auf diese Unterschiede hinweisen.
00:15:13.940
Leichte Sprache ist ja noch ein bisschen leichter als einfache Sprache.
00:15:19.055
Für gering literalisierte Menschen ist oft die einfache Sprache,
00:15:22.705
also eine gewisse Sprachvereinfachung ist schon sehr hilfreich.
00:15:25.457
Aber insgesamt sind beide etwas, was sehr, sehr weiterbringt.
00:15:29.845
Genau, Sprachvereinfachung ist ein ganz wichtiger Faktor, um da Barrieren abzubauen.
00:15:35.429
Die Digitalisierung soll vieles einfacher machen.
00:15:39.370
Kommt das bei den Menschen mit geringer Literalität an? Also hilft sie wirklich, die Digitalisierung?
00:15:46.986
Ja, ich würde sagen, das kommt ganz darauf an. Also Digitalisierung ist ja nicht
00:15:50.405
in gewisser Weise so zielgerichtet, sondern sehr umfangreicher gesellschaftlicher Prozess.
00:15:54.775
Und ich denke, ob etwas einfacher wird, hängt davon ab.
00:15:58.865
Also was wir schon beobachten, ist, dass bestimmte Alltagsbewältigung in gewisser
00:16:03.935
Weise dadurch schwieriger wird, dass Dinge, die man so früher mündlich regeln
00:16:07.395
konnte, nehmen wir wie Ticketverkauf, Fahrkartenkauf,
00:16:11.187
durch die Digitalisierung jetzt in einen anderen Raum verlagert werden,
00:16:14.095
wo man dann erstmal keine Ansprechperson mehr hat.
00:16:16.185
Das heißt, das wird schon von einem mündlichen irgendwie ins schriftliche auch
00:16:19.585
wieder verlagert. Und ich hatte zum Beispiel mal eine Situation an der Schwimmbadkasse,
00:16:24.635
war eine Person vor mir, die wollte ein Ticket für einen Sportkurs kaufen.
00:16:28.549
Und da hat die Kassiererin gesagt, ja, hier ist so ein Aufsteller,
00:16:31.925
da können Sie den QR-Code einscannen und da können Sie den Kurs buchen.
00:16:35.275
Und die Person hat gesagt, ich habe gar kein Smartphone. Also das heißt,
00:16:38.149
da ist schon die erste Zugangsbarriere. Hätte die Person ein Smartphone gehabt,
00:16:41.291
müsste man natürlich das erstmal auch lesen können, den QR-Code nutzen und so
00:16:44.825
weiter. Also schließen sich viele Folgeprobleme an. Das heißt,
00:16:47.065
es kommt ein bisschen drauf an.
00:16:50.026
Und was auch noch ein Faktor ist, das hat die Leo-Studie ganz gut gezeigt,
00:16:53.625
dass Personen, die gering literalisiert sind, auch ein geringeres Zutrauen in
00:16:58.975
Kompetenzen haben, zum Beispiel auch im digitalen Bereich.
00:17:01.555
Man hat dann Sorgen, dass man Fehler macht oder Risiken ausgesetzt ist.
00:17:06.536
Das ist so die Schwierigkeit, aber gleichzeitig kann man auch sagen,
00:17:11.191
dass die Digitalisierung sehr viele nützliche Instrumente mit sich gebracht
00:17:14.948
hat, wo diese geringen Schriftbrachkompetenzen kompensiert werden können.
00:17:18.948
Das sind beispielsweise, habe ich eben schon erwähnt, digitale Lernangebote,
00:17:22.878
Apps und so weiter, aber dann natürlich auch Hilfsmittel wie Sprachassistenz, generative KI.
00:17:28.698
Also alles, was ermöglicht, die Schrift zu ersetzen, kann der Gruppe auf jeden Fall weiterhelfen.
00:17:35.588
Also du würdest sagen, es gibt auf der anderen Seite Angebote,
00:17:37.988
die das Leben erleichtern und auf der anderen Seite aber auch neue Hürden eventuell?
00:17:41.591
Ganz genau. Ich würde sagen, es ist auf jeden Fall beides. Die Digitalisierung
00:17:44.578
schafft neue Hürden oder die Digitalisierung schafft oder bietet auch neue Chancen.
00:17:49.548
Die müssen dann eben natürlich teilweise noch vermittelt werden.
00:17:52.742
Das heißt, dass man irgendeine Instanz hat, die sei es aus dem Umfeld oder sei
00:17:57.068
es dann auch durch die Erwachsenenbildung, die eben auch diese Chancen vermittelt,
00:18:00.758
weil man natürlich erstmal Zugang dazu finden muss.
00:18:03.538
Welche Zusammenhänge gibt es zwischen geringer Literalität, sozialer Ungleichheit
00:18:08.668
und digitaler Teilhabe?
00:18:11.118
Vor allem schon, welche Rolle spielt da eventuell auch finanzielle Ressourcen
00:18:15.098
oder Gerätezugang, Internetkosten und so weiter?
00:18:18.986
Ja, ich glaube, da hat sich schon in den letzten Jahren so ein bisschen was verändert.
00:18:22.988
Also wir hatten, als die Pandemie war, wo ja so ein sehr deutlicher Umbruch
00:18:26.778
war, wo man gemerkt hat, so vieles wird so schnell auch in so einen digitalen Raum verlagert.
00:18:30.768
Da haben wir gemerkt, bezogen auf unsere Zielgruppe jetzt, dass da viele noch,
00:18:34.432
keine Geräte hatten. Also Smartphones fehlten, Laptops fehlten,
00:18:37.348
WLAN zu Hause und da haben wir auch einige ausgestattet und fit gemacht in dem Bereich.
00:18:44.258
Aber grundsätzlich ist es natürlich so, dass gering-literalisierte Menschen
00:18:47.208
schon auch eher einen schwachen sozioökonomischen Status haben.
00:18:50.576
Viele arbeiten eher in gering qualifizierten Jobs, was man sich ja auch dadurch
00:18:54.948
erklären kann, dass oft ohne diese Schriftsprachkenntnisse hat man keine Ausbildung
00:18:58.568
gemacht und so weiter. Also da gibt es schon eine soziale Ungleichheit.
00:19:02.256
Und vielleicht muss man das so unterscheiden, dass es einfach gewisse Limits gibt.
00:19:08.112
Also Smartphones zum Beispiel sind sehr, sehr verbreitet und werden auch regelgenutzt.
00:19:12.182
Also die geringlitalisierten bewegen sich schon im digitalen Raum,
00:19:17.099
aber anders als die allgemeine Bevölkerung, die sehr gut oder recht gut lesen und schreiben kann.
00:19:23.187
Wenn beispielsweise Laptops, PCs auch was, was jetzt zum Beispiel große Bildschirme
00:19:28.082
hat oder sowas, ist dann weniger verbreitet und nicht alle haben unbedingt jetzt
00:19:32.142
so ein WLAN zu Hause oder so.
00:19:34.222
Also da muss man schon unterscheiden, welche Praktiken geht es.
00:19:36.452
Smartphones da, würde ich sagen, das ist schon, das ist sehr,
00:19:39.242
sehr gängig. Also es ist mehrheitlich und alles, was die bieten,
00:19:42.722
kann man dann auch sehr gut nutzen.
00:19:44.410
Kann Digitalisierung bestehende Ungleichheiten verstärken?
00:19:48.481
Ich würde sagen, ja. Das liegt vor allem daran, dass ja auch Digitalisierung
00:19:57.399
eine gewisse Art von Grundbildung erfordert, die sich auf dieses Digitale bezieht.
00:20:01.469
Also digitale Grundbildung ist nochmal ein eigener Bereich.
00:20:04.749
Und wenn jetzt jemand schon geringe Grundbildung hat im Puncto Lesen und Schreiben,
00:20:10.203
für den ist das natürlich auch eher schwierig, sich Neues anzueignen.
00:20:13.849
Und das gehört auch dazu, sich den digitalen Raum zu erschließen.
00:20:17.319
Also mit der Informationssuche fängt es an, aber damit endet es ja nicht.
00:20:21.839
Digitale Kompetenzen bedeuten ja am Ende schon auch, dass man souverän vielleicht
00:20:25.779
auch irgendwie Beiträge macht und mitgestaltet. Also da gibt es ja verschiedene
00:20:29.789
Ebenen von Digitalkompetenzen. Und.
00:20:32.458
Ich würde sagen, ja, die Ungleichheiten verstärken sich in gewisser Weise.
00:20:36.684
Aber da müssen wir innerhalb der Gruppe der geringen Literalisierten auch nochmal
00:20:39.969
unterscheiden, Weil es ist nicht eine homogene Gruppe, sondern es gibt da auch
00:20:43.419
Personen, die sind eher digital angeschlossen.
00:20:45.249
Vielleicht schreiben die ein bisschen schlechter als andere,
00:20:48.929
die weniger angeschlossen sind digital. Also es sind unterschiedliche Kompetenzen.
00:20:54.290
Aber grundsätzlich ist der digitale Raum nicht schriftsfrei,
00:20:58.729
sondern ich glaube schon noch recht schriftbasiert.
00:21:01.390
Und dadurch ist es eine gewisse Ungleichheit, die verstärkt wird zunächst.
00:21:06.394
Euer Verband kommt aus dem analogen Zeitraum?
00:21:10.341
Ist mit der Entwicklung der Gesellschaft in die Digitalisierung gerutscht?
00:21:14.059
Digitalisierung für dich aus deiner Perspektive eine positive Sache oder eher
00:21:18.959
etwas Kritisches für Menschen mit geringer Literalität?
00:21:23.058
Du sprichst da einen guten Punkt an, nämlich, dass wir uns natürlich auch sowohl
00:21:26.627
als VermittlerInnen als auch als Lehrende da total selber anpassen müssen und
00:21:30.707
selbst ganz viel hinzulernen müssen.
00:21:33.170
Insgesamt würde ich sagen, also meine Bilanz ist insgesamt gemischt.
00:21:36.357
Es gibt viele Vorteile und Hilfsmittel für Menschen mit geringlesen Schreibkenntnissen
00:21:40.367
oder auch mit geringen Sprachkenntnissen.
00:21:42.655
Und da würde ich hoffen oder mir wünschen, dass die noch mehr genutzt werden können.
00:21:46.047
Und das ist dann wiederum, denke ich, ein Aspekt der Vermittlung.
00:21:49.547
Also, dass man in die Vermittlung investiert und damit bestehende Möglichkeiten
00:21:54.257
auch mehr genutzt werden können. Deswegen ist das auch so wichtig,
00:21:57.377
dass man vor Ort präsent ist, zum Beispiel auch wie mit dem Digitalkompass oder dass man aufsuchende.
00:22:04.967
Angebote macht, die nah an den Menschen sind und auch auf die zugehen,
00:22:08.197
um denen auch die Chancen zu vermitteln.
00:22:11.831
Und natürlich auch so gewisse Sorgen und Reserven abbauen zu können,
00:22:16.400
damit diese Selbstausschlüsse, die ich eben erwähnt habe, dass jemand sich irgendwas
00:22:20.427
nicht zutraut oder Ängste hat, dass das auch abgebaut wird.
00:22:25.377
Aber ich glaube, jetzt, wo wir heute sind, ist die Schriftsprache noch sehr
00:22:29.377
wichtig und es gibt eine Zugangsbarriere.
00:22:32.107
Aber da, wo der digitale Raum zum Beispiel ermöglicht, dass vieles über,
00:22:37.453
Audio zum Beispiel funktioniert oder vielleicht auch über Bild,
00:22:41.817
da ist dann für bestimmte Gruppen natürlich eine Zugangsbarriere abgebaut.
00:22:46.517
Also da hilft es auf jeden Fall weiter.
00:22:48.727
Wir haben schon kurz angesprochen, die digitalen Hilfsmittel sind ein interessanter
00:22:54.237
Bestandteil, können viel bewegen, können sehr positiv sein.
00:22:57.353
Welche Voraussetzungen müssen denn erfüllt sein, damit Menschen mit geringer
00:23:00.627
Literalität diese Angebote, die da gegeben werden, überhaupt nutzen können? Mhm.
00:23:06.310
Ja, so ein bisschen habe ich das schon, denke ich, angedeutet,
00:23:08.584
dass man eben diese Verfügbarkeit hat der technischen Hilfsmittel.
00:23:11.444
Da gehen wir jetzt erstmal davon aus, und das wissen wir auch schon aus Studien,
00:23:15.052
dass das schon der Fall ist, dass viele zumindest eben Smartphone haben,
00:23:17.824
dann auch ein gewisses Datenvolumen.
00:23:22.029
Aber das ist ein grundlegendes Problem, dass viele Angebote geschaffen werden,
00:23:26.945
Hilfsangebote oder Bildungsangebote, und dass die immer der Haken ist dann schon,
00:23:31.604
dass die an die Personen auch rankommen. Also wir müssen uns schon auch stark auf die.
00:23:37.696
Vermittlung konzentrieren und für die Personen, die.
00:23:43.814
Da geringletralisiert sind zum Beispiel, ist es auch immer eine Herausforderung,
00:23:46.884
dass stetige Neuentwicklungen stattfinden und stetige Veränderungen und so weiter.
00:23:50.344
Und das ist genau auch eine gewisse Hürde.
00:23:54.502
Die KI, unser größter Kollege seit einiger Zeit, wir benutzen sie teilweise
00:23:59.484
schon seit längerem. Sie ist auf dem Vormarsch, sie ist wichtig,
00:24:02.214
sie bietet große Chancen.
00:24:05.374
Die werden so beschrieben. Welche Chancen siehst du und wo liegen aber auch
00:24:09.434
die Grenzen oder aber auch die Risiken? Mhm.
00:24:13.200
Ja, wir haben schon auch aus dem Umfeld zum Beispiel von Lernenden,
00:24:16.381
mit denen wir Kontakt haben, da sehr unterschiedliche Einschätzungen für die
00:24:19.351
einen sind, das ist sehr, sehr große,
00:24:21.308
Chancen und auch Möglichkeiten, autonom, besonders durch generative KI hat man
00:24:26.751
ja die Möglichkeit, dass man selbst, wenn man nicht so gut schreibt,
00:24:30.701
eben einfach sehr, sehr viel kompensieren kann und Unterstützung erfährt.
00:24:34.521
Das heißt, dass man jetzt mittlerweile dank KI viel einfacher schreiben,
00:24:39.531
formulieren, korrigieren kann. Das heißt, schriftliche Teilhabe zum Beispiel,
00:24:43.692
Kommunikation wird dadurch sehr, sehr stark erleichtert.
00:24:47.436
Natürlich auch durch Rolllisemöglichkeiten und so weiter kann sehr,
00:24:50.681
sehr viel kompensiert werden und das ist erstmal ein ganz, ganz großer Gewinn.
00:24:55.279
Und da sehen wir auch, dass die Partizipation auch an Diskussionen,
00:24:59.741
also vor allem jetzt im digitalen Raum, über Social Media einfach bei denjenigen,
00:25:04.351
die wir jetzt kennen, aus unserem Bereich steigt.
00:25:08.276
Und gleichzeitig ein anderes Risiko ist natürlich,
00:25:12.349
dass man für diese digitale souveräne Kompetenz natürlich noch auch bestimmte
00:25:17.736
Risikofaktoren kennen muss und dass man auch selber die Inhalte,
00:25:21.311
die man so produziert, natürlich auch nochmal irgendwie kritisch prüfen muss.
00:25:24.731
Dafür braucht man so ein gewisses Bewusstsein, aber wenn man das jetzt mit dem
00:25:28.641
Vorlesen nicht macht, eine gewisse Lesekompetenz auch.
00:25:31.491
Das heißt, man muss zusätzlich zu den Hilfsmitteln dann nochmal eben auch eine
00:25:36.591
gewisse Digitalkompetenz aufbauen und ja, um sozusagen die Risiken.
00:25:45.147
Nicht den Risiken ausgesetzt zu sein.
00:25:47.681
Lass uns mal nach vorne blicken, an welchen Themen und Vorhaben arbeitet ihr gerade aktuell?
00:25:53.786
Wir haben im Moment einen starken Fokus schon auch auf der Professionalisierung
00:25:57.502
von Fachkräften und auf Personen, die mit Menschen mit Grundbildungsbedarf arbeiten.
00:26:03.642
Das heißt, wir entwickeln Fortbildung und vor allem auch noch nach wie vor die
00:26:08.992
Schulung von Sensibilisierung, also die Sensibilisierung von Multiplikatoren,
00:26:12.522
Multiplikatoren, weil wir eben immer merken, es ist so.
00:26:18.292
Dadurch, dass es ja jetzt auch keine allgemeinen Kampagnen und eine übergeordnete
00:26:21.712
Art von Ansprache gibt, muss man das eben besonders vor Ort machen,
00:26:24.912
dass man die Unterstützung anbietet, wo die Personen sind.
00:26:28.492
Das sind Themen. Dann ist vor allem uns noch wichtig, unsere Lernbotschafter
00:26:31.862
nach wie vor weiter zu stärken und in die Öffentlichkeitsarbeit einzubinden.
00:26:35.862
Das finden wir sehr, sehr wirksam.
00:26:37.756
Und wir hoffen, wir arbeiten schon darauf hin, dass wir die Kampagnenarbeit
00:26:40.962
wieder aufziehen können.
00:26:42.132
Weil wir merken, dass sobald das Thema nicht mehr öffentlich besprochen diskutiert
00:26:46.272
wird, Es ist zwar mittlerweile in mehr Strukturen eingeseckert, aber gleichzeitig,
00:26:51.857
wird die Nachfrage nach Lernen oder auch das Medieninteresse zum Beispiel sehr
00:26:58.192
viel geringer und das macht dann sehr viel aus.
00:27:00.312
Also es tritt so ein bisschen aus dem Bewusstsein. Man denkt,
00:27:02.172
okay, das Problem hat sich jetzt erledigt.
00:27:04.812
Wir hatten eine Alpha-Dekanne und deswegen wollen wir da auch besonders wieder
00:27:07.542
darauf hinwirken, dieses öffentliche Bewusstsein wachzuhalten.
00:27:11.378
Und ganz konkret, wir hatten ein aufsuchendes Beratungsprojekt,
00:27:15.172
das Alpha-Mobil, das bundesweit in Deutschland an belebten Plätzen öffentlich,
00:27:20.932
stand und Menschen aktiv angesprochen hat auf das Thema.
00:27:24.042
Und das versuchen wir auch wieder zu beleben, weil da die Förderung eingestellt wurde.
00:27:30.238
Wo siehst du derzeit die größten politischen Baustellen, Herausforderungen,
00:27:34.232
wenn es um digitale Teilhabe von Menschen mit geringer Literalität geht?
00:27:38.644
Wir sprechen da auch nach der Frage, wie werden Menschen ausreichend mitgedacht?
00:27:45.002
Welche Verantwortung geht da an die Behörden, die Anbieter, die Unternehmen?
00:27:49.162
Also wo sind da gerade die Herausforderungen?
00:27:53.608
Das ist schon auch eine recht große Frage. Also ich würde das erstmal so grundsätzlich
00:27:57.602
allgemein bezogen auf unsere Zielgruppe,
00:27:59.892
sagen, dass sie nicht ausreichend mitgedacht wird, also dass gering literalisierte
00:28:04.502
Menschen auch wie Menschen mit anderen Einschränkungen nie ausreichend mitgedacht
00:28:07.632
werden, sondern dass man immer von der Norm ausgeht und dann.
00:28:13.132
Das gibt natürlich bestimmte rechtliche Regelungen, die Weichen stellen und
00:28:16.422
auch Teilhabe versuchen zu ermöglichen, Barrieren abzubauen und so.
00:28:20.352
Du hattest eben auch schon angesprochen, bezogen auf unsere Zielgruppe jetzt
00:28:23.472
den Einsatz leichter Sprache oder auch dann eben einfacher Sprache.
00:28:27.272
Das sind schon rechtliche Weichenstellungen, die sehr, sehr wichtig sind,
00:28:31.712
damit auch wirklich Teilhabe verbessert werden kann, jetzt auf Ebene von Politik,
00:28:37.502
Verwaltung und dem öffentlichen Raum.
00:28:41.353
Ja, also Sprachvereinfachung ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor.
00:28:45.666
Aber ja, insgesamt ist es, ich finde die Frage schon sehr komplex,
00:28:50.772
weil es geht ja um digitale Teilhabe,
00:28:52.972
ist ja so vielfältig, du hattest jetzt auch angesprochen, Unternehmen,
00:28:56.442
da würde ich sagen, da muss man unterscheiden zwischen denjenigen,
00:29:00.082
also geht es jetzt um die Mitarbeitenden oder geht es eher um Kundinnen und
00:29:03.132
Kunden, weil vieles ist ja schon auch in dem Bereich,
00:29:06.972
der Kundenorientierung, macht man sich ja manchmal vielleicht auch auf mehr Mühe,
00:29:11.292
Zielgruppen einzubinden, Aber in Unternehmen ist ein wichtiger Faktor,
00:29:16.158
was die Digitalisierung angeht, schreiten sehr viel,
00:29:19.992
es gibt sehr viel Veränderung auch in dem beruflichen Alltag und das stellt
00:29:23.882
Gering-Gestralisierte vor Hürden und da müsste man denke ich auch noch mehr,
00:29:28.233
investieren und tun, dass man schafft,
00:29:32.267
die Personen im Unternehmen auch zu schulen und fortzubilden.
00:29:36.522
Also dass man mitdenkt, dass das eben eine Hürde darstellt und da auch noch
00:29:40.262
mehr investiert, Bildungsfortbildungsangebote zu stärken.
00:29:45.032
Hat so ein Barrierefreiheitsstärkungsgesetz aus deiner Sicht auch eine Auswirkung
00:29:49.493
auf Menschen mit geringer Literalität? Also kann das auch diesen Menschen dienen?
00:29:55.505
Ich kann das nicht ganz genau sagen, aber ich würde hoffen, ja.
00:29:58.964
Also das würde ich schon hoffen. Also es sind auf jeden Fall wichtige Weichenstellungen
00:30:03.533
in die richtige Richtung.
00:30:05.951
Was wird aus deiner Sicht von Politik, Verwaltung und Wirtschaft über Menschen
00:30:10.973
mit geringer Literalität noch zu wenig verstanden oder falsch verstanden oder
00:30:15.613
nicht richtig eingeschätzt?
00:30:19.861
Also was immer schwer zu vermitteln ist, dass es nicht um Personen geht,
00:30:24.993
die gar keine Kenntnisse haben, sondern einfach zu geringe.
00:30:28.583
Aber das wird mittlerweile schon sehr viel besser verstanden als früher.
00:30:32.773
Also mittlerweile hat sich schon so ein stabiles Bewusstsein in der politischen
00:30:37.023
Ebene durchgesetzt und auch in der Verwaltung, dass es um eine Zielgruppe geht,
00:30:40.693
die eben diverser ist und breiter aufgestellt. dass es einfach um einen zu geringen
00:30:44.927
und zu wenig Kenntnisse geht und nicht um gar keine.
00:30:48.276
Und dann ist ein zweiter Punkt, dass man nicht so gut versteht,
00:30:52.873
warum die Menschen ihre Kenntnisse sich nicht einfach in Anführungszeichen verbessern
00:30:55.963
wollen, sondern dass es viel Einsatzbedarf, auch
00:30:58.395
von Akteuren wie uns jetzt zum Beispiel, dass man Menschen fürs Lernen begeistert,
00:31:01.653
dass man die anspricht, dass man denen überhaupt vermittelt,
00:31:03.902
dass es noch Angebote gibt, weil sie hatten bisher ja keine guten Erfahrungen
00:31:07.745
mit dem Lernen oder sie hatten auch einfach, wenn sie zum Beispiel zugewandert sind, nicht die
00:31:11.600
ausreichende Chance, das zu lernen.
00:31:16.123
Und ja, was wir jetzt aktuell beobachten, ist, dass der Einsatz für Grundbildung
00:31:22.863
jetzt aus Ressourcenknappheit immer stärker auf den Arbeitsmarkt zugeschnitten wird.
00:31:26.693
Das ist natürlich sinnvoll, dass man auch die berufliche Integration stärkt
00:31:31.793
und die Teilhabe, aber gleichzeitig hat geringe Grundbildung ja so weitreichende
00:31:34.983
grundlegende Auswirkungen auf Gesundheit, auf Familie, auf das soziale Leben.
00:31:39.583
Und deswegen finde ich es wichtig, dass man den Fokus wieder erweitert und dass
00:31:43.203
man mehr auf die ganzheitliche Teilhabe in allen Domänen guckt und nicht nur auf den Arbeitsmarkt.
00:31:50.151
Nicole, zum Schluss. Welche Botschaft möchtest du den Multibligatorinnen vom
00:31:55.163
Digitalkompass gerne mit auf den Weg geben?
00:31:58.765
Also jede Person, die sich da jetzt einsetzt im Rechtsdigitalkompass und schon
00:32:03.291
mal davon gehört hat, wie viele Menschen gering neutralisiert sind, hilft weiter.
00:32:07.331
Und da so eine wichtige Botschaft ist, dass man dadurch einfach auch unterstützen
00:32:11.731
kann, dass man weiß, dass es sehr viele Menschen in Deutschland gibt.
00:32:17.003
Auch Deutschsprachige, die zu geringe Kenntnisse haben.
00:32:20.561
Und dann ist es, wenn man zum Beispiel auf jemanden trifft, der im Supermarkt
00:32:24.221
einem nach Produkt fragt oder auf dem Bahnsteig nach der Zuginfo,
00:32:27.091
das ist dann sehr freundlich und hilfreich, wenn man nicht sagt,
00:32:31.401
steht doch da oder sowas.
00:32:32.741
Sondern dass man eben einfach die Hilfestellung gibt und die Informationen freundlich
00:32:38.211
gibt und natürlich gerade auch die, die in Berufen arbeiten,
00:32:41.241
wo sie dann auch professionellen Kontakt mit möglichen Betroffenen haben, ist es total,
00:32:46.046
hilfreich, wenn man zum Beispiel auch Unterstützung anbietet,
00:32:49.621
Dinge mal vorliest oder sowas und man kann sich da auch fit machen.
00:32:53.401
Wir haben zum Beispiel Sensibilisierungsschulungen, die wir kostenfrei anbieten
00:32:56.631
und da kann man dann eben auch nochmal als Multiplikatorin sich ein bisschen
00:33:01.892
fitter machen für die Ansprache.
00:33:04.214
Vor allem ist geringe Literalität etwas, was nicht sichtbar ist.
00:33:07.831
Deshalb ist es immer gut, wenn ein Mann gefragt wird, einfach die Hilfeleistung
00:33:11.221
zu geben. Weil ich glaube, wenn ein Mensch, egal wo er Hilfe braucht,
00:33:15.991
nach Hilfe fragt, überlegt er sich das ganz gut, bevor er die Hilfe fragt.
00:33:20.251
Und er fragt sie nicht einfach so.
00:33:21.722
Das ist, glaube ich, eine Botschaft, die du jetzt gerade gegeben hast,
00:33:24.561
die an unsere gesamte Gesellschaft gibt, für alle Menschen, die mal um Hilfe fragen.
00:33:28.885
Danke, das hast du sehr schön zusammengefasst.
00:33:32.235
Dr. Nicole Pöppel, Geschäftsführerin vom Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung.
00:33:40.855
Vielen Dank für deine Zeit, vielen Dank für diese interessanten Informationen
00:33:44.381
und ich drücke die Daumen, dass eure Kampagnen dann doch noch verlängert werden
00:33:48.151
oder neu aufgelegt werden oder ihr neue Ideen entwickeln könnt,
00:33:51.223
um dieses Thema in die Gesellschaft zu bringen. Ganz herzlichen Dank.
00:33:58.903
Digital Kompass Podcast – digital einfach erklärt,
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Ein Projekt von Deutschland sicher im Netz und der Bundesarbeitsgemeinschaft
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der Seniorenorganisationen Gefördert vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz,
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uns. bitte per Mail an info at digital-kompass.de.
In der Podcast-Folge ging es um diese Fragen:
- Was ist geringe Literalität, wie unterscheidet sie sich von Legasthenie und welche Bedeutung hat das Thema in Deutschland?
- Welche Perspektiven bringen Lernbotschafter:innen in die Arbeit des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung ein?
- Wo erleichtern digitale Angebote den Alltag und wo entstehen neue Barrieren?
- Welche Rolle spielen verständliche Sprache, digitale Hilfsmittel und Künstliche Intelligenz für mehr Teilhabe?
- Welche Zusammenhänge gibt es zwischen geringer Literalität, sozialer Ungleichheit und digitaler Teilhabe?
- Welche politischen Herausforderungen bestehen aktuell mit Blick auf die Teilhabe von Menschen mit geringer Literalität?
- Was wird von Politik, Verwaltung und Wirtschaft über Menschen mit geringer Literalität noch zu wenig verstanden?
- Welche Impulse können Multiplikator:innen des Digital-Kompass in ihre Arbeit mitnehmen?
Links aus dem Podcast:
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