Staffel 1, Folge 17Mobilität und Barrieren
- Beteiligt: Nadja Ullrich (Aktion Mensch) und Nora Plogstedt& Annette Jooss (Berliner Hausbesuche).
- Erschienen am: 03 Juli 2025
Über die Folge
In der 17 Episode des Digital-Kompass Podcasts sprechen Nadja Ullrich von der Aktion Mensch und Nora Plogstedt & Annette Jooss von den Berliner Hausbesuche über die körperliche und geistige Mobilität von Senioren und Menschen mit Behinderung.
Mobilität und Barrieren

Transkript zum nachlesen
00:00:00.017
Mobilität ist ja kein nice to have, sondern jeder möchte, hat das Recht,
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selbstbestimmt und unabhängig unterwegs zu sein.
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Und das ist ja ein Recht, was wir eigentlich alle für uns selbstverständlich in Anspruch nehmen.
00:00:14.477
Und Menschen mit einer Beeinträchtigung wird dieses Recht aufgrund von fehlender
00:00:20.277
Barrierefreiheit, Infrastruktur, Services einfach schwer gemacht bis teilweise unmöglich gemacht.
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Digitalkompass Podcast Der Podcast, um gemeinsam digitale Barrieren zu überwinden
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00:00:38.157
Präsentiert vom Digitalkompass
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Moderator, euer Inklusator Sascha Lang Digital Kompass Podcast.
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Wir sprechen heute über Mobilität und Barrieren.
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Bei mir zu Gast sind drei Frauen. Und zwar starte ich mit Anja Ullrich von der
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Aktion Mensch. Herzlich willkommen.
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Hallo.
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Und dann von Berliner Hausbesuche Nora Plokstedt und Annette Joos. Hallo.
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Hallo. Hallo. Guten Tag.
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Damit wir wissen, wie wir heute zu tun haben, würde ich mal gerne anfangen mit
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Annette. Stell dich mal einfach kurz zu unseren Zuhörern vor, bitte.
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Mein Name ist Annette Joos von den Berliner Hausbesuchen. Wir sind ein senatsgefördertes
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Projekt und der Trägerschaft der Maltese, ein kostenloses Informationsangebot
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für Menschen ab 70 Jahre.
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Und ich selber bin Sozialarbeiterin.
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Und dann haben wir noch Nora, genau.
00:01:37.317
Mein Name ist Nora Plockstedt. Ich bin die Kollegin von Annette Joost bei den
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Berliner Hausbesuchen, bin seit zweieinhalb
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Jahren dabei und bin gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin.
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Wir haben schon angedeutet, auch die Aktion Mensch ist bei uns mit Nadja Ulrich.
00:01:52.197
Frau Ulrich, erzählen Sie uns kurz in zwei Sätzen nochmal, wer ist überhaupt die Aktion Mensch?
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Weil es gibt immer noch anscheinend Leute, die nicht wissen,
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wer die Aktion Mensch ist. Und etwas kurz natürlich zu Ihnen.
00:02:00.857
Was?
00:02:01.337
Das kann nicht sein. Also die Aktion Mensch gibt es schon über 60 Jahre.
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Wir sind die größte Soziallotterie in Deutschland.
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Und seit dem Anbeginn an beschäftigen wir uns mit den Themen Inklusion und Behinderung.
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Wir fördern Projekte für Menschen mit Behinderung und für Kinder und Jugendliche
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und beschäftigen uns halt mit allen Aspekten des Themas Inklusion und machen
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da auch Aufklärungskampagnen.
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Und genau aus diesem Bereich komme ich.
00:02:30.797
Ich mache Inklusionsaufklärung sozusagen seit auch schon sehr langer Zeit und
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seit einigen Jahren mit dem Schwerpunkt digitale Teilhabe und Mobilität.
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Sehr schön. Wir sprechen über unter anderem eine Studie, die uns zugrunde liegt,
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eine Studie des Inklusionsbarometer Mobilität von der Aktion Mensch.
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Die Resultate liegen vor, Sie haben sich sehr intensiv damit beschäftigt.
00:02:57.342
Was hat Sie bei diesen Ergebnissen vielleicht überrascht oder wie interpretieren
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Sie die Ergebnisse dieser Studie?
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Ja, also so richtig überrascht hat mich eigentlich an der Studie nicht so viel,
00:03:12.022
weil wir beschäftigen uns ja
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schon sehr lange mit dem Thema und kennen natürlich so die Problematiken.
00:03:17.242
Ja, da ist natürlich das Thema barrierefreie Zugänglichkeit ist für Menschen
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mit einer Behinderung natürlich besonders relevant.
00:03:25.662
Auch beim Thema Mobilität geht es auch viel um einen Zeit- und Kostenfaktor,
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der für Menschen mit Behinderung oft im Vergleich zu Menschen ohne eine Behinderung einfach viel höher ist.
00:03:36.782
Was einmal mit der vielen Barrierefreiheit zusammenhängt, die einfach Wege erschwert,
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die es teilweise eben mühsamer macht, an den gewünschten Ort zu kommen.
00:03:48.062
Und oft müssen eben auch kostenintensivere Mobilitätslösungen gefunden werden,
00:03:52.842
weil einfach die Nutzung des ÖPNV nicht möglich ist.
00:03:55.502
Und was mich aber wirklich erschreckt hat,
00:03:59.502
ist, dass viele Menschen mit Behinderung eigentlich noch stärker als die Zugänglichkeit
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uns über soziale Aspekte erzählt haben und diese auch signifikant einfach schlechter
00:04:10.182
einschätzen als Menschen ohne eine Behinderung.
00:04:13.402
Da geht es zum Beispiel um die Selbstständigkeit beim Reisen und auch den Spaß am Reisen generell.
00:04:19.922
Doppelt so viele Menschen mit
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Behinderung fühlen sich beim Unterwegssein unsicher und alleingelassen.
00:04:26.422
Und nur 67 Prozent der Menschen mit Behinderung sind überhaupt gerne unterwegs,
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im Vergleich zu 78 Prozent der Menschen ohne eine Beeinträchtigung.
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Und Menschen mit Behinderung machen leider auch signifikant schlechtere Erfahrungen
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mit ihren Mitmenschen und auch teilweise mit Servicepersonal,
00:04:45.202
wenn sie unterwegs sind.
00:04:47.400
Das klingt ja sehr beunruhigend im Zeitalter vom Jahr 2025,
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Wo wir da vielleicht noch weiter sein müssten.
00:04:54.720
Welche Barrieren sind denn aus
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Ihrer Sicht besonders gravierend noch und warum sind die so gravierend?
00:05:02.060
Also eigentlich kann man das ganze Spektrum der Mobilität hier mit einbeziehen.
00:05:07.520
Bus, Bahn, Zugänge zu Haltestellen, Bahnhöfen, Zugänge zu Gleisen sind ein Problem.
00:05:14.020
Jetzt in den letzten Jahren aber auch ganz vermehrt in den Weg gestellte E-Roller,
00:05:20.280
Aufsteller, einfach dass Fußwege irgendwie verstellt sind.
00:05:24.880
Das ist ein Riesenproblem, weil das natürlich einfach wirklich Stolperfallen
00:05:29.440
sind für viele Menschen, an denen sie gar nicht vorbeikommen.
00:05:33.260
Und was auch nicht vergessen werden darf, ist ja, dass viele Menschen mit einer
00:05:37.540
Beeinträchtigung auch nach wie vor auf das Auto angewiesen sind.
00:05:42.060
Und da ist es eben wichtig, dass jetzt nicht zum Beispiel auf dem Hintergrund
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des Themas Nachhaltigkeit, was natürlich super wichtig ist, was auch in der
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Studie alle gesagt haben, dass das für sie total wichtig ist.
00:05:54.960
Aber man darf eben da die Verkehrsteilnehmer auch nicht gegeneinander ausspielen,
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indem man eben autofreie Zonen baut, aber dann halt vergisst da wiederum auch
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Parkplätze, rollstuhlgerechte Parkplätze zu bauen.
00:06:07.640
Das ist also so ein Thema, was wahrscheinlich in den nächsten Jahren,
00:06:11.240
denke ich, noch stärker kommen wird auch.
00:06:13.880
Über Barrierefreiheit und Mobilität diskutieren fällt uns direkt oder geht uns
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direkt in den Kopf so, dass das bauliche.
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Baulicher ist nur das eine. Wir steuern jetzt gerade auf das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz
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zu, was Produkte und Services auch barrierefrei machen soll.
00:06:30.280
Kommunikation und Informationsbarrieren sind aber auch sehr stark noch präsent.
00:06:34.440
Ja, ja, genau. Man muss sich einfach vorstellen, dass Menschen mit einer Behinderung
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oft nicht einfach spontan unterwegs sein können, sondern einfach viel planen müssen.
00:06:45.020
Fährt der Zug, für den ich den Mobilitätsservice gebucht habe überhaupt?
00:06:49.300
Oder sind die Aufzüge im Bahnhof? Gehen die oder sind die kaputt?
00:06:53.600
Gibt es Baustellen auf dem Weg und so weiter? Also da ist einfach ein sehr hohes
00:06:57.800
Informationsbedürfnis da.
00:07:00.280
Und ein weiteres Hindernis, was unsere Befragung verbindet, alle übrigens,
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Durchsagen am Bahnhof werden von über 50 Prozent der Menschen akustisch schlecht verstanden.
00:07:12.520
Das ist auch etwas, was wir festgestellt haben.
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Und klar, Informationen sind einfach essentiell und Kommunikation,
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gerade wenn man mit einer Behinderung unterwegs ist.
00:07:25.300
Da kann schon ein kleines Detail nicht passen oder nicht stimmen oder nicht
00:07:31.060
funktionieren und dann kann das eine gesamte Reise eigentlich schon zunichte
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machen. Das muss man sich einfach vor Augen halten.
00:07:37.540
Wenn wir auf die digitalen Angebote blicken, das bietet ja auf der anderen Seite
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Chancen an, auf der anderen Seite aber auch vielleicht Herausforderungen.
00:07:46.940
Wo sehen Sie die Chancen und wo sehen Sie die Herausforderungen bei der digitalen
00:07:50.940
Angebote? ich meine, wir haben jetzt, letztes Jahr kam die Deutsche Bahn um
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die Ecke und hat gesagt, Bahnkarte nur noch digital.
00:07:57.780
Einen finden das gut, wegen weniger Papierkram, weniger Karten,
00:08:00.960
weil sie auch noch nicht für Blinde und Sehbehinderte mit Blindenschrift versehen waren.
00:08:04.380
Das heißt, man hat eine Karte weniger im Gelb. Das sind aber alles Sachen,
00:08:07.360
die ja, für den einen gut, für den anderen schlecht. Wie empfinden Sie das oder was?
00:08:12.460
Gab es da auch vielleicht Informationen aus der Studie heraus?
00:08:16.140
Ja, in der Studie, also man muss dazu sagen, die ist von 2022.
00:08:20.440
Da ist natürlich die Zeit jetzt schon ein bisschen fortgeschritten.
00:08:23.880
In der Studie wurden die digitalen Angebote noch gar nicht so hoch gerankt,
00:08:29.240
muss man sagen, in der Mobilität.
00:08:31.580
Aber generell muss man natürlich sagen, dass digitale Angebote können das Leben
00:08:37.200
für Menschen mit Behinderung natürlich erheblich leichter machen.
00:08:40.100
Das muss man einfach sagen. Wenn sie mobilisiert planen oder auch beim Unterwegssein,
00:08:45.880
da kann natürlich so ein digitales Tool sehr hilfreich sein.
00:08:49.580
Dann müssen die Angebote aber eben auch nutzerfreundlich und barrierefrei umgesetzt sein.
00:08:55.220
Und vor allem geht es dann auch darum, dass auch Echtzeitdaten geliefert werden können.
00:09:01.400
Also wieder zum Beispiel das Thema defekte Aufzüge, das sind so Themen.
00:09:05.880
Wir hatten im Rahmen eines Projektes mit der RWTH Aachen Workshops mit Menschen
00:09:11.260
mit Behinderung gemacht und wir wissen aus diesen Workshops,
00:09:14.840
dass so ein digitaler Reisebegleiter, wie wir es genannt haben,
00:09:19.200
Eigentlich gut wäre, da der dann auf individuelle Bedürfnisse angepasst werden kann.
00:09:26.060
Also es kann sehr hilfreich sein, aber nach meinem Eindruck werden die Bedürfnisse
00:09:30.980
vom Menschen mit einer Beeinträchtigung heute in digitalen Angeboten eben noch nicht so.
00:09:35.670
Hoch so sehr berücksichtigt oder zu wenig berücksichtigt und wirklich ein Problem
00:09:41.670
sind einfach an vielen Stellen, aber auch die fehlenden Daten zur Barrierefreiheit,
00:09:46.830
also gerade temporäre Hindernisse, Baustellen und sowas.
00:09:50.330
Da haben wir tatsächlich auch im Moment, glaube ich, noch ein Problem,
00:09:54.410
obwohl ich weiß, dass auch an verschiedenen Stellen, in Projekten auch an diesen
00:09:59.330
Themen gearbeitet wird.
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Ich füge da noch eine Frage dazwischen. Oft ist es ja so, dass wir gerade auch
00:10:04.870
bei Mobilität ja das Problem haben, dass mangelnde Daten an Informationen über
00:10:11.050
Barrierefreiheit, das ist ja das eine.
00:10:12.930
Aber manchmal würde es ja reichen, auch wenn wir Daten hätten über Nicht-Barrierefreiheit.
00:10:16.830
Aber da sträuben sich so ein bisschen die Leute dazu, die Informationen über
00:10:20.730
Nicht-Barrierefreiheit zu geben, was wiederum helfen könnte,
00:10:23.970
weil man dann selber entscheiden kann, ist das, was da fehlt,
00:10:26.770
für mich relevant oder ist es nicht relevant. Wenn gar keine Information da
00:10:29.810
steht, dann weiß ich auch gar nichts.
00:10:31.330
Was halten Sie von der Idee, dass man auch mal auf den Weg geht?
00:10:33.850
Wir sind jetzt bei den Kollegen von Barrierefrei Feiern auch auf diesem Trip,
00:10:37.650
den Veranstaltern mitzuteilen.
00:10:39.330
Ja, dann schreibt auch gerne mal hin, was eben nicht geht.
00:10:42.090
Wenn ihr kein barrierefreies WC habt, dann ist es okay.
00:10:45.130
Aber dann weiß man das als Rollstuhlfahrer und kann sich gegebenenfalls vor
00:10:49.270
einem Konzert dementsprechend organisieren oder was auch immer. Was halten Sie davon?
00:10:54.490
Ich finde das einen absolut richtigen Ansatz. Wir haben das eigentlich bei der
00:10:58.190
Aktion Mensch tatsächlich, war früher auch im Eventmanagement,
00:11:01.210
da haben wir das eigentlich auch immer so gemacht.
00:11:03.610
Also wir haben gesagt, was wir anbieten, wenn wir Veranstaltungen machen.
00:11:07.790
Und vielleicht ein bisschen implizit, aber ich glaube schon,
00:11:10.550
dass auch immer klar wurde, was wir eben nicht anbieten können.
00:11:13.910
Und wir haben auch immer, also immer, wenn ich sozusagen anderen versucht habe,
00:11:18.250
ein bisschen mitzuteilen, wie kann man es denn machen, auch immer gesagt,
00:11:22.130
ja, bitte sagt auch, was ihr eben nicht anbieten könnt, damit man dann eben entscheiden kann,
00:11:28.150
ja, ist das trotzdem noch was für mich oder kann ich dann leider nicht teilnehmen.
00:11:32.350
Also das wäre auf jeden Fall ein erster Schritt, ich glaube auch zur Sensibilisierung
00:11:35.570
für Barrieren, wenn man einfach mal weiß, okay, das ist überhaupt eine Barriere.
00:11:40.775
Und das setzt, glaube ich, auch einen Denkprozess bei den Veranstaltern in Gang.
00:11:46.775
In der Mobilität ist ja eine Barriere für mich, ist nicht gerade eine Barriere
00:11:50.275
für den anderen Blinden oder für einen Rollstuhlfahrer ist eine Barriere anders
00:11:53.815
wie für den anderen Rollstuhlfahrer.
00:11:55.455
Macht das die Sache etwas komplizierter, dass Barrieren nicht gleich für jeden
00:11:58.555
immer dieselben Barrieren sind?
00:12:00.315
Ja, aber das ist natürlich völlig richtig.
00:12:04.395
Aber umso wichtiger ist es, glaube ich, immer wieder zu sensibilisieren für diese Barrieren.
00:12:10.755
Und man kann ja auch wirklich so eine Art Checkliste erstellen,
00:12:14.595
wo man einfach mal durchgeht, wie die ganzen Barrieren, die es gibt.
00:12:18.775
Also eine Patentlösung habe ich jetzt dafür eigentlich auch nicht.
00:12:23.495
Und natürlich, was man auf jeden Fall machen sollte, was immer gut ist,
00:12:28.375
bei der Planung von solchen Veranstaltungen auch Menschen mit Beeinträchtigungen
00:12:32.215
einzubeziehen und zu fragen, ganz konkret, was braucht ihr denn hier eigentlich gerade?
00:12:37.775
Wenn das möglich ist, wäre das natürlich eigentlich die beste Lösung.
00:12:41.415
Sie haben schon kurz vorher angesprochen, das Projekt mit RWTH Aachen.
00:12:46.755
Für was steht RWTH überhaupt?
00:12:48.535
Genau, das hatte ich gar nicht gesagt. Das ist die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen.
00:12:54.615
Das ist also eine Universität in Aachen, die sehr stark auf technische Fächer spezialisiert ist,
00:13:02.835
Traditionell. Und mit dem zusammen entwickeln Sie gerade ein neues Mobilitätskonzept,
00:13:07.655
wo sicherlich auch Ihre Studie, die zwar schon ein paar Jahre alt ist,
00:13:10.355
auch Einfluss hat. Was geht es da in diesem Konzept genau?
00:13:14.255
Also wir haben uns die Frage gestellt, können wir ein Mobilitätskonzept entwickeln,
00:13:20.795
was inklusiv ist und für alle Menschen mit oder ohne Behinderung,
00:13:24.995
egal welche Voraussetzung, gut nutzbar ist.
00:13:27.995
Und wir haben da mit dem Projekt gestartet, indem wir
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Workshops gemacht haben mit Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen und
00:13:36.564
die einfach gefragt haben, was ihre individuellen Bedürfnisse sind in der Mobilität.
00:13:43.524
Und im nächsten Schritt haben wir dann diese individuellen Erkenntnisse verallgemeinert
00:13:48.644
und natürlich stellt man dann fest, dass viele Fakten, die wir in der Studie haben,
00:13:55.404
auch mit diesen Ergebnissen korrelieren, dass es einfach zusammenpasst natürlich.
00:14:01.064
Und besonders eben, was das Informationsbedürfnis angeht.
00:14:05.144
Deshalb beschäftigen wir uns auch jetzt ganz spezifisch auch mit diesem Informationsthema.
00:14:10.184
Wir werfen gleich einen Blick auf die Praxis mit den Kollegen von Berliner Hausbesuche.
00:14:15.844
Die kümmern sich ja mehr, wenn ich das richtig verstanden habe,
00:14:18.884
kommen sie aber gleich nochmal wahrscheinlich drauf zurück, über Personen,
00:14:21.224
die ältere Generation sozusagen.
00:14:24.884
Wir haben uns jetzt sehr viel mit Menschen mit Behinderung auseinandergesetzt.
00:14:27.504
Ist das alles auch sehr einfach und klar transponierbar auf Menschen,
00:14:31.344
die ältere Menschen, Barriereprobleme in der Mobilität?
00:14:34.224
Also könnte man da sagen, wir stricken das zu eng, wenn wir nur von Menschen
00:14:39.384
mit Behinderung sprechen, sondern wirklich auch von älteren Menschen direkt mitsprechen dürfen?
00:14:43.464
Definitiv, also weil das ist ja unterschiedlich für Menschenaltern.
00:14:47.504
Manche Menschen haben eher Probleme mit der Mobilität, manche sehen schlechter,
00:14:51.384
manche hören schlechter.
00:14:52.404
Was uns aber schon häufig begegnet ist, dass die Menschen Einschränkungen haben
00:14:58.164
und dass dadurch der Zugang zu der modernen Lebenswelt eindeutig erschwert ist.
00:15:05.324
Das haben wir tatsächlich häufig als Thema im Großbrissen.
00:15:08.204
Frau Ulrich, in der Studie sind da dann auch ältere Menschen mit berücksichtigt worden?
00:15:13.544
Wie gesagt, es ist ja schon 2022, aber wurde da ein Unterschied gemacht zwischen
00:15:17.444
Menschen mit Behinderung oder älteren Menschen?
00:15:20.574
Wir haben natürlich bei denen,
00:15:23.214
Die befragt worden sind, sicherlich auch ältere Menschen dabei.
00:15:26.894
Aber unser Hauptkriterium war die Behinderung beziehungsweise Beeinträchtigung.
00:15:32.274
Aber natürlich haben wir auch
00:15:33.694
ältere Menschen drin, aber ich kann jetzt nicht genau sagen, wie viele.
00:15:37.914
Ich kann aber sagen, dass wir in dem Projekt mit der RWTH Aachen auch einen
00:15:42.714
Workshop mit Senioren gemacht haben tatsächlich. Und da kamen teilweise eben
00:15:49.174
sehr ähnliche Bedürfnisse heraus.
00:15:53.094
Kommen wir nochmal zu den Berliner Hausbesuchen. Erzählt uns mal ganz kurz,
00:15:56.414
was verstehe ich da drunter? Was macht ihr genau?
00:16:00.374
Also wir sind ein kostenfreies Informationsangebot für alle Menschen ab 70 in Berlin.
00:16:06.834
Und in der Regel gehen wir eben zu den Menschen nach Hause und informieren sie
00:16:10.994
dort zu verschiedensten Themen, also Gesundheit, Pflege, Freizeitgestaltung etc.
00:16:18.194
Und in der Regel ist es so, dass die Senioren erstmal bei uns anrufen,
00:16:22.074
um einen Hausbesuch zu vereinbaren telefonisch und wir erfragen dann schon in
00:16:27.034
diesem ersten Telefonkontakt, was so für konkrete Fragen vielleicht vorhanden
00:16:30.994
sind oder vielleicht auch was für Probleme aufgetreten sind.
00:16:35.114
Und wir fragen dann eben auch, wo der Besuch stattfinden soll.
00:16:38.554
Also wir nennen uns zwar Berliner Hausbesuche, aber wir müssen natürlich nicht
00:16:41.794
zu den Menschen unbedingt nach Hause kommen, sondern manche Senioren und Seniorinnen
00:16:45.574
hätten es lieber, wenn wir uns eben in einem neutraleren Ort treffen.
00:16:49.674
Also ich war zum Beispiel schon in verschiedenen Cafés für das Informationsgespräch
00:16:54.694
oder in Freizeiteinrichtungen oder bei schönem Wetter auch mal im Park.
00:16:57.814
Und wir sind da auch ganz flexibel und richten uns da ganz nach den Wünschen
00:17:01.134
von den Senioren und Seniorinnen.
00:17:03.398
Genau. Und vorbereitend, wenn wir dann erfahren haben, was so die Themen von
00:17:08.618
dem Anrufer sind, packen wir dann eine Mappe zusammen mit verschiedenen Informationsangeboten
00:17:13.478
und suchen eben passgenaue Angebote für den Menschen in der Nähe raus.
00:17:17.878
Das können ganz individuelle Anfragen sein. Also ich hatte zum Beispiel mal
00:17:21.898
die Anfrage für einen Computerkurs auf Russisch oder ein Senior wollte mal eine
00:17:26.578
Liste mit günstigen Mittagstischen zugeschickt bekommen.
00:17:29.738
Und das bereiten wir eben alles vor, recherchieren das, packen das dann in diese
00:17:33.598
Mappe und gehen dann in den Hausbesuch oder in das Informationstreffen eben.
00:17:39.038
Und für den Hausbesuch nehmen wir uns auch wirklich Zeit. Also in der Regel
00:17:41.938
sind wir so eine gute Stunde vor Ort.
00:17:44.858
Und das ist auch häufig nötig, weil so sensiblere Themen wie zum Beispiel Einsamkeit
00:17:49.038
oder Trauer, die werden häufig im Telefonat noch nicht so thematisiert.
00:17:53.338
Aber wenn wir dann vor Ort sind und so eine gewisse Vertrauensbasis eben sich
00:17:57.278
aufgebaut hat, dann werden solche Themen dann doch angesprochen.
00:18:00.758
Und denen muss man natürlich dann entsprechend Raum und Zeit auch geben.
00:18:04.578
Genau, wir informieren dann eben in diesem Gespräch und beantworten die verschiedenen Fragen.
00:18:11.338
Und häufig ist es auch so, dass die Senioren und Senioren dann vielleicht nicht
00:18:14.838
alleine anrufen wollen bei diesen Kontakten, die wir da lassen,
00:18:18.698
sondern dann auch ganz gerne mit uns gemeinsam dort anrufen möchten.
00:18:22.418
Und das ist dann natürlich auch möglich, dass wir dann einfach gemeinsam den
00:18:25.218
Hörer in die Hand nehmen, zum Beispiel bei einer Beratungsstelle dann anrufen
00:18:29.378
und dann schon einen konkreten Termin vereinbaren können, sodass wir dann auch
00:18:32.518
sicher sind, dass derjenige im Hilfenetzwerk ankommt.
00:18:36.218
Gibt es denn den typischen Hausbesuch?
00:18:40.362
Und wenn ja, läuft der ab?
00:18:43.902
Naja, eben ganz unterschiedlich. Also es ist so individuell wie die Leute selber.
00:18:48.042
Also wir gucken dann, was sind eben so die Themen, was sind die Fragen,
00:18:51.022
bereiten die vor, treffen uns dann auch an einem individuellen Ort.
00:18:55.762
Und manche brauchen dann eben mehr Hilfe, wollen dann eben auch Unterstützung
00:18:59.922
haben bei der Kontaktaufnahme.
00:19:01.662
Und manche möchten sich nur allgemein informieren und nehmen dann alles Weitere selbst in die Hand.
00:19:08.242
Und welche Themen beschäftigt die Menschen über 70 so am meisten?
00:19:12.402
Die haben gesagt, Einsamkeit ist ein Thema, Trauer vielleicht.
00:19:15.802
Aber was sind so die Themen, die im Moment so on top sind, sagen wir mal so?
00:19:20.162
Also die Berliner Hausbesuche sind ja ein präventiver Dienst und unterstützen
00:19:24.722
die Menschen darin, solange wie möglich ein eigenständiges Leben zu führen und
00:19:28.962
ihre Gesundheit zu erhalten.
00:19:30.562
Und deswegen haben wir tatsächlich häufig Anfragen zu Freizeit- und Sportangeboten in Wohnortnähe.
00:19:36.322
Und da ist tatsächlich auch so, also wenn jetzt Menschen eingeschränkt sind,
00:19:40.322
dann sagen die zum Beispiel, ich kann jetzt an einem normalen Yoga-Kurs nicht teilnehmen.
00:19:44.842
Und dann haben wir zum Beispiel auch so Angebote Stuhl-Yoga oder Qigong.
00:19:49.882
Oder was auch von großem Interesse ist, sind so Spaziergangs- und Wandergruppen.
00:19:54.862
Und da gibt es einfach sehr unterschiedliche.
00:19:58.582
Da können auch Menschen mit einem Rollator zum Beispiel teilnehmen.
00:20:01.682
Also dann sucht man halt so ein spezielles, individuelles Angebot für die Menschen raus.
00:20:07.162
Dann gibt es eine große Nachfrage nach Haushalts- und Alltagsunterstützung,
00:20:11.422
weil Menschen, die zum Beispiel in ihrer Mobilität oder im Sehen oder Hören eingeschränkt sind,
00:20:17.082
die möchten ja gern trotzdem zu Hause weiterleben und brauchen vielleicht einfach
00:20:20.622
nur Hilfe beim Einkaufen oder im Haushalt.
00:20:23.393
Dann ist auch so,
00:20:24.353
Was Sie schon angesprochen hatten, dass viele ältere Menschen allein leben und
00:20:28.393
in Gesellschaft möchten.
00:20:29.813
Und da gibt es zum einen, wenn jemand rausgeht und mobil ist,
00:20:33.333
halt Seniorenfreizeitstätten in der Nähe, die wir empfehlen können.
00:20:37.073
Aber wenn jemand nicht mehr so mobil ist oder also besonders auch,
00:20:41.033
wenn jemand schlecht hört oder sieht, traut sich die Person vielleicht nicht
00:20:44.853
in die Freizeitstätte unter vielen Menschen und möchte lieber zu Hause besucht werden.
00:20:49.633
Und da empfehlen wir dann zum Beispiel Besuchsdienste. Das sind Ehrenamtliche,
00:20:53.933
die auch nach Hause kommen.
00:20:56.313
Und häufige Themen sind auch altersgerechtes Wohnen und Mobilität.
00:21:01.993
Also was wir halt feststellen, ist, dass schon viele Menschen,
00:21:04.753
die wohnen jetzt zum Beispiel im vierten Stock oder weiter oben im Haus,
00:21:08.553
Und da gibt es dann mal einen Fahrstuhl, mal gibt es keinen Fahrstuhl.
00:21:13.093
Oder wenn jemand einen Rollator hat und der nicht im Hausflur abgestellt werden
00:21:17.813
kann, Oder was auch häufiger ist, dass der Fahrstuhl nur über Treppen erreichbar ist.
00:21:23.013
Also dass zwar die Barrierefreiheit Fahrstuhl gegeben ist, aber dieser Fahrstuhl,
00:21:27.153
wie gesagt, nur über mehrere Treppen erreicht werden kann.
00:21:29.873
Dann ist es natürlich für die Menschen schwierig, allein das Haus zu verlassen.
00:21:33.433
Und da gibt es dann Mobilitätshilfedienste und Begleitdienste, die wir empfehlen.
00:21:38.353
Dann haben wir noch häufiger Fragen auch zur Pflege.
00:21:41.853
Und dann, was jetzt ja auch Thema dieses Podcasts ist, Umgang mit digitalen Medien.
00:21:47.433
Das wird tatsächlich auch häufig an uns herangetragen, dass da viele Menschen
00:21:51.293
halt überfordert und verunsichert sind.
00:21:53.553
Und da können wir dann zum Beispiel die Digitalzebras empfehlen.
00:21:58.213
Das sind geschulte Mitarbeitende in den Bibliotheken, die individuell auch beraten die Menschen.
00:22:04.453
Oder Computerkurse, die sind dann zum Beispiel mit nur vier Teilnehmenden.
00:22:09.373
Und wo dann auch auf die individuellen Fragen eingegangen wird und wo vor allem
00:22:13.633
halt auch das Tempo langsamer ist. Also weil viele Leute, für die ist es zu
00:22:17.433
schnell, wenn immer alles so ganz schnell erklärt wird.
00:22:20.080
Und es gibt auch Angebote, wo Fachmenschen oder Menschen, die sich eben auskennen
00:22:25.400
mit Computer, Laptop und so weiter, wo die auf individuelle Fragen eingehen.
00:22:30.740
Also da haben wir sozusagen auch so einen ganz Blumenstrauß an Angeboten,
00:22:35.000
wo Menschen über den Umgang mit digitalen Medien unterrichtet werden können.
00:22:40.940
Wir haben vorhin von Frau Ulrich gehört, dass in der Studie auch festgestellt
00:22:45.580
wurde oder insgesamt festgestellt wurde, dass Menschen mit Behinderung die Mobilität
00:22:51.320
auch brauchen, um sozial teilhaben zu können.
00:22:55.560
Mittlerweile braucht man für Mobilität oder mobil zu sein ganz viel die digitalen Wege.
00:23:02.860
Sie haben schon bereits ein paar Ideen angesprochen.
00:23:05.900
Fühlen sich die älteren Menschen denn hier in diesem Sinne bei euch auch über
00:23:09.680
eure Kontakte, die ihr da habt von Berlin Hausbesuche, fühlen sich die Leute da mitgenommen?
00:23:14.100
Fühlen sich da, dass durch diese Kombination Mobilität, digitale Medien,
00:23:19.760
digitale Angebote, dass Sie da eher soziale Kontakte wieder kriegen können,
00:23:24.720
auch aktiv sein in der Freizeit?
00:23:26.880
Oder sehen Sie da noch extremen Nachholbedarf?
00:23:30.199
Also wir kriegen schon häufig die Rückmeldung, dass jetzt zum Beispiel der Ticketkauf
00:23:34.119
erschwert ist, also dass da schon Barrieren vorhanden sind,
00:23:37.859
wie sie schon meinten, dass die Bahncard zum Beispiel nicht mehr als Plastikkarte
00:23:41.839
zugeschickt wird und aufs Handy geladen werden muss, was häufig bei den älteren
00:23:46.319
Menschen gar nicht vorhanden ist.
00:23:49.059
Oder im Bus kann man jetzt zum Beispiel auch nicht mehr mit Bargeld bezahlen.
00:23:52.899
Und da fühlen sich einige schon ausgeschlossen auch.
00:23:56.459
Und klar können wir immer noch so Kompensationsmöglichkeiten eben empfehlen,
00:24:00.819
wie zum Beispiel Mobilitätshilfedienste, die dann begleiten und auch beim Ticketkauf helfen können.
00:24:06.239
Aber durch diese Barrieren, die online aufkommen, fühlen sich viele Senioren
00:24:11.199
dann eben schon auch ausgeschlossen.
00:24:12.959
Also wir können das tatsächlich ganz deutlich sagen. Es wird wirklich häufig
00:24:16.439
formuliert, dass sich die Menschen eben, was ich vorhin schon gesagt hatte,
00:24:21.199
mit der modernen Lebenswelt überfordert fühlen und dass sie dadurch sich auch
00:24:25.659
von der Gesellschaft abgehängt fühlen.
00:24:27.699
Also ein Beispiel ist zum Beispiel auch der schwierige Zugang zu Ärzten.
00:24:31.699
Früher waren viele Arztpraxen telefonisch erreichbar und das sind die Menschen auch gewöhnt.
00:24:37.439
Und viele alte Menschen sind tatsächlich nicht in der Lage, online einen Termin zu vereinbaren.
00:24:42.759
Also können es entweder nicht oder haben schlicht und ergreifend auch keinen
00:24:45.959
Laptop oder Computer. Und das ist tatsächlich ein großes und häufig genanntes Problem.
00:24:50.819
Und das geht genauso mit Banken, dann mit Lebensmitteln und so weiter.
00:24:55.499
Also das ist ja in vielen Bereichen so. Wir kommen gleich
00:24:58.699
Nochmal auf das Thema zurück. Ich würde gerne noch ein wichtiges Thema gerade
00:25:02.959
für Menschen in dem Alter ansprechen oder ältere Menschen, die man so das Gefühl
00:25:07.679
hat, dass sie teilweise auch isoliert sind oder vielleicht zurückgezogen,
00:25:12.579
nicht mehr sich raustrauen.
00:25:13.699
Wir haben vorhin die Barrieren angesprochen oder der Aufzug funktioniert nicht oder, oder, oder.
00:25:18.979
Es gibt ja ganz viele Gründe, warum Menschen auch zurückgezogen sind oder sie
00:25:21.739
haben einfach Angst mittlerweile dann rauszugehen, weil sie sich nicht mehr sicher genug fühlen.
00:25:25.839
Wie erreicht ihr die überhaupt als Berliner Hausbesucher?
00:25:29.425
Ja, wir sind ja ein senatsgefördertes Projekt. Also wir werden finanziert von
00:25:33.005
der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Wissenschaft und haben auch
00:25:36.965
eine enge Kooperation mit den Bezirksämtern der zwölf Berliner Bezirke.
00:25:41.325
Und die Bezirksämter schicken dann Briefe an bestimmte Jahrgänge von Senioren und Senioren raus.
00:25:47.045
Und in diesen Briefen ist auch immer ein Flyer enthalten und macht eben auf
00:25:50.865
unser Angebot aufmerksam.
00:25:52.805
Das heißt, durch diese Briefe erreichen wir eben auch Menschen,
00:25:55.365
die kaum noch die Wohnung verlassen können.
00:25:57.705
Und ein zusätzlicher Schlusspunkt ist natürlich, dass wir zu den Menschen unkompliziert nach Hause gehen.
00:26:03.305
Das heißt, die Menschen müssen sich nicht erst auch den Weg zu uns machen,
00:26:06.485
sondern wir kommen zu ihnen.
00:26:08.785
Wir haben halt, also sagen wir mal, wenn jemand noch in der Lage ist,
00:26:13.325
rauszugehen, aber sich innerlich so zurückgezogen hat, das gibt es ja auch ganz viel,
00:26:17.925
da informieren wir auch an Orten, wo ja auch zurück, also Menschen,
00:26:22.385
die sich zurückgezogen hin müssen, Also zum Beispiel in Einkaufszentren,
00:26:25.965
da haben wir regelmäßig Infostände.
00:26:28.745
Dann aktuell gibt es eine Öffentlichkeitskampagne in S- und U-Bahnen,
00:26:32.565
da hängen die Plakate aus, die auf die Berliner Hausbesuche hinweisen.
00:26:37.265
Und dann sind wir gerade dabei, mit Ärzten und Arztpraxen in Kontakt zu treten,
00:26:42.305
sodass wenn ein Arzt oder eine Ärztin feststellt, dass jemand sehr zurückgezogen oder einsam ist,
00:26:49.485
dann kann der Arzt oder die Ärztin eben auch auf die Berliner Hausbesuche hinweisen.
00:26:53.985
Und wie es Frau Blockstädt schon gesagt hat, können wir ja dann in den Hausbesuch auch kommen.
00:26:58.605
Und dann ist auch so, dass wir Seniorinnen und
00:27:01.305
Senioren, mit denen wir ein Informationsgespräch oder Hausbesuch haben,
00:27:05.165
dass wir die auch darauf hinweisen, wenn sie zum Beispiel im Haus bei sich feststellen,
00:27:09.705
dass eine Nachbarin zum Beispiel sehr zurückgezogen lebt oder auch wenn sie
00:27:13.765
im Freundeskreis jemanden kennen,
00:27:16.265
dass sie da auch auf die Berliner Hausbesuche weiterverweisen können und dass
00:27:20.065
man uns dann anrufen kann.
00:27:21.917
Frau Ullig, wir haben vorhin kurz erwähnt in der Studie,
00:27:24.917
Dass ganz viele Menschen auch das Thema Zeitfaktor mit eingebracht haben.
00:27:29.137
Menschen mit Behinderung haben das Gefühl, dass sie mehr Zeit eventuell benötigen,
00:27:33.857
um Freizeit oder reisen zu können und so weiter.
00:27:37.877
Wir haben dann aber auch jetzt von den Kolleginnen von Berlin Hausbesuchen gehört,
00:27:42.417
dass die Digitalisierung Menschen im Alter vor unlösbare Probleme stellt.
00:27:48.177
Wir haben also zwei Welten, die aufeinandertreffen, weil die Digitalisierung
00:27:51.937
verschnellert ja auch einiges, erleichtert auch einiges und dann verhindert
00:27:55.597
sie aber auch oder behindert sie auch einiges.
00:27:59.757
Was machen wir da? Was können wir da besser machen? Oder wie können wir beides
00:28:04.377
irgendwie zusammenbringen? Gibt es da eine Lösung?
00:28:07.277
Ja, das ist ein sehr großes Thema.
00:28:11.717
Also Digitalisierung, das treibt ja uns alle im Moment um.
00:28:16.877
Auch junge Menschen haben damit Probleme. Da sind es dann eher die sozialen
00:28:21.177
Medien, dass man da so reingezogen wird, dass man gar nicht mehr rauskommt,
00:28:25.997
Suchterfahrungen, Machtmobbing.
00:28:28.717
Also ich glaube, man kommt nicht daran vorbei, eigentlich, also die Technik
00:28:36.157
folgt immer den Bedürfnissen der Menschen.
00:28:38.557
Also das muss eigentlich das zugrunde liegende Prinzip sein.
00:28:42.477
Und jetzt passiert es halt gerade oft umgekehrt. Und die Technik entsteht,
00:28:45.937
man weiß aber auch gar nicht so genau, was man damit anfangen soll.
00:28:48.457
Und dann entstehen auch manchmal einfach Dinge, die entweder nicht nutzbar sind
00:28:56.637
oder im schlechtesten Fall eben Menschen benachteiligen und ausschließen.
00:29:02.137
Und deshalb ist es immer eigentlich an erster Stelle, muss stehen,
00:29:06.877
dass Menschen mit ihren Bedürfnissen, Rechten einfach anerkannt werden und dass
00:29:13.697
die berücksichtigt werden und dass die dann in eine technische Entwicklung einfließen.
00:29:19.057
Ich finde es auch wichtig, dass es neben den digitalen Angeboten analoge Angebote
00:29:24.477
weiterhin gibt, weil tatsächlich Menschen…
00:29:27.814
Also es gibt Menschen, die da noch gut in der Lage sind, diese digitalen Angebote
00:29:35.054
anzunehmen und das zu lernen.
00:29:38.054
Und da gibt es ja auch tatsächlich unglaublich viele Angebote,
00:29:40.594
wo die Menschen das lernen können.
00:29:42.434
Aber es gibt tatsächlich Menschen, die da einfach nicht mehr in der Lage sind.
00:29:46.334
Das haben wir auch ganz viel, wenn man irgendwo anruft und dann kommt da so eine Roboterstimme.
00:29:50.994
Da sind ganz viele Menschen total überfordert damit.
00:29:54.574
Aber nicht nur Ältere, ne? Das ist, glaube ich, generationunabhängig.
00:29:59.234
Genau, genau, genau. Und deswegen ist es tatsächlich, finde ich,
00:30:03.494
wichtig, dass die Gesellschaft weiterhin analoge Möglichkeiten anbietet.
00:30:09.594
Weil es ist ja auch das, also wenn man zum Beispiel in die Bank kommt,
00:30:12.954
da war es früher so, dass da viel mehr Mitarbeitende da waren.
00:30:16.454
Jetzt gibt es ganz viele Filialen, da ist gar kein Mitarbeitender mehr.
00:30:19.454
Dann kommt dazu, dass dann immer weiter auch diese Automaten,
00:30:24.374
die werden auch immer weiter reduziert. Also es geht ja ganz viel,
00:30:27.114
dass man so gedrängt wird, das alles online zu machen.
00:30:29.914
Und man muss einfach sagen, dass bestimmte Menschen nicht mehr in der Lage sind,
00:30:33.634
das zu lernen und dass wir auch nicht genügend Angebote haben,
00:30:36.954
dass das begleitet wird auf individuelle Art und Weise.
00:30:39.954
Und deswegen, das ist meine Ansicht, dass die Gesellschaft tatsächlich diese
00:30:44.774
analogen Möglichkeiten auch weiter aufrechterhalten muss für die Menschen,
00:30:49.474
die die digitalen Angebote nicht umsetzen können.
00:30:53.694
Also, dass es auch eine Forderung sein müsste, eine gesellschaftliche oder eine
00:30:57.054
politische, meiner Ansicht nach.
00:30:58.334
Ja, wenn wir Mobilität für alle denken, welche konkreten Ideen schlummern bei
00:31:06.854
euch rum, um dieses umzusetzen?
00:31:09.194
Ich würde mal in Berlin anfangen mit den Berliner Hausbüros.
00:31:11.754
Welche konkreten Sachen müssen umgesetzt werden, um Mobilität für alle zu garantieren,
00:31:15.554
hinzukriegen, diese Zielsetzung zu erreichen?
00:31:17.874
Wird nicht heute oder morgen stattfinden, aber was wären so Ansätze?
00:31:21.944
Ich denke, ganz allgemein wäre das erste Ziel, dass man die Problematik sichtbarer macht erstmal.
00:31:27.884
Also, dass viele Menschen auf Barrieren verschiedenster Art hingewiesen werden.
00:31:32.564
Weil ich glaube, momentan ist es so, dass eben die Betroffenen selbst die Barrieren
00:31:36.204
natürlich wahrnehmen, aber das gesamtgesellschaftlich noch gar nicht so gesehen wird.
00:31:41.704
Und da ist eben diese Sichtbarkeit ganz wichtig.
00:31:45.344
Also ich erinnere mich zum Beispiel daran, als ich selber in Elternzeit war,
00:31:49.404
das war noch bevor ich bei dem Projekt Berliner Hausbesuche angefangen habe,
00:31:53.064
war ich natürlich viel mit dem Kinderwagen unterwegs und habe damit erschreckend
00:31:56.784
festgestellt, dass ja gar nicht alle U-Bahn-Stationen mit einem Fahrstuhl ausgestattet sind.
00:32:01.784
Beziehungsweise auch wenn ein Fahrstuhl vorhanden war, dass der häufig defekt war.
00:32:05.724
Und die Problematik bestand ja schon viel länger und besteht auch immer noch,
00:32:09.204
aber mir wurde sie halt erst in diesem Moment sichtbar, als ich selber betroffen war sozusagen.
00:32:14.044
Und der Vorteil mit dem Kinderwagen ist ja noch, dass man da immer jemanden
00:32:17.604
findet, der mal anpackt und den mit hochträgt.
00:32:19.964
Aber wenn man auf den Rollstuhl angewiesen ist, dann ist das ja eben nicht möglich.
00:32:24.544
Genau, also dass man das einfach mehr in die Gesellschaft hineinträgt,
00:32:27.224
dass da diese Problematiken bestehen. Und die Berliner Hausbesucher haben ja
00:32:31.484
auch den Auftrag, sogenannte Versorgungslücken zu dokumentieren und auch an
00:32:35.584
dem Senat und die Berliner Bezirke weiterzutragen. zu tragen.
00:32:39.144
Also zum Beispiel, wenn jetzt im Hausbesuch ein Senior meldet,
00:32:42.104
dass der Gehweg einfach zu hoch ist und der die Kreuzung nicht mehr so gut mit
00:32:46.044
dem Polator überqueren kann.
00:32:47.964
Oder wenn eine Seniorin sagt, sie kann eben keinen Facharzttermin mehr vereinbaren,
00:32:52.484
weil sie keine Online-Plattform nutzen kann dafür, dann schreiben wir das auf,
00:32:56.844
dokumentieren das und geben das dann auch an die Entscheidungsträger weiter,
00:33:00.284
dass dann möglichst Abhilfe geschaffen werden kann.
00:33:02.244
Ja, grundsätzlich kann man auch sagen, dass wirklich die individuellen Hilfen oft fehlen.
00:33:08.144
Also es gibt einen Mobilitätshilfedienst, da werden die Menschen abgeholt eben
00:33:14.824
zu Hause, aber das ist dann zeitlich sehr besprengt zum Beispiel.
00:33:18.784
Und es gibt auch den VBB-Begleitdienst. Also das ist von der BVG selber.
00:33:23.644
Der sollte ja eigentlich eingestellt werden, aber da gab es sehr viele Proteste
00:33:26.784
und da wird jetzt auch weitergeführt.
00:33:28.484
Aber was wir halt häufig merken ist, was so fehlt, ist so ein flexibler Dienst,
00:33:34.044
wo man sozusagen, wenn man mal einen langen Arztbesuch hat, wo man dann jemanden buchen kann und so.
00:33:40.064
Also das wäre auch ein wichtiger Schritt.
00:33:44.044
Frau Ulrich, wo soll die Gesellschaft ansetzen? Gibt es konkrete Ideen,
00:33:48.544
wie man die Mobilität für alle hinkriegen kann?
00:33:53.741
Also wie gesagt, wir versuchen das ja in unserem Projekt mit der RWTH Aachen
00:33:58.661
so ein bisschen zu erarbeiten, wobei wir festgestellt haben,
00:34:00.881
das ist natürlich echt ein Riesenfeld, ein dickes Brett.
00:34:03.781
Und angefangen bei den Daten, der digitale Reisebegleiter, wo wir uns gerade beschäftigen.
00:34:11.261
Wir gucken uns gerade Mobilitäts-Apps an, zugänglich, die eigentlich sind und
00:34:15.961
wie die eigentlich genutzt werden,
00:34:19.161
von Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung und versuchen da ja wirklich
00:34:24.601
nochmal einen Kriterienkatalog zu erarbeiten, den wir dann auch weitergeben können.
00:34:31.021
Und ja, also ich kann das aber nur unterstützen, was die beiden Kolleginnen vorher gesagt haben.
00:34:38.341
Man muss darauf aufmerksam machen weiterhin.
00:34:41.821
Man muss einfach immer wieder auch sagen, dass Mobilität ist ja kein nice to
00:34:48.321
have, Sondern jeder möchte, hat das Recht, selbstbestimmt und unabhängig unterwegs zu sein.
00:34:55.461
Und das ist ja ein Recht, was wir eigentlich alle für uns selbstverständlich in Anspruch nehmen.
00:35:00.741
Und Menschen mit einer Beeinträchtigung wird dieses Recht aufgrund von fehlender
00:35:06.521
Barrierefreiheit, Infrastruktur, Services einfach schwer gemacht bis teilweise unmöglich gemacht.
00:35:13.321
Und da muss man, glaube ich, immer wieder darauf hindringen, dass das gesehen wird.
00:35:20.739
Welche Rolle spielt die Haltung im Kontakt mit Menschen mit Mobilität-Einschränkungen?
00:35:27.719
Ja, die spielt natürlich eine Zentrale, weil Mobilität heißt ja auch Begegnung.
00:35:35.619
Also wer nicht mobil ist, der ist nicht sichtbar, der wird nicht gesehen.
00:35:40.359
Und dann ist keine Begegnung möglich, keine Auseinandersetzung.
00:35:42.919
Und dann kann man auch gar nicht so gut erfassen,
00:35:48.719
was braucht denn dieser andere Mensch jetzt gerade, um mobil sein zu können
00:35:53.319
oder überhaupt am Leben teilnehmen zu können.
00:35:57.639
Ich finde gerade Mobilität ist total zentral, wenn es darum geht,
00:36:01.619
Inklusion zu verwirklichen.
00:36:05.239
Aber ich würde den persönlichen Aspekt, das ist der eine, Aber ich würde auch
00:36:12.159
nach wie vor eine große Verantwortung in der Gesamtgesellschaft sehen und vor
00:36:17.039
allen Dingen natürlich auch in der Politik,
00:36:18.739
einfach die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, dass das möglich ist.
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Und wir haben ja mit der UN-BRK zum Beispiel, aber auch mit Gesetzen,
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haben wir ja eigentlich auch Grundlagen, die umgesetzt werden sollten,
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um das möglich zu machen.
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Frau Ulrich hat es gerade angesprochen, wir haben die UN-BRK,
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ihr seid jetzt in Berlin mit Menschen über 70 beschäftigt.
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Da sollte es demnächst eine UN-Rechtskonvention für ältere Menschen geben.
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Wird das euch auch in die Karten spielen, wenn es sowas dann für ältere Menschen
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gibt? Brauchen wir sowas zusätzlich?
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Was ist da so eure Meinung, auch um die Haltung von der Gesellschaft nochmal auch anzusprechen?
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Das wäre bestimmt ganz gut, weil ältere Menschen tatsächlich so wenig Interessenvertretung
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haben oder dass es wenig hinterlegt ist, auch so gesetzlich und so.
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Also es gibt zum Beispiel in der Jugendhilfe, da sind ja viele Sachen so verpflichtend.
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Für ältere Menschen sind vieles so Kannleistungen. Also daher wäre es bestimmt
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für die Sichtbarkeit gut.
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Ich würde jetzt gerne natürlich zum Schluss mit etwas Positivem rausgehen.
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Wir haben jetzt ganz viel gefragt, was wir wünschen, was wir brauchen,
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was wichtig ist, um Mobilität für alle hinzukriegen und was uns fehlt.
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Gibt es denn auch vielleicht aus den Berliner Hausbesuchen mal positive Ergebnisse,
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wo Barrierefreiheit so richtig gut gelungen ist und wo ein positiver Effekt entstanden ist.
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Habt ihr da vielleicht ein paar schöne Geschichten für uns?
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Ja, auf jeden Fall. Also als ich angefangen habe bei dem Projekt,
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War ich ganz begeistert,
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Was für viele oder vielfältige Möglichkeiten es gibt.
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Und ein sehr schönes Projekt ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
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Das war eine Zusammenarbeit von einer Oberschule mit einem benachbarten Stadtteilzentrum.
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Und das Ziel war eben, Hilfe für Senioren mit dem Smartphone anzubieten.
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Das heißt, die Jugendlichen von der Oberschule konnten sich freiwillig in einen
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Kurs einschreiben und die haben dann regelmäßig im Stadtteilzentrum eine Sprechstunde angeboten.
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Da gab es dann Kuchen und Tee und eben auch so eine Eins-zu-eins-Betreuung oder
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Begleitung von den Jugendlichen für die Senioren.
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Die Senioren konnten dann einfach kostenfrei vorbeikommen mit ihrem Smartphone
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und ihre Fragen beantworten lassen oder sich Hilfe holen.
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Also zum Beispiel, wenn sie einfach so Anwendungsfragen hatten,
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wie man zum Beispiel ein E-Mail-Postfach einrichtet oder wie man Fotos teilt
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mit der Familie und mit Freunden,
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dann konnten die Jugendlichen natürlich mit ihrem Wissen glänzen und haben sich total gesehen gefühlt.
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Und die Senioren haben eben wohnortnah und unkompliziert und vor allem auch
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kostenfrei Hilfe bekommen.
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Das war wirklich ganz schön zu sehen, dass da in diesen Begegnungen auch Vorurteile
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abgebaut werden konnten und auch schöne Gespräche entstanden sind.
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Und das ist ja generell das Tolle an solchen generationsübergreifenden Projekten.
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Ich habe auch noch zwei ganz schöne Beispiele. Und zwar haben wir halt in den
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Hausbesuchen festgestellt,
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dass für viele Menschen, die in ihrer Mobilität oder im Sehen oder Hören eingeschränkt
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sind, dass das eine Barriere darstellt, irgendwo anzurufen oder auch unter Menschen zu gehen.
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Und da haben wir jetzt in den Berliner Hausbesuchen zum Beispiel die Rückmeldung,
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dass für die Menschen das ganz wichtig ist, dass ihnen Freundlichkeit entgegengebracht wird,
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weil es dann leichter fällt, sein Anliegen vorzutragen, dass auch eine gute
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Erreichbarkeit wichtig ist.
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In den Hausbesuchen haben wir deswegen tatsächlich telefonische Sprechzeiten
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von Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr.
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Also weil uns zum Beispiel Senioren
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zum Teil sagen, dass es sich ganz viel Überbindung kostet anzurufen.
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Und wenn dann keiner rangeht, dann kann es sein, dann dauert das ganz lange
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oder die Person ruft gar nicht nochmal an.
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Und was eine ganz wichtige Rückmeldung ist, dass bei uns ein Mensch dran ist.
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Also dass anstatt eine Roboterstimme ist, sondern dass man mit einem lebendigen
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Mensch spricht. Und was auch ganz wichtig ist, was Barrieren abbaut,
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ist, wenn man viel Zeit hat.
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Also bei vielen Menschen fällt es schwer, einem Fremden sein Anliegen vorzutragen
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oder man ist aufgeregt oder so und wir haben halt ganz viel Zeit und Ruhe und
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dann gelingt das meistens.
00:40:35.989
Und wir hatten das tatsächlich auf Bezirksebene auch schon angesprochen.
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Und da haben wir mit den Seniorenfreizeitstätten, mit den Leiterinnen halt vereinbart,
00:40:45.729
dass wenn wir im Hausbesuch sind, dann sagen wir den Menschen immer,
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sie sollen nicht einfach in die Seniorenfreizeitstätte unangemeldet hingehen,
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sondern die rufen dann an und vereinbaren den Termin mit der Leiterin.
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Und dann setzen die sich erstmal zusammen und gucken, was interessiert den Mensch
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und in welche Gruppe passt er vielleicht gut rein. und dann wird die Person
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auch noch unterstützt, um gut in der Gruppe anzukommen. Also wird da solche vorgestellt.
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Das haben wir dann so eine Willkommenskultur und so Best-Practice-Beispiele.
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Frau Uli, haben Sie auch noch ein schönes Beispiel für uns?
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Ja, die Berliner Hausbesuche. Das finde ich ganz toll.
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Ich habe mir tatsächlich, fällt mir aber auch ein anderes Projekt ein,
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was so ein bisschen in eine ähnliche Richtung geht. Ich weiß nicht, ob Sie das kennen.
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Im Saarland gibt es das Projekt Mobisaar und das ist in der Region Saarbrücken unterwegs.
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Und dort kann man als Mensch mit Behinderung oder auch als älterer Mensch tagsüber
00:41:46.549
einen Begleitservice für den ÖPNV bieten. Also die kommen dann zu dir nach Hause
00:41:50.749
und machen halt dann den Weg mit dir zusammen.
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Voraussetzung ist, glaube ich, nur, dass man eben einen gültigen Fahrausweis hat, Fahrschein hat.
00:41:58.829
Und das trifft dann eben genau auch das Bedürfnis nach Sicherheit und Selbstständigkeit,
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was wir auch festgestellt haben in der Studie, was total wichtig ist.
00:42:07.209
Und kleine Einschränkungen, das Angebot gibt es nur tagsüber.
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Und das finde ich ebenso wichtig, weil ich auch finde, neben den ganzen digitalen
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Angeboten, die gut und schön sind und für viele auch total hilfreich,
00:42:21.189
muss es weiterhin auch so menschliche Services geben.
00:42:26.429
Und weil allein mit der Technik werden wir nicht weiterkommen.
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Die Technik ist unterstützt, aber es geht ja letztendlich immer darum,
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dass Menschen zusammenkommen, begegnen, sich miteinander auseinandersetzen.
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Und das kann man natürlich nur, wenn dann auch auf beiden Seiten wirklich Menschen beteiligt sind.
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Nadja Ullerich, Annette Joos und Nora Blockstädt, herzlichen Dank für eure Informationen,
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Vorstellungen des Projekts Berliner Hausbesuche und für die Informationen über die Studie.
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Und wir hoffen, dass die Barrierefreiheit in der Mobilität bald wirklich für
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alle da ist. Dankeschön für eure Zeit.
00:43:05.509
Vielen Dank.
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Dank und tschüss. Tschüss.
In der Podcast-Folge ging es um diese Fragen:
- Was sagt das Inklusionsbarometers Mobilität 2022 der Aktion Menschen zum Thema Mobilität von Menschen mit Beeinträchtigung?
- Wie läuft ein Besuch der Berliner Hausbesuche ab?
- Wenn wir auf das große Ziel „Mobilität für alle“ schauen – was wäre der erste konkrete Schritt, den wir als Gesellschaft gehen sollten?
- Welche Rolle spielt die persönliche Haltung im Kontakt mit Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind?
Links aus dem Podcast:
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