Staffel 1, Folge 1Wie der Abbau von digitalen Barrieren zu mehr Teilhabe führen kann
- Beteiligt: Helga Pelizäus, Stephan Seiffert, Christine Freymuth und Joachim Schulte
- Erschienen am: 28 März 2023
Über die Folge
Die erste Folge befasst sich mit dem grundlegenden Thema der digitalen Teilhabe. Zu Gast waren Helga Pelizäus (Universität der Bundeswehr München), Stephan Seiffert (Stiftung Digitale Chancen), Christine Freymuth (Kuratorium Deutsche Altershilfe) und Joachim Schulte (Deutschland sicher im Netz e. V.).
Wie der Abbau von digitalen Barrieren zu mehr Teilhabe führen kann

Transkript zum nachlesen
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Es gibt Benachteiligungen bestimmter
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Bevölkerungsgruppen, die sowieso schon benachteiligt sind,
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jetzt erst mal unabhängig von der Digitalisierung.
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Und durch die Digitalisierung werden diese
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Ungleichheiten teilweise noch stark verschärft.
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Digital Kompass-Podcast – der Podcast, um gemeinsam digitale Barrieren zu überwinden – präsentiert vom Digital Kompass. Moderator: Euer Inklusator Sascha Lang.
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Der Digital Kompass-Podcast – herzlich willkommen!
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Das ist die erste Ausgabe und wir freuen uns, zusammen in einem kleinen
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Rundtischgespräch da zu sein und über digitale Teilhabe zu sprechen.
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Was ist das eigentlich?
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Wie kann man digitale Teilhabe für alle
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sozusagen bereitstellen und wo kann man Barrieren abbauen?
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Und wie sieht die Zukunft der Digitalität aus und eventuell auch der Teilhabe?
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Bei mir sind vier wundervolle Gäste, die
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ich jetzt einfach mal bitte, sich vorzustellen.
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Und starten würde ich mit Helga Pelizäus.
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Helga, stell dich bitte vor.
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Ich bin Professorin an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München
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und ich bin heute hier eingeladen, so wie ich gehört habe, weil eines meiner
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Schwerpunktthemen das Thema Alter und Digitalisierung ist.
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Also, was mich da besonders daran interessiert als Soziologin,
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ist, inwieweit die Chance zur digitalen Teilhabe ungleich verteilt wird.
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Wir sind auch vielfach in der Forschung unterwegs gewesen und haben probiert,
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ältere Menschen als Forschungspartner/ innen zu finden, dass wir gemeinsam
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Technik entwickeln können, die für ihren Alltag passend ist.
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Und insofern bin ich jetzt schon lange
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dabei zum Thema und hoffe, heute ein bisschen was aus
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wissenschaftlicher Perspektive beitragen zu können.
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Stephan Seiffert, auch bei dir ist digitale Teilhabe ein Thema.
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Wer bist du? Hallo, mein Name ist Stephan Seiffert.
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Ich bin von der Stiftung “Digitale Chancen”.
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Wir sind eine gemeinnützige Organisation, die sich seit mittlerweile
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über 21 Jahren für die digitale Teilhabe aller Menschen in Deutschland einsetzt.
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Dazu gehört für uns ein chancengerechter Zugang ins Netz und
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chancengerechte Nutzungsmöglichkeiten in der digitalen Welt.
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Und deshalb setzen wir uns insbesondere auch für Bevölkerungsgruppen ein, die
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besondere Herausforderungen haben, sei es aufgrund von
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körperlichen oder kognitiven Einschränkungen,
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einer Migrationsgeschichte oder auch Bildungs- oder Sozialfaktoren.
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Genau.
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Ganz konkret verantworte ich auch seit
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mehreren Jahren das Projekt “Digital mobil im Alter”, das wir zusammen mit
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O2 Telefonica, einem großen Telekommunikationsanbieter,
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auf den Weg gebracht haben und wo wir eben auch
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ältere Menschen auf dem Weg in die digitale Welt begleiten und unterstützen.
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Ja, das ist mein Hintergrund und der
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Grund, warum ich hier in dieser interessanten Runde mit dabei sein darf.
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Noch mit dabei ist Christine Freymut.
00:03:31.290
Christine, was ist dein,
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ja, wie sagt man das, deine Verbindung mit Digitalität und mit digitaler Teilhabe?
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Super! Vielen Dank für die Einladung.
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Danke, dass ich hier sein darf.
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Das ist mein erstes Mal Podcast von der nicht zuhörenden Seite.
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Deswegen nochmal vielen Dank.
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Ja, wie du es schon gesagt hast, mein Name ist Christine Freymut.
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Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kuratorium Deutsche Altershilfe.
00:03:55.880
Genau.
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Und warum ich heute hier bin, das liegt mit Sicherheit daran, dass ich in dem
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Projektforum Seniorenarbeit NRW unterwegs bin.
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Das ist ein Projekt, was vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des
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Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird und hat schon die eine oder andere
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Förderphase erfolgreich hinter sich gebracht, das heißt,
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ja, es ist nicht das erste Mal, dass wir uns mit dem Thema Digitalisierung
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auseinandersetzen im Land Nordrhein-Westfalen.
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Inhaltlich liegt der Schwerpunkt derzeit,
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ja, auf dem Themenfeld ältere Menschen und Digitalisierung.
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Hier richten wir uns insbesondere an Multiplikatoren/innen.
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Das heißt aber natürlich auch nicht nur
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Hauptamtliche, sondern auch ganz, ganz viele ehrenamtliche Menschen, die tolle
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Arbeit im Arbeitsfeld der Seniorenarbeit leisten.
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Und genau an die richten wir uns mit unseren Angeboten.
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Wir informieren, ja, wir machen das ein oder andere Angebot, um
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einfach den Menschen, den älteren Menschen den
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Zugang zu digitalen Themen auch zu ermöglichen.
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Wir haben dabei ja, mittlerweile würde ich sagen drei Schwerpunktthemen.
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In dem ersten geht es explizit um die
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Frage, wie können Zugänge zu digitalen Techniken ausgestaltet werden, um diese
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für ältere Menschen insbesondere zugänglich zu machen?
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Im zweiten Schwerpunkt geht es eher um den Sozialraum, um die
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Nachbarschaft, um da digitale Ideen zu verorten.
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Wie können da Kontakte und Begegnungen
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mehr durch Digitalität, mehr gefördert und ausgebaut werden, unter
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Berücksichtigung insbesondere von Menschen, die vielleicht besondere Bedarfe
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haben und wo die Digitalisierung eine besondere Chance herstellt?
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Und ja, ganz neu hinzugekommen ist so ein
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bisschen die Frage, wie können digitale Werkzeuge
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das Freiwilligenmanagement unterstützen, begleiten?
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Bei welchen Phasen kann da Digitalisierung ein großer Mehrwert und Vorteil sein?
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Gerade weil, das habe ich eben schon angesprochen, das Ehrenamt in der
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Seniorenarbeit einen ganz zentralen Pfeiler darstellt, der auch
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im Kontext der Digitalisierung mit angesprochen und gefördert werden sollte.
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Deutschland sicher im Netz e.V. ist Herausgeber dieses Podcasts und dazu
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herzlich willkommen, Joachim Schulte, stellt dich auch mal bitte kurz vor.
00:06:18.890
Ja, sehr gerne.
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Hallo in die Runde, ist auch mein erster Podcast, sehr spannend.
00:06:22.800
Ich finde es auch super schön, so was mal mitzugestalten.
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Genau, Joachim Schulte ist mein Name.
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Ich bin der stellvertretende
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Geschäftsführer von Deutschland sicher im Netz.
00:06:30.200
Das ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz
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in Berlin, der sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen digitale Alltagschancen
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aufzuzeigen und zugleich auch über Risiken aufzuklären, denn im Netz gibt es
00:06:39.300
natürlich genauso Risiken wie auch auf der Straße.
00:06:42.600
Dazu ist das Besondere bei uns, dass wir gemeinsam mit Vertretern von der
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Bundesregierung, also Bundesministerien, aber auch mit Unternehmen
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und mit Vertretern von der Zivilgesellschaft, mit allen auf
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Augenhöhe, miteinander sprechen, um dann die beste Lösung für
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Verbraucherinnen und Verbraucher zu entwickeln.
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Und eins der ganz, ganz tollen Projekte, du hast es ja gerade schon angedeutet,
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ist der Digital Kompass, was ich jetzt auch mit leiten darf, wo wir gemeinsam im
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Verbund mit der BAGSO, das ist die
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Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioreni nklusion, und den Projektpartnern D
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eutscher Blinden-und Sehbehinderten verband, Deutscher Schwerhörigenbund, Verbraucherinitiative
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und der Universität Vechta gemeinsam den Digital Kompass jetzt durchführen können.
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Das Ganze wird gefördert oder auch überhaupt erst ermöglicht durch das
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Verbraucherschutzministerium und das Projekt läuft bis Mitte 2025.
00:07:29.890
Und zum Ziel,
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nur ganz kurz, da geht es darum, dass wir digitale Teilhabe für Menschen mit
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Sehbehinderungen, mit Hörbeeinträchtigungen oder auch mit
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Mobilitätseinschränkungen auch ermöglichen wollen.
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Es gibt ganz viel erstmal so an Grundlagenarbeit, das nennt sich
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Sensibilisierungsarbeit, was bedeutet es für die Einzelnen?
00:07:48.130
Wie kann es ihren Alltag bereichern und wie kann es ihn auch erleichtern?
00:07:52.770
Aber es geht letztendlich immer auch um Kompetenzvermittlung.
00:07:56.480
Genau, das zum Projekt, das zu mir.
00:07:58.600
Ansonsten bin ich auch noch CO-Sprecher im
00:08:00.470
Fachbeirat Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen beim Familienministerium.
00:08:04.770
Auch ganz spannend, das Gremium, wo ich
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mit vielen Vertretern aus der Wissenschaft auch zusammen
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auch drüber reden kann, wie wir eigentlich insgesamt gerade für ältere Menschen noch
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digitale Themen noch besser verständlich machen können.
00:08:17.400
Dann stelle ich mich auch nochmal ganz
00:08:18.160
kurz vor, weil es ja der erste Podcast ist.
00:08:19.960
Mein Name ist Sascha Lang, ich bin
00:08:21.360
Moderator und Radiosprecher, Produzent von Podcasts, unter anderem produziere ich den
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Podcast IGEL – Inklusion ganz einfach Leben, wo wir jetzt bereits die 100.
00:08:30.390
Episode voll haben.
00:08:31.800
Und seit zwei Jahren sind wir auf dem Markt und wollen Menschen mit und ohne
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Behinderung füreinander gewinnen, Verständnis füreinander schaffen.
00:08:38.440
Das ist mein Job und ich wurde von
00:08:40.360
Deutschland sicher im Netz gefragt, ob ich die nächsten zweieinhalb Jahre den Podcast
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Digital Kompass moderiere und ich bin da sehr dankbar für und sehr stolz.
00:08:47.970
Steigen wir dann jetzt mal ein in das Thema Digitalisierung.
00:08:51.130
Ich frage jetzt mal einfach so, mal ganz spontan, wir reden heutzutage gerade in
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dem Thema Barrierefreiheit immer wieder von dem Design for All.
00:08:59.440
Also alles so gestalten, dass jeder drauf zugreifen kann, dass jeder es nutzen kann.
00:09:04.190
Wir haben jetzt hier am Tisch zwei Personen, die sich eher im Bereich der
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Senioren bewegen, was die Digitalisierung anbelangt.
00:09:11.370
Das Projekt Digital Kompass richtet sich eher an Menschen mit Behinderung.
00:09:16.650
Stefan hat geschildert, dass das Projekt eher übergreifend ist.
00:09:22.050
Ja, gibt es da wirklich große Unterschiede, ich sage jetzt einmal,
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zwischen den zwei Gruppen Senioren und Menschen mit Behinderung oder gibt es da
00:09:29.550
ganz viele Überschneidungen, die wir gar nicht direkt sehen können?
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Auf die Frage würde ich gerne antworten,
00:09:35.190
und zwar ein bisschen aus wissenschaftlicher Perspektive,
00:09:38.410
weil ich gerade bei der Technikentwicklung sehr viel mitgearbeitet habe.
00:09:45.010
Und wir mussten eigentlich feststellen,
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es ist toll, der Ansatz Design for All, allerdings gibt es
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manchmal recht spezielle Bedarfe für die älteren Menschen.
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Und das sind Bedarfe, die also zumindest
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von den digitalen Technologien, die so gängig auf dem Markt sind,
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nicht erfüllt werden, so dass es in manchen Hinsichten wirklich ganz spezielle
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Entwicklungen bedarf, die genau für ältere Menschen passen.
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Die sind so
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nicht sichtbar und die muss man in starker Auseinandersetzung dann auch und
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Diskussion mit den älteren Menschen selber erarbeiten.
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Also, meine Idee ist, es gibt sehr vieles, was für alle Gruppen
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genutzt werden kann, das ist auch schon zum Teil da,
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aber es gibt so ein paar spezielle Bedarfe für Ältere, die man wirklich in
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Zusammenarbeit mit älteren Menschen selber erst mal definieren muss.
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Und ich glaube, da können auch neue Technologien entstehen,
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die möglicherweise für viele andere völlig unbedeutend sind, aber die natürlich
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gerade bei Menschen sehr hohen Alters ganz wesentlich sein können, um ihren Alltag zu
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Hause, was ja eigentlich die Zielsetzung ist, möglich machen kann.
00:11:04.850
Stefan, du wolltest auch noch ergänzend was dazu sagen?
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Ich finde, dass Design for All als ein Ziel auf jeden Fall
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ein ganz wichtiger Ansatz ist, sehr erstrebenswert, daran sollte man arbeiten.
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Jedoch in der Praxis ist es eben oftmals so, dass, ja, Ansätze, die sozusagen
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versuchen, eine Lösung zu schaffen, die für alle gleichermaßen funktional
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gut bedienbar ist, ja meistens kaum umsetzbar ist.
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Also, häufig ist es eben so, dass je nachdem, was es für bestimmte Interessen,
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Bedarfe, Herausforderungen gibt, dann auch spezielle Lösungen besser funktionieren.
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Und das meine ich sowohl in Bezug auf bestimmte Geräte, sage ich jetzt mal, für
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die eine oder den anderen ist ein ganz marktübliches Gerät, nehmen wir mal ein
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Smartphone oder Tablet vollkommen ausreichend, auch die Bordmittel, die zur
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Verfügung stehen, um Schriften, Kontraste etc.
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zu erhöhen oder sich Text vorlesen zu lassen.
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Also sprich, die ganzen
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Assistenztechnologien, die dort schon sozusagen mit an Bord sind.
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Für andere wiederum ist es dann doch ein Vorteil, ein
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spezielles Seniorenhandy, Seniorentablet oder auch eine nochmal, sage ich mal,
00:12:31.210
noch stärker reduzierte Oberfläche oder technische Lösungen einzusetzen.
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Und, genau, darüber hinaus gilt das auch
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für zum Beispiel Lernangebote, die man macht.
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Da gibt es auch nicht den Ansatz, der für alle gleichermaßen funktioniert.
00:12:49.580
Das liegt daran, dass alle unterschiedliche
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Lernerfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, da vielleicht auch unterschiedliche
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Potenziale haben und da ist es immer gut, einmal ganz
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konkret mit denjenigen, die es betrifft, die sich
00:13:06.580
da auf den Weg machen wollen, herauszufinden, was genau diese
00:13:10.970
Bedarfe, die Interessen sind und darauf auch ganz gezielt individuell einzugehen.
00:13:16.130
Christine, die Technik ist ja ein Thema,
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die Innovation, die Technik, die Umsetzung.
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Hast du denn das Gefühl, dass
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die Firmen, die in der digitalen Welt unterwegs sind, mittlerweile diese
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Zielgruppen Senioren, Menschen mit Behinderungen oder auch Menschen mit
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Migrationshintergrund mehr berücksichtigen bei ihren Entwicklungen?
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Oder ist das immer noch, weiß nicht, ich merke das mal so im Alltag,
00:13:43.640
eine Waschmaschine, was ja jetzt nicht unbedingt etwas digitales ist, aber
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trotzdem sind die mehr digital als als man als Blinder sich wünschen würde?
00:13:51.410
Wie ist es in deiner Erfahrung mit den Techniken?
00:13:54.170
Wird daran gearbeitet,
00:13:56.000
dass es besser wird, greifbarer wird, händischer oder haptischer wieder wird?
00:13:59.810
Das ist eine sehr gute Frage.
00:14:01.670
Ich glaub schon, dass zumindest in unserer Bubble, also in unserer Blase, so würde
00:14:06.110
ich das mal sagen, eine gewisse Sensibilisierung stattfindet.
00:14:10.010
Wenn man nach links und rechts guckt, ist das schon das, was ich sagen würde.
00:14:14.270
Was die reine Technik angeht, ist glaube ich, Helga die
00:14:19.570
bessere Ansprechperson, um nachher eine Antwort darauf zu geben.
00:14:22.800
An der Stelle würde ich aber auch gern
00:14:24.270
nochmal das mehr verstärken, was Stephan eben schon angedeutet hat.
00:14:27.790
Also, ich glaube, was die Bedarfe der unterschiedlichen Zielgruppen angeht,
00:14:33.350
ist eins klar, dass es heterogen und bunt ist.
00:14:35.670
Es gibt nicht die eine Technik, die für alle funktioniert.
00:14:38.630
Es gibt nicht das eine Schulungsformat, was für alle funktioniert.
00:14:42.670
Und ich glaube, diese, ja, ich stell mir das immer so wie
00:14:46.240
so einen vielleicht nicht ganz bunten Blumenstrauß vor.
00:14:48.840
Das ist das, was gebraucht wird.
00:14:50.350
Das ist das, was es an Technik braucht.
00:14:52.760
Wobei ich auch bei Stephan bin und ganz klar sage, in dem Bereich, in dem wir
00:14:56.030
unterwegs sind, sagen wir immer, es gibt diese Standardgeräte, wir versuchen
00:15:00.050
möglichst weit mit diesen Bordmitteln zu kommen.
00:15:03.690
Einfach auch, weil, wenn wir von
00:15:05.850
Begleitformaten sprechen, von Digitall otsen oder wem auch immer, es ist
00:15:10.330
natürlich, ja, einfacher, das zu nutzen, was generell unterwegs ist, als
00:15:15.850
Sonderlösungen zu finden, da müssen auch die Kompetenzen da sein, um auch da so
00:15:19.990
eine Qualifizierung oder eine Begleitung überhaupt ermöglichen zu können.
00:15:24.150
Aber ich glaube wie gesagt, dass es so eine ganz bunte Landschaft braucht an
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Angeboten auch und auch die Technikausstattung.
00:15:31.160
Ich glaube, das ist ganz schwer, die eine Antwort darauf zu geben.
00:15:34.070
Aber Helga, du hast da bestimmt nochmal
00:15:36.730
aus der Wissenschaft eine andere Brille auch, eine Gerade.
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Ich würde gerne auch noch ein bisschen aus der Wissenschaft erzählen, weil da
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unsere Überzeugung, und da weisen auch viele Reviews darauf hin, ist, dass es
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eigentlich das, was aktuell auf dem Markt ist, relativ bescheiden ist für ältere
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Menschen, insbesondere vielleicht auch für Hochaltrige, die bisher kaum Chancen
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hatten, in die Digitalisierung einzusteigen.
00:16:04.330
Und deswegen hat sich eigentlich schon
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seit zwei, drei Jahrzehnten eine ganz starke Forschungsförderungslandschaft
00:16:12.110
entwickelt, die darauf angelegt ist, und zwar EU weit, also in Europa gibt es ganz
00:16:16.830
viel dazu und auch Deutschland, vor allen Dingen BMBF, die das
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massiv unterstützen, Technik für ältere Menschen im Rahmen integrierter Forschung,
00:16:28.510
das heißt mit älteren Menschen partizipativ zu entwickeln.
00:16:32.370
Und zwar deswegen, weil auf dem Markt eben vorherrschend Produkte
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entstehen, die vielleicht doch nicht ganz so geeignet sind für ältere Menschen.
00:16:44.930
Wobei ich dazu sagen muss, wir haben auch
00:16:47.310
schon häufig probiert, den Firmen in die Karten zu schauen bei der Entwicklung von
00:16:52.070
Technik, um einschätzen zu können, ob das wirklich so ist, ob sie es nicht
00:16:56.230
berücksichtigen, ich habe jetzt im Hinterkopf Automobilindustrie, und es ist
00:17:01.910
aber auch so, dass das häufig nicht publik gemacht wird.
00:17:08.010
Es gibt Autos zum Beispiel, die sehr altengerecht sozusagen
00:17:14.210
sind, die aber das nicht oben besonders deutlich machen,
00:17:19.530
weil dieses Image, ich sag mal vielleicht auch ein
00:17:23.990
bisschen Stigmatisierung, immer noch mitspielt.
00:17:27.410
Das heißt, sobald man ein Produkt anbietet, speziell für ältere Menschen,
00:17:32.360
wird das häufig als stigmatisierend wahrgenommen.
00:17:35.030
Das heißt, wenn dazu Werbung gemacht wird oder wenn es deutlich würde,
00:17:39.690
dann würde das möglicherweise auch gar nicht so benannt werden.
00:17:44.560
Ein ganz altes Beispiel, es gab mal ein, das hieß nicht Seniorentelefon, das ist
00:17:51.200
damals von Siemens entwickelt worden, das hieß irgendwie anders, ich weiß gar nicht
00:17:54.670
mehr, und das war speziell für alte Menschen entwickelt worden.
00:17:58.400
So wurde es auch verkauft.
00:17:59.710
Es ist eben nicht verkauft worden.
00:18:01.690
Und später wurde es umbenannt in
00:18:03.350
Familientelefon, mit großen Tasten, wo Bildchen drauf waren.
00:18:07.360
Dann wurde es der Renner.
00:18:08.730
Also, das sind so Geschichten, wir kriegen es nicht richtig raus.
00:18:12.800
Aber das, worauf Stephan eben schon drauf
00:18:14.830
hingewiesen hat, die Bedarfe unterscheiden sich halt teilweise.
00:18:19.560
Und da probiert, vor allen Dingen durch
00:18:22.550
die Forschungsförderung probiert man in den Projekten darauf einzugehen.
00:18:26.710
Und das Ergebnis ist übrigens, wie eben
00:18:29.080
auch schon von Christine und Stephan genannt, es ist alles sehr heterogen.
00:18:33.170
Wenn man Technik entwickelt, dann müsste
00:18:35.270
sie irgendwie modularisierbar sein, so dass man immer Anpassungen vornehmen kann.
00:18:40.280
Es ist sehr schwierig, was für viele Menschen Passendes zu machen.
00:18:45.830
Und unsere Quintessenz, ich habe gerade
00:18:48.600
wieder einen Beitrag dazu geschrieben, ist, dass eigentlich ganz wenig von dem,
00:18:52.320
was in Forschungsprojekten gemacht wird , und das ist speziell für ältere
00:18:55.910
Menschen, es ist im Alltag nicht angekommen, fast nicht.
00:18:59.310
Es ist ganz wenig nur da und es gibt völlig unterschiedliche
00:19:04.310
Gründe, da brauche ich jetzt gar nicht drauf eingehen, aber
00:19:07.770
das ist noch nicht so zufriedenstellend, was bisher gewesen ist.
00:19:12.640
Ich wollte mal gerne nochmal darauf eingehen, was Helga gerade sagte.
00:19:16.040
Genau das haben wir in Projekten bisher bei uns auch erlebt.
00:19:18.550
Also, gerade die wir an ältere Menschen
00:19:21.480
richten, ist ja immer die Frage, ab wann ist man denn wirklich alt?
00:19:23.720
Ist man dann mit 65 wirklich plötzlich,
00:19:25.520
wacht man an einem Tag auf und ist plötzlich alt? Davor war man noch
00:19:28.040
mittel, mitteljung gefühlt, das ist, glaube ich, ganz, ganz schwierig.
00:19:31.720
Und gleiches ist auch bei Menschen mit Sinneseinschränkungen.
00:19:34.510
Das werden wir genauso auch erleben beim Digital Kompass.
00:19:37.530
Wenn man ein bisschen schwerer hört,
00:19:39.560
wird man sich gleich dazu, wird man gleich zu der Gruppe der Schwerhörigen
00:19:42.320
dazugehören oder ist einfach nur normale Harthörigkeit,
00:19:45.080
die vielleicht auch mit dem Alter einfach auch einhergehen kann?
00:19:47.490
Also, insofern ist es total richtig, der Weg, zu gucken, dass möglichst die Geräte
00:19:51.920
und die Dienste, die wir nutzen, natürlich barrierefrei von vornherein sind.
00:19:55.590
Und das geht nur, wenn sie von vornherein auch so entwickelt werden.
00:19:59.080
Und es ist ja auch so,
00:20:01.170
darüber hinaus, auch für uns, für Menschen, die jetzt ohne Sinnese
00:20:05.170
inschränkungen durchs Leben gehen oder noch im
00:20:09.400
Mittelalter sich befinden, im gesunden Mittelalter, wie auch immer man das
00:20:12.990
beschreibt, ist es ja auch glaube ich gut, wenn die
00:20:15.600
Schrift vergrößerbar ist. Das schadet uns nicht, das ist beispielsweise
00:20:18.600
etwas, was uns ja eher einen Vorteil verschafft, den wir vielleicht gar nicht
00:20:21.200
so sehr nutzen würden, aber andere können es nutzen.
00:20:23.480
Dann braucht man nicht extra neue Dienste
00:20:24.680
entwickeln, sondern sollte die bestehenden Dienste eher nutzen
00:20:27.750
und die dann möglichst barrierefrei dann auch wirklich haben.
00:20:30.490
Ansonsten ist es ja so, das hat Stephan
00:20:32.560
ja vorhin auch schon sehr schön gesagt, der digitale Raum ist einer, der von
00:20:35.360
privatwirtschaftlichen Unternehmen besetzt ist.
00:20:37.280
Das sind natürlich auch die Dienste, die
00:20:39.030
wir alle so kennen und nutzen, die sind ja dann immer so große Anbieter,
00:20:42.960
denen kann man natürlich auch dann schwer sagen, müsst ihr jetzt so und so machen.
00:20:46.320
Das ist natürlich etwas aus der Richtung,
00:20:47.800
daher kommen wir ja eigentlich und deswegen ist es eigentlich
00:20:50.610
schön, dass die Barrierefreiheit zunehmend in den Blickpunkt der Politik und der
00:20:54.590
Öffentlichkeit auch gerät, so dass wir alle eher noch darauf achten. Sohin sehe
00:20:59.040
ich eigentlich insgesamt eine gute Entwicklung.
00:21:01.200
Joachim, bleiben wir mal ganz kurz bei dem Thema Digitalisierung.
00:21:03.960
Ich habe vorhin die Waschmaschine
00:21:05.040
angesprochen, die nicht haptisch ist, sondern mit einem Display versehen ist.
00:21:08.400
Ab wann spreche ich denn jetzt von der Digitalisierung?
00:21:10.640
Die meisten sagen Digitalisierung ist
00:21:12.030
alles das, was im Netz sich bewegt, das ist Digitalisierung.
00:21:15.320
Wie habt ihr das denn definiert für euer Projekt?
00:21:17.360
Was ist Digitalisierung oder was ist Digitalität?
00:21:19.790
Oder was ist digital?
00:21:20.890
Also digital an sich heißt ja erst mal
00:21:23.560
so gesehen gar nichts, außer dass es über ein digitales Medium verläuft.
00:21:26.790
Es gibt inzwischen sehr viele Schnittstellen, es ist ja
00:21:30.040
inzwischen auch gar nicht mehr so stark einem bewusst, ob man beispielsweise im
00:21:33.750
Internet etwas tut oder ob man das jetzt eher analog mitmacht.
00:21:39.110
Also, ein Beispiel, wenn
00:21:41.690
wir Menschen fragen, ältere Menschen fragen, ob sie beispielsweise sich
00:21:45.560
im Netz auskennen und da was tun, sagen manche Nein, machen sie gar nicht.
00:21:48.200
Dann zeigen sie ihr Handy raus und haben da verschiedene Messengerdienste drauf,
00:21:50.920
nutzen Emails und für die ist es gar nicht bewusst, dass das schon Internet ist und
00:21:54.480
dass es schon ein digitales Medium ist, was sie nutzen.
00:21:56.750
Insofern, die Grenze verschwimmt zunehmend.
00:22:00.080
Jeder, der in der Lage ist, eine Email zu schreiben, jeder, der in der Lage ist, im
00:22:02.470
Netz zu surfen, nutzt digitale Medien und es gibt einfach ein Riesenspektrum von,
00:22:08.010
sage ich mal, den Anfängern und Anfängerinnen bis hin zu
00:22:11.640
Menschen, die wirklich sehr weit sich auskennen, bis hin zu Leuten, die
00:22:15.040
auch programmieren können und auch die Codes einlesen und dann auch Geheimtricks
00:22:17.800
noch kennen. Also, das ist natürlich das ganze Spektrum.
00:22:20.070
Digitalität ist einfach
00:22:21.810
quasi die Chance, ja, ist der Zugang zu Daten, um bestimmte Dinge zu nutzen.
00:22:30.400
Helga, würdest du dem zustimmen oder
00:22:31.750
würdest du da noch was dazu fügen oder siehst du das anders?
00:22:35.080
Also, für Experten, man hat es jetzt
00:22:37.600
gerade auch schon gehört, verschwimmt das natürlich zwischen dieser, das, was viele
00:22:42.190
als klassische Technik bezeichnen und, zumindest habe ich diese Begrifflichkeiten
00:22:46.760
in den Interviews mit älteren Menschen immer wieder gehört, die unterscheiden
00:22:50.230
gerne zwischen neuer Technik und klassischer Technik.
00:22:53.410
Und diese Unterscheidung ist eigentlich quasi schon mehr oder weniger aufgehoben,
00:22:58.390
aber rein pragmatisch, wenn man in der Forschungslandschaft unterwegs ist, muss
00:23:02.370
man ja irgendwie eine Definition haben und eine Grenze ziehen.
00:23:05.450
Und das, was ich erlebe, ist eigentlich,
00:23:08.450
dass in der Regel der Zugang zum Internet so als die Basis genommen wird.
00:23:13.650
Das heißt, sowohl Mobilfunk als auch
00:23:15.830
WLAN, diese Möglichkeit der Nutzung dieser digitalen Strukturen
00:23:21.170
ist so eine Basis, auf dem man dann auch mit den digitalen Medien anknüpfen kann.
00:23:25.770
Dann kann man das Smartphone nehmen, eben sonst nicht.
00:23:28.450
Das ist so,
00:23:29.450
es ist aber wirklich pragmatisch runtergebrochen, weil in der Regel
00:23:34.120
ist das nicht, kann man die Geräte gar nicht mehr so eindeutig zuordnen.
00:23:39.400
Für die älteren Menschen, und das mache ich jetzt noch, auch wenn es vielleicht
00:23:42.550
nicht ganz genau dazugehört, ist das oft eine ganz sinnreiche Unterscheidung
00:23:48.390
zwischen diesen klassischen Geschichten und den angeblichen so neuen Medien.
00:23:54.040
Also, wir haben es vielfach in Interviews
00:23:56.080
gehabt, dass Menschen dadurch, dass sie sich abgrenzen, vor allen Dingen auch
00:23:59.670
Frauen, viel weniger Scheu hatten, sich mit den neuen Medien zu beschäftigen, weil
00:24:05.040
sie die abgetrennt hatten von den klassischen, die klassischen war
00:24:08.170
Männerdomäne, da haben wir nie Chancen gehabt.
00:24:10.710
Das sieht man vor allen Dingen bei den sehr Hochaltrigen.
00:24:14.690
Und da hat man das Gefühl, das ist was Neues, das kann ich auch mal ausprobieren.
00:24:18.970
Und das finde ich immer noch ein ganz anderes, wenn wir probieren, Technik zu
00:24:22.870
entwickeln, dann muss man natürlich immer berücksichtigen, aus welchem Fokus, also,
00:24:28.040
wir wollen ja die für ältere Menschen passend machen und da muss man auch das
00:24:31.390
berücksichtigen, was bei den Köpfen in den älteren Menschen vorgeht.
00:24:34.960
Deswegen fragen wir ja auch immer und sind
00:24:36.790
höchst interessiert daran, sie als Forschungspartner zu gewinnen,
00:24:41.570
weil es wichtig ist zu wissen, vor welchem Hintergrund man das entwickelt.
00:24:45.890
Also, insofern, ich finde die
00:24:47.550
Unterscheidung zwischen diesem Klassischen und Digitalen ganz gut.
00:24:51.390
Aber in der Praxis macht sich ganz oft am Zugang zum Internet fest.
00:24:55.120
Jetzt haben wir digital, das Digitale definiert.
00:24:58.200
Jetzt gibt es ja noch einen zweiten
00:24:59.070
Begriff, mit dem wir uns in letzter Zeit ein bisschen beschäftigen, die Teilhabe.
00:25:03.560
Wo beginnt für dich, Christine, die Teilhabe?
00:25:05.790
Wann ist Teilhabe ermöglicht?
00:25:07.690
Was ist Teilhabe aus deinem Blickwinkel?
00:25:10.290
Wann ist Teilhabe ermöglicht, auch eine ganz gute Frage.
00:25:13.290
Ich glaube, Teilhabe bedeutet für mich,
00:25:15.710
die Möglichkeit zu haben, am kulturellen, gesellschaftlichen, politischen Leben
00:25:21.770
mitwirken zu können, also nicht nur passiv zuzugucken, sondern eher sich selbst auch
00:25:26.590
als Individuum, als Teil der Gesellschaft wirklich mit einbringen zu können und
00:25:31.490
darauf einwirken zu können im Zweifel auch.
00:25:33.830
Und ja, ich glaube, das ist kein Zustand,
00:25:37.390
sondern immer ein Prozess, den wir immer weiter aushandeln müssen.
00:25:40.760
Ich glaube, wenn wir von Teilhabe
00:25:42.150
sprechen, von digitaler Teilhabe, das ist für mich mittlerweile soziale Teilhabe.
00:25:47.950
Digitalisierung ist ja kaum noch aus
00:25:49.840
irgendeinem Lebensbereich, es sei denn, euch fällt jetzt ad hoc was ein, mir
00:25:53.470
nicht, wo Digitalisierung überhaupt keine Rolle spielt bzw.
00:25:57.170
wer nicht in einem gewissen Rahmen mit drauf einwirkt.
00:26:00.800
Und ich glaube, das ist auch das, was wir jetzt in den letzten Jahren mitbekommen
00:26:04.230
haben, wie relevant Digitalisierung geworden ist.
00:26:08.530
Und soziale Teilhabe ist nicht immer gleich für alle möglich.
00:26:12.670
Und genau das gleiche gilt für die
00:26:15.510
digitale Teilhabe, auch wenn ich im Zweifel sogar noch was verstärke.
00:26:19.110
Und ich glaube, ja da muss man ansetzen und ich glaube,
00:26:22.720
zufrieden können wir dann sein, wenn wir wirklich sagen können, jeder Mensch hat
00:26:26.560
die Möglichkeit, wenn er denn möchte, das ist, glaube ich, auch gerade im Kontext
00:26:30.190
der Digitalisierung auch nochmal ein Punkt, den man mitnehmen muss,
00:26:33.770
ja, gleichermaßen daran teilzunehmen, an allen Dingen, die die
00:26:39.210
individuellen Präferenzen sind, worauf man Lust hat und worauf man zugreifen möchte.
00:26:44.920
Ich glaube, wenn wir den Zustand erreicht haben, können wir alle hier sitzen und den
00:26:49.040
Daumen hoch strecken und sagen, das haben wir gut gemacht.
00:26:51.760
Aber ich glaube, wie gesagt, das ist kein Zustand, sondern ein Prozess, den wir
00:26:55.560
immer wieder neu aushandeln müssen und das mit Sicherheit auch zukünftig.
00:26:58.970
Von daher glaube ich, ja, werden wir uns noch häufiger in deiner
00:27:02.430
Podcastrunde auch dazu wiedertreffen können.
00:27:04.890
Stephan, digitale Chancen geben, also
00:27:07.390
Chancen ermöglichen, wie ist denn für dich der Begriff als Teilhabe zu verstehen?
00:27:12.050
Ich kann mich da
00:27:13.650
dem, was Christine gerade ausgeführt hat, im Prinzip voll und ganz anschließen.
00:27:18.310
Ich bin absolut überzeugt davon, dass
00:27:23.080
digitale Teilhabe nicht losgelöst zu sehen ist von sozialer, politischer,
00:27:29.150
wirtschaftlicher Teilhabe, kultureller Teilhabe, sondern eher im Prinzip ein M
00:27:34.690
ittel zum Zweck dieser gesellschaftlichen Teilhabe ist.
00:27:39.310
Und das eben vor dem Hintergrund, sage ich mal, auch vielleicht ein akademisches
00:27:44.430
Wort, aber der digitalen Transformation, also das, was hier eben davor auch
00:27:48.750
besprochen wurde, also Technologie, das ist in dem Sinne die Basis.
00:27:55.640
Der Mensch hat im Prinzip
00:27:57.250
sich ein Werkzeug geschaffen, der es ermöglicht, bestimmte Dinge
00:28:02.120
in kürzerer Zeit, vielleicht in besserer Qualität zu tun.
00:28:05.770
Und ich sag’s mal sehr, sehr stark
00:28:08.750
vereinfacht, das hat jetzt viel mit Rechnen zu tun.
00:28:11.320
Da hat uns eine Zeit lang der
00:28:12.390
Taschenrechner geholfen und heute sind das ganze
00:28:16.410
Systeme, Rechensysteme sozusagen, die uns bestimmte Dinge
00:28:21.490
einerseits abnehmen, andererseits auch im Prinzip Möglichkeiten erweitern.
00:28:27.270
Und digitale Transformation meint dann letzten Endes, dass diese Technologien in
00:28:32.970
immer mehr gesellschaftliche Bereiche Einzug halten.
00:28:38.450
Und genau das ist dann auch
00:28:40.770
ein Stück weit die Herausforderung, wenn wir über Teilhabe sprechen.
00:28:47.190
Denn genau das kann dazu führen,
00:28:51.120
dass Exklusion, also ein Ausschluss von der Nutzung bestimmter
00:28:58.410
Möglichkeiten, bestimmter Dienstleistungen, öffentlicher
00:29:01.550
Dienstleistungen, privatwirtschaftlicher Dienstleistungen etc.
00:29:06.080
entsteht. Also, so würde ich mal ganz grob auch
00:29:12.080
die allgemeine Herausforderung umreißen, der wir uns da gegenübersehen.
00:29:19.470
Und insofern hat auch Digitalisierung sowohl das Potential,
00:29:25.970
inklusiv zu sein, also Barrieren abzubauen, aber
00:29:30.840
gleichsam auch das Potential, eben exklusiv, oder Exklusion hervorzurufen.
00:29:37.350
Und in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.
00:29:42.250
Ich würde das vielleicht ganz gern mal mit einem kleinen Beispiel veranschaulichen,
00:29:48.070
auch jetzt vielleicht aus dem Bereich, der, sag ich mal, Zukunftstechnologien.
00:29:53.070
Also wenn wir über virtuelle Realität
00:29:55.690
sprechen, dann ist das zum Beispiel eine Möglichkeit für Menschen mit einer
00:30:01.810
Einschränkung der Mobilität ein Stück weit die Grenzen zu verschieben
00:30:08.290
oder sozusagen den eigenen Horizont ein Stück weit zu erweitern.
00:30:12.590
Man kann virtuelle Reisen machen, in einer
00:30:17.880
360-Grad-Welt sich mehr oder weniger bewegen.
00:30:23.270
Man hat vielleicht auch selbst
00:30:27.010
sozusagen das Gefühl dadurch, dass man ein digitales Ich hat, sich ein Stück weit
00:30:31.790
sozusagen da aus dem realen Alltag befreien zu können.
00:30:37.650
Und genau diese Technologie ist aber für Menschen dadurch, dass eben eine Brille
00:30:42.470
benutzt wird, die eben eine Einschränkung des Sehens haben, überhaupt nicht nutzbar.
00:30:48.520
Und da gibt es, glaube ich auch noch keine
00:30:50.550
wirklich überzeugenden Ansätze, wie virtuelle Realität eben von Menschen
00:30:54.720
genutzt werden kann, die eine Sehbeeinträchtigung haben.
00:30:57.190
Und da spreche ich noch nicht mal von blinden Menschen, sondern das ist schon
00:31:01.230
problematisch, wenn nur die Sehstärke eines Auges im Prinzip eingeschränkt ist
00:31:08.120
oder insgesamt die Sehfähigkeit beeinträchtigt ist.
00:31:14.280
Joachim, wie siehst du denn die Teilhabe
00:31:16.190
oder den Begriff Teilhabe aus eurer Sicht von Digital Kompass?
00:31:19.690
Auf jeden Fall auch so, dass wir
00:31:21.530
den Begriff der Teilhabe immer sehr stark betonen.
00:31:24.120
Also, das heißt, Stephan, finde ich gerade
00:31:26.550
sehr, sehr schön gesagt, Digitalisierung ist ein Schritt dazu,
00:31:29.750
digitale Teilhabe gut und zeitgemäß und effizient auch zu ermöglichen.
00:31:35.200
Also, gerade wenn es darum geht,
00:31:36.230
gesellschaftlichen Diskurs auszuüben, dann kann man natürlich über
00:31:40.560
das Internet natürlich sich seine Meinung bilden, über
00:31:43.190
vielfältige Medien, über Nachrichtenportale, über
00:31:46.490
YouTube und über sonstige Foren oder wo auch immer man sich rumtreibt, um sich zu
00:31:50.550
einem Thema aufzuschlauen, für das man sich besonders interessiert.
00:31:54.770
Oder auch im persönlichen Austausch,
00:31:57.010
auch im privaten Bereich, Messengerdienste, Videokonferenzen, all
00:32:00.310
die Dinge sind alle ein ganz wichtiger Teil, um miteinander, um teilzuhaben.
00:32:06.720
Und aber auch Alltagspflichten, also, man könnte die Liste, glaube ich, jetzt sehr
00:32:09.070
lange weiterführen, um Alltagspflichten zu erledigen, also Einkaufen im Netz oder die
00:32:14.070
Wege zur Bank sich zu ersparen und solche Dinge einfach mal online auch zu machen.
00:32:18.210
Aber das ist was, was auf jeden Fall sehr viel dann ja Teilhabe ermöglicht und auch
00:32:23.840
Zeit schafft, um wieder Dinge zu machen, die einem
00:32:26.400
wirklich Spaß machen . Ich glaube, wichtig ist
00:32:28.360
immer, dass man betont, wir wollen mit digitaler, auch mit dem
00:32:32.720
Projekt, aber auch mit digitaler Teilhabe letztendlich mehr Chancen aufzeigen.
00:32:36.560
Es ist immer ganz wichtig, dass wir immer
00:32:37.520
sagen, okay, welche Alltagschancen bestehen denn eigentlich für Menschen?
00:32:39.880
Das ist nämlich der erste Schritt.
00:32:41.280
Da muss man ganz oft erst mal sagen, okay, sensibilisieren nennen wir es immer, also
00:32:45.170
erst mal sagen, ist das Thema überhaupt für die Menschen interessant?
00:32:49.600
Ist es relevant?
00:32:50.270
Wie kann es denn den einzelnen Alltag wirklich erleichtern oder auch bereichern?
00:32:54.470
Also erleichtern, in dem man bestimmte
00:32:56.810
Tools nutzt, um bestimmte Dienste anzuwenden oder auch andererseits
00:33:01.530
bereichern, wenn man halt beispielsweise die Möglichkeit hat,
00:33:04.970
Enkelkinder, die nicht mehr in der eigenen Stadt wohnen
00:33:08.640
oder am eigenen Ort oder ganz anders in einem anderen Land, einem anderen
00:33:11.270
Kontinent leben, weiter im engen Austausch zu bleiben und auch Bilder
00:33:14.970
sich zu schicken oder im Austausch direkt miteinander auch zu reden.
00:33:19.160
Also, insofern ist das auf jeden Fall auch genauso unser Begriff.
00:33:22.200
Wichtig ist vor allem, da jetzt auch darauf zu achten, dass alle
00:33:24.760
Menschen, die digitale Dienste auch nutzen wollen, dass sie eine Chance bekommen,
00:33:28.510
diese sichere Nutzung überhaupt zu erlernen.
00:33:31.280
Aber vielleicht kommen wir da nachher noch dazu, weil ich glaube, das ist
00:33:33.360
eigentlich ein ganz wichtiger Punkt, weil das eine ist ja quasi die technische
00:33:36.070
Grundlage, dafür braucht man Geräte, dafür braucht man stabiles Internet, dafür
00:33:40.280
braucht man bestimmte Dinge, aber nicht so die Kompetenz, um zu
00:33:43.120
wissen, wie nutze ich die eigentlich, wie mache ich das, worauf muss ich achten?
00:33:46.770
Ich glaube, da haben wir auf jeden Fall am meisten noch zu tun.
00:33:49.960
Bevor wir das machen, Helga, würde ich
00:33:51.350
nochmal gerne so ein bisschen in die Historie greifen.
00:33:54.360
Ich habe so das Gefühl,
00:33:55.890
vielleicht täuscht mich das Gefühl auch, dass wir ja so zwischen Ende der 80er,
00:34:00.630
Anfang 2010er so einen riesen Sprung gemacht haben, digital.
00:34:04.910
Das Internet kam, die MP3 kam und weiß der
00:34:07.430
Geier was, alles kam auf einmal mit massiver Schnelligkeit auf uns zu und ich
00:34:12.950
habe so das Gefühl, dass aber, dass es jetzt natürlich noch
00:34:16.530
Präzisierungen gibt in der Digitalisierung, aber dass die
00:34:20.240
Entwicklungsschnelligkeit etwas langsamer geworden ist.
00:34:22.790
Täusche ich mich da oder habe ich ein gutes Gefühl?
00:34:26.490
Meines Gefühls wird es nicht langsamer.
00:34:29.440
Das liegt aber auch daran, glaube ich, welche Technologien man jetzt anschaut.
00:34:33.310
Ich finde es, augenblicklich
00:34:35.160
lese ich eigentlich täglich von neuen Entwicklungen, die jetzt allerdings nicht
00:34:38.790
unbedingt meine normale Alltagspraxis betreffen, sondern vielleicht auch
00:34:43.470
zukunftsweisend in Richtung Klimawandel sind.
00:34:46.090
Da wundere ich mich immer wieder, was plötzlich alles so zum Thema wird.
00:34:50.850
Bei den Geräten, also bei den Medien, die uns jetzt so für uns und für den Alltag
00:34:56.990
älterer Menschen interessieren, kann ich das ehrlich gesagt,
00:35:02.370
mag sein, dass es sich ein bisschen stabilisiert, dazu kann ich nichts sagen.
00:35:07.040
Aber was ich unheimlich gerne nochmal
00:35:08.870
machen würde zu dem Punkt digitale Teilhabe.
00:35:12.050
Ich möchte das meiner Vorrednerin und Vorrednern unbedingt ganz massiv aus einer
00:35:17.070
soziologischen Perspektive nochmal unterstreichen.
00:35:19.930
Für mich ist digitale Teilhabe
00:35:24.240
oder der Ausschluss, die Digitalisierung eine Dimension sozialer Ungleichheit.
00:35:28.950
Und zwar einerseits einer ganz
00:35:31.190
alleinstehenden, die explodieren kann oder auch nicht, siehe digitale Spaltung.
00:35:37.370
Das andere ist und das sehen wir in der Soziologie relativ deutlich, dass es die
00:35:42.330
üblichen sozialen Ungleichheiten meist noch verschärft.
00:35:46.890
Das heißt, es gibt Benachteiligungen bestimmter Bevölkerungsgruppen,
00:35:51.560
die sowieso schon benachteiligt sind, jetzt erst mal unabhängig von der
00:35:54.830
Digitalisierung, und durch die Digitalisierung werden diese
00:35:59.150
Ungleichheiten teilweise noch stark verschärft.
00:36:03.110
Und deswegen ist es auch so aus meiner Sicht ein ganz dringlich
00:36:08.670
gebotenes Anliegen, das sollte der Gesamtgesellschaft sein, allen Menschen
00:36:13.850
den Zugang zu Digitalisierung zu ermöglichen.
00:36:17.960
Und ich komme jetzt nochmal auf zwei
00:36:19.400
andere Punkte zurück, die eben auch schon genannt wurden.
00:36:21.880
Es geht einmal um die Infrastruktur, um
00:36:23.630
die technische Infrastruktur, die Grundlage dafür ist, das überhaupt nutzen
00:36:28.670
zu können, die eben noch nicht zufriedenstellend umgesetzt wurde, alleine
00:36:34.510
der Stadt-Land-Vergleich, da sieht man erst mal, wie viele Bedarfe da noch sind
00:36:38.990
an technischer Infrastruktur, die noch gar nicht da ist.
00:36:42.000
Und das andere, und das finde ich einen ganz wichtigen Punkt und ich freue mich
00:36:45.390
auch deswegen, weil der heute schon oft genannt wird, Stichwort sicher im Netz,
00:36:51.650
die Befähigung zu digitaler Kompetenz oder digitaler Souveränität ist für mich das
00:36:56.110
zweite Standbein, was aber Gott sei Dank auch jetzt immer mehr in den Fokus rückt.
00:37:01.520
Es reicht nicht, wenn allen Menschen der
00:37:03.430
Zugang zum Internet ermöglicht wird, das heißt kostenloses WLAN zu Hause für
00:37:08.030
Menschen, die es sich eben nicht leisten können, jeden Tag, jeden Monat die WLAN-
00:37:13.150
Gebühren zu bezahlen, das auch in Alten- und Pflegeheimen.
00:37:17.370
Man sieht ja, diese Exklusionstendenzen,
00:37:19.470
fand ich ja, sind bei Corona sehr schön rausgekommen
00:37:23.200
, was übrigens auch einer der wenigen Vorteile, die Corona hatte, war, dass in
00:37:27.390
den Alten- und Pflegeheimen die WLANs für die Bewohner/-innen
00:37:31.970
auch ganz massiv ausgebaut wurden, was vorher nicht der Fall war.
00:37:36.330
Da wurde dann schnell auch davon
00:37:38.230
ausgegangen, dass das die Älteren vielleicht gar nicht wollen.
00:37:41.930
Und es lag auch in der Entscheidung der
00:37:46.110
jeweiligen Geschäftsführer, was ich auch interessant finde.
00:37:49.080
Ich finde, eigentlich ist es eine staatliche oder zumindest eine kommunale
00:37:51.910
Aufgabe, jedem Menschen den Zugang zum Internet zu ermöglichen.
00:37:56.450
Welche Nachteile das hat, wenn man exkludiert ist, das wissen wir alle.
00:38:00.430
Und wenn es um Onlinebanking geht, das sind viele finanzielle Einbußen.
00:38:05.130
Die Erweiterung der Horizonte wurde ja
00:38:08.030
eben von dir, Stephan, glaube ich, auch angeführt oder auch einkaufen gehen.
00:38:13.150
All diese Möglichkeiten, die wir alle haben.
00:38:15.610
Wenn man davon ausgeschlossen ist, ist das ein Problem.
00:38:19.750
Und vor allen Dingen ältere, hochaltrige Menschen,
00:38:23.650
Mobilitätseingeschränkte, die ganz besonders davon profitieren könnten,
00:38:28.530
sind in der Regel noch eher davon ausgeschlossen.
00:38:32.330
Und wenn wir in der Wissenschaft messen
00:38:34.550
sollen, wie die Digitalisierung im Alter denn angekommen ist, messen wir es in der
00:38:38.710
Regel an Internetzugang, weil das das Einfachste ist, was man machen kann.
00:38:43.590
Alles andere, das sind immer nur so einzelne Medien, die untersucht werden.
00:38:47.930
Und da sieht man, was 80+ angeht, zum
00:38:50.750
Beispiel, dass immerhin schon 51 %, jetzt nach der letzten Studie ARD,
00:38:56.160
ZDF Online Studie, immerhin 51 % Zugang haben, aber immerhin 49 % nicht.
00:39:02.490
Und das sind die Menschen, die am meisten profitieren könnten aus meiner Sicht.
00:39:06.520
Und da sieht man auch so ein bisschen
00:39:08.110
diese Problemlagen, die wir noch zu bewältigen haben.
00:39:12.040
Wir merken, wir haben sehr viel Gesprächsstoff.
00:39:13.960
Ich würde nochmal Christine, dich ansprechen wegen der Technik.
00:39:16.990
Du hattest da noch was hinzuzufügen.
00:39:19.920
Genau.
00:39:21.360
Jetzt muss ich gedanklich wieder zurückspringen, weil ich bei Helga ganz
00:39:24.150
viel innerlich und auch so genickt habe, weil ich mich in ganz vielen Aspekten
00:39:28.130
wiedergefunden habe oder die Arbeit, mit der ich so unterwegs bin.
00:39:32.960
Genau.
00:39:33.170
Du hast nochmal über die Entwicklung der Technik gesprochen.
00:39:36.150
Also, ich glaube, diese Digitalisierungskurve
00:39:39.150
ist ja sehr, sehr steil am Ende geworden , so kann man das, glaube ich, wenn man
00:39:43.130
mal über die Glühbirnen und die erste Dampflok und so, da lag sehr,
00:39:48.070
sehr viel Zeit zwischen, was da die technischen Neuerungen anging.
00:39:51.590
Aber ich glaube, dass es schon auch noch so ist, dass es
00:39:54.890
weiter steil bergauf geht, wie man das jetzt ja interpretiert, ist nochmal was
00:39:59.110
anderes, zeigt aber auch noch mal deutlich die Notwendigkeit.
00:40:02.870
Also, ich weiß nicht, Helga, wie es bei
00:40:05.080
dir aussieht, auch bei Stephan und bei Joachim wird es ähnlich sein, wenn man
00:40:08.590
über das Thema ältere Menschen und Digitalisierung diskutiert oder spricht,
00:40:13.120
kommt auch heute noch und das würde ich auch in Fachkreisen im Zweifel nennen,
00:40:16.750
auch mal die Aussage, na ja, gut, dann lasst uns mal die jetzt noch,
00:40:20.490
da sind die halt nicht digital dabei und es gibt halt keine digitale Teilhabe,
00:40:24.550
alles was danach kommt, ist doch durchdigitalisiert.
00:40:27.490
Und so würde ich es definitiv nicht sehen.
00:40:29.800
Gerade, wenn wir uns nochmal diese Digitalisierungskurve angucken, davon ganz
00:40:33.200
abgesehen, dass Helga auch gerade nochmal deutlich gemacht hat, was das auch für
00:40:36.120
eine Anzahl an Personen ist, die man einfach mal hinten runterfallen lässt und
00:40:39.320
ob man das machen kann, finde ich, darf man sehr stark bezweifeln.
00:40:42.510
Und das andere ist einfach, dass
00:40:44.570
diese digitalen oder technischen Neuerungen ja weiterhin so fortlaufen.
00:40:48.750
Das heißt, wenn ich mich heute dafür entscheide, ja gut, jetzt komme ich mit
00:40:52.600
meinem Smartphone klar und das reicht, mehr brauche ich nicht.
00:40:55.070
Ich glaube, wenn ich mich in 30 Jahren jetzt nochmal da hinsetzen würde und dann
00:40:59.090
zu Saturn, Mediamarkt, es gibt noch ganz viele andere, ich will keine Werbung
00:41:03.040
machen, oder sonst in irgendeinem Laden gehe und sage, ich möchte jetzt gern ein
00:41:06.640
Smartphone haben, ich glaube schon, dass ich erst mal überwältigt wäre und die
00:41:10.130
ganzen Möglichkeiten und Herausforderungen definitiv nicht einordnen könnte.
00:41:14.590
Also, das nochmal auch in Richtung lebenslanges Lernen.
00:41:18.720
Ich glaube, dass es am Ende vielleicht mittlerweile gar keine so riesen
00:41:22.230
Wahlmöglichkeit mehr ist, denn es ist, glaube ich, mittlerweile ein Must have,
00:41:26.950
gewisse digitale Kompetenzen zu erwerben und auch um am Ball zu bleiben.
00:41:32.190
Und ich weiß, solange man in der
00:41:33.830
Berufstätigkeit ist, geht das relativ gut, je nachdem welchen Job man hat.
00:41:38.590
Also, ich kann jetzt mit Bürojob sagen, Videokonferenz ist kein Problem mehr.
00:41:43.680
Das sind halt Dinge, die sich entwickeln.
00:41:45.630
Aber sobald man halt nicht mehr diese
00:41:47.520
Begegnungsräume, Erfahrungsräume hat, wird es ganz, ganz schwierig.
00:41:50.790
Und ich glaube, da ist es einfach auch
00:41:53.200
sehr wichtig, die im Zweifel künstlich zu schaffen, das heißt Räume zu schaffen zum
00:41:58.150
Ausprobieren, zum Hingehen, mit Spaß zu gucken.
00:42:01.120
Ich fand, das hat Joachim eben gesagt, das
00:42:02.640
ist nochmal mal ein Begriff, der mir ganz, ganz wichtig ist.
00:42:05.410
Wenn wir davon sprechen, Menschen an digitale Dinge heranzuführen,
00:42:09.610
sind das in den seltensten Fällen Menschen, die Digitalisierung aus einem
00:42:13.440
Selbstzweck heraus nutzen, die sagen, oh, ich finde ein Laptop oder ein
00:42:16.560
Smartphone spannend, deswegen setze ich mich damit auseinander.
00:42:18.950
Nein, die wollen Mehrwert und Nutzen haben und zwar für ihren individuellen Alltag.
00:42:23.440
Genau da sind wir an dem Punkt, das, was Joachim angesprochen hat.
00:42:26.430
Wir müssen fragen, was interessiert euch denn?
00:42:29.080
Deswegen finde ich auch diese Diskussion über Teilhabe, da ist es wichtig, mit und
00:42:33.150
nicht nur über die Menschen zu reden, zu fragen, was sind Themen, die euch bewegen?
00:42:38.000
Denn ich glaube, das ist auch das, was in
00:42:39.360
der Technikentwicklung häufig falsch läuft.
00:42:41.400
Ich glaube, das einzige Mal, dass ich an
00:42:43.200
so einem Diskurs teilgenommen habe, Stephan, war bei euch in Berlin, wo es mal
00:42:46.520
darum geht, naja, wie schaffen wir es denn auch, die
00:42:48.910
Zielgruppe so ein bisschen bei der Technikentwicklung mit reinzunehmen?
00:42:52.600
Ob das jetzt nachhaltig war oder nicht,
00:42:54.080
aber es braucht diese Ansätze, gemeinsam mit den Menschen und nicht mehr nur über
00:42:57.670
sie zu sprechen, auch im Kontext Digitalisierung.
00:43:01.240
Ich würde, bevor wir das Thema der
00:43:03.270
Befähigung aufmachen, was nochmal ein großes Thema sein wird,
00:43:06.330
würde ich nochmal ganz gerne kurz an euch alle vier, mit jedem so zwei, drei Sätze
00:43:11.770
als Antwort, das Thema Politik und digitale Teilhabe erwähnen.
00:43:16.710
Das heißt, hat die Politik die Macht und würdet ihr
00:43:20.800
sagen das ist das einzige was wirklich zählt, dass die Politik über, es gibt ja
00:43:24.610
dieses Gesetz über die Barrierefreiheit usw., hat die Politik die Möglichkeit und
00:43:29.510
die Macht, die digitale Teilhabe schneller voranzutreiben?
00:43:33.050
Ich würde mal bei Stephan anfangen.
00:43:35.200
Sie hat in jedem Falle die Aufgabe, also das Mandat, das zu tun.
00:43:39.950
Und ich denke, dass es auch die Möglichkeiten gibt und
00:43:44.830
das sehe ich aber auch auf ganz verschiedenen Ebenen.
00:43:48.330
Also,
00:43:50.000
Herbert Kubiczek, Gründer, langjähriges Vorstandsmitglied bei uns in der Stiftung,
00:43:55.290
der hat das grob so eingeteilt, dass es da eben die Makroebene gibt, da geht es um
00:43:59.450
zum Beispiel gesetzliche Rahmen, die gesetzt werden können.
00:44:04.240
Also, im Prinzip ja wirklich von oberster
00:44:06.990
Ebene dann sozusagen auf die darunterliegenden auch
00:44:12.400
einzuwirken, finanzielle Rahmen zu schaffen, zu unterstützen.
00:44:16.630
Und dann gibt es so die mittlere Ebene, da geht es darum, eben auch
00:44:21.290
Organisationen zu unterstützen der Zivilgesellschaft, im Prinzip solche
00:44:26.370
Vereine, für die auch Christine oder Joachim oder ich tätig sind, das Ehrenamt
00:44:33.170
zu stärken, dann auf der, sag ich mal, Mikroebene, auf der kleineren Ebene also
00:44:37.830
auch wirklich die Engagierten, die Freiwilligen mitzunehmen.
00:44:41.950
Das hatte Christina auch zu Beginn ganz deutlich gemacht,
00:44:46.010
welche tragende Rolle sie auch immer noch dabei spielen,
00:44:50.930
ja, benachteiligte Menschen da mitzunehmen in die digitale Welt. Also, ich sehe da
00:44:57.370
wie gesagt, sowohl die Verantwortung und den Auftrag als auch die Möglichkeiten der
00:45:02.150
Politik, da, ja, tätig zu werden und das Ganze voranzubringen.
00:45:09.040
Helga, jetzt bin ich wirklich auf deine Antwort gespannt.
00:45:11.330
Ja, okay, ich kann das erstmal unterstützen,
00:45:15.070
Stephan, was du sagst, vor allen Dingen diese Ebenen-Differenzierung.
00:45:18.890
Natürlich ist es auch aus meiner Sicht
00:45:22.240
die Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass die Teilhabe für jeden möglich ist.
00:45:29.960
Ich war ja mit in der
00:45:30.870
Altersberichtskommission, wir haben ja hinterher im Altersbericht
00:45:34.850
im letzten Kapitel ganz deutlich die Empfehlung ausgesprochen.
00:45:38.170
Das ist eine hohe, aus meiner Sicht sowieso eine zentrale
00:45:43.090
Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, weil es eben eine Dimension sozialer
00:45:46.990
Ungleichheit geworden ist und bei allen anderen Dimensionen ist es ja auch immer
00:45:51.110
wichtig, aber das ist eine Zentrale, die in Zukunft noch mehr Bedeutung hat.
00:45:55.530
Ich würde jetzt, um das nicht auch alles nochmal zu
00:45:58.630
wiederholen, Stephan, vor allen Dingen auf kommunaler Ebene nochmal ansetzen, denn
00:46:03.630
ältere Menschen leben in ihrem lokalen Quartier, sind eingebunden und ich
00:46:09.870
finde auch da, also für mich ist es eine Aufgabe kommunaler Daseinsvorsorge.
00:46:14.490
Digitalisierung ist eben zentral.
00:46:16.930
Und um einen weiteren Aspekt noch zu nennen, es ist Aufgabe der Kommune, auch
00:46:22.630
wenn das jetzt provozierend für viele vielleicht klingen mag,
00:46:25.970
dafür zu sorgen, dass jeder auch die Möglichkeit des Zugangs hat.
00:46:30.080
Das ist das eine.
00:46:30.910
Das heißt wirklich, benachteiligte, einkommensschwache Personen müssen
00:46:36.890
irgendwie das befördert, gefördert bekommen, dass sie auch WLAN zu Hause oder
00:46:41.470
vielleicht auch im Altenheim den Zugang zum WLAN haben.
00:46:44.960
Ich weiß, dass das teilweise recht teuer
00:46:46.870
ist in den Alten- und Pflegeheimen oder in betreuten Wohnanlagen, da kostet das
00:46:52.030
häufig wirklich noch und es müsste eigentlich selbstverständlich sein.
00:46:56.800
Das andere ist auch, und da haben wir
00:46:58.310
jetzt auch schon oft von gesprochen, die Befähigung zu
00:47:01.110
technischer Kompetenz, weil ich finde, das eine ohne das andere geht gar nicht.
00:47:05.450
Dafür ist Internet eben doch mit sehr viel Risiken verbunden.
00:47:08.850
Und da möchte ich noch einen Punkt
00:47:11.430
aufmachen und zwar, es sollte nicht nur Ehrenamt sein.
00:47:15.280
Ich finde das ganz toll, dass es wahnsinnig viel gibt, aber ich finde, das
00:47:18.630
ist so eine verantwortungsvolle Aufgabe, dass es auch hauptamtlich Beschäftigte
00:47:24.550
dafür geben muss, die dazu eingesetzt werden, genau das zu erfüllen.
00:47:29.960
Irgendwelche Möglichkeiten, Angebote zu schaffen zu digitaler Souveränität.
00:47:35.610
Ich finde das wahnsinnig toll, dass es so viel Ehrenamt dazu gibt.
00:47:39.570
Ich finde es aber auch ein bisschen fordernd von staatlicher, kommunaler
00:47:45.710
Seite, so selbstverständlich, immer Ehrenamt.
00:47:48.690
Klar, aber es ist eine Aufgabe von der Politik, die erfüllt werden muss.
00:47:56.010
Und das kann nicht auf die
00:47:57.550
Zivilgesellschaft alles so abgerollt werden.
00:48:01.570
Joachim, die Politik.
00:48:03.430
Euer Projekt Digital Kompass wird
00:48:05.240
unterstützt vom Verbraucherministerium, das heißt, die nehmen Geld in die Hand, um
00:48:08.870
dieses Projekt zu unterstützen, um diese Teilhabe zu organisieren.
00:48:12.570
Wie viel Politik brauchen wir denn noch aus deiner Sicht?
00:48:16.480
Also, auf jeden Fall ist es toll, dass das
00:48:17.800
Verbraucherschutzministerium dieses Projekt von uns unterstützt.
00:48:20.750
Das kann aber natürlich nur ein Baustein
00:48:23.390
sein, um das ganze Thema digitale Teilhabe da zu erreichen.
00:48:28.410
Also, insofern sehe ich den Ball eigentlich ganz gut so in der
00:48:32.310
Mitte zwischen Politik, der Verantwortung von Politik, der
00:48:35.990
Verantwortung von Unternehmen und von der Zivilgesellschaft.
00:48:39.760
Also, ich glaube, Politik muss die
00:48:40.790
rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen für auch digitale
00:48:45.040
Dienste, da gibt es ja auch Entwicklungen, die sind auch teilweise sehr, sehr schnell
00:48:47.960
und da hängt die Rechtsprechung halt immer hinten dran.
00:48:49.750
Das ist halt normal, weil die Geschwindigkeiten in der
00:48:52.750
Digitalisierung einfach sehr, sehr schnelllebig sind
00:48:55.610
und auch deswegen wird es auch noch weiter Aufklärungsarbeit in den
00:48:59.170
nächsten Jahren, Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten, noch geben müssen,
00:49:03.560
weil das einfach ein sehr schnelllebiges Medium ist, in dem wir uns da befinden.
00:49:07.520
So. Also, Politik sollte dazu die
00:49:08.910
rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, sollte dafür sorgen, dass
00:49:12.450
der Ausbau, der Infrastrukturausbau, der Breitbandausbau, da gut vorankommt.
00:49:17.130
Auch das kann man nicht Unternehmen
00:49:18.880
alleine rüberschieben, das sind einfach auch, gerade im ländlichen Raum, auch
00:49:21.950
einfach wirklich sehr, sehr unrentable Modelle für die Unternehmen.
00:49:26.320
Das muss, letztendlich ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dass wir
00:49:28.710
da alle integrieren oder zumindest die Möglichkeit geben, zu integrieren.
00:49:33.200
Und als drittes,
00:49:34.530
das Thema Bildung, was Politik da machen könnte und auch machen sollte.
00:49:38.240
Denn so ein Angebot wie Digital Kompass ist ja im Endeffekt ein Sensibilisierungs-
00:49:42.830
und Bildungsangebot für Menschen mit Einschränkungen.
00:49:48.640
Ich habe gesagt, in der Mitte, also ich
00:49:49.680
sehe die Politik in der Verantwortung, sehe aber auch Unternehmen in der
00:49:52.030
Verantwortung, denn Unternehmen sollten halt auch die Geräte und Dienste so
00:49:56.390
anbieten, dass sie von vornherein datensparsam sind, dass sie sicher
00:49:59.800
konfiguriert sind, dass sie gleich so auf den Markt kommen, dass man sie auch
00:50:02.230
direkt nutzen kann, nicht erstmal einen Kurs
00:50:05.960
braucht, um erstmal alle möglichen Einstellungen erstmal zu verändern, damit
00:50:09.630
man mit dem Gerät sicher ist, damit die Updates automatisch reinkommen und all
00:50:14.800
solche Sachen, das muss von Unternehmen kommen.
00:50:17.120
Und genau so müssen ja auch dann in diese
00:50:18.480
ganzen technischen Entwicklungen, das hatten wir vorhin schon mal gesagt, auch
00:50:21.150
zunehmend auch, ja, auch alle Bevölkerungsgruppen mit
00:50:25.470
einbezogen werden, dass man halt nicht nur auf den
00:50:29.450
wirtschaftlichsten, profitabelsten Markt guckt innerhalb der Gesellschaft.
00:50:34.570
So, das sind eigentlich, aber ich sehe auch, dass das zunehmend kommt, also dass
00:50:39.000
auch auf jeden Fall ein Hoffnungsschimmer da ist.
00:50:40.440
Und drittens ist Zivilgesellschaft, das
00:50:42.030
sind auch letztendlich wir selber in letzter Instanz, glaube ich, sollten auch
00:50:46.910
nicht nur darauf warten, dass Politik uns da jetzt quasi mit Angeboten schafft,
00:50:51.840
sondern dass wir wirklich selber mal gucken, wo können wir denn unser Umfeld,
00:50:54.630
unserem persönlichen Umfeld, bei Nachbarn, bei Nachbarinnen,
00:50:58.400
bei Freunden, Bekannten, wo wir merken, hey, die haben da irgendwie noch Probleme,
00:51:01.640
sich wirklich mal hinsetzen und denen Dinge zeigen.
00:51:03.600
Und das Schlimmste, und da bin ich auch schon durch, ist eigentlich das, was wir
00:51:06.630
machen, wenn man halt Menschen entmündigt, wenn man sagt, okay,
00:51:11.640
du hast ein Problem mit deinem Smartphone, ich richte das mal schnell ein,
00:51:14.210
hier, ich gebe es wieder zurück, viel Spaß damit.
00:51:17.490
Das bringt am Allerwenigsten, weil da lernt der Mensch,
00:51:20.600
der das Smartphone herausgegeben hat, ein Problem hat, ja eigentlich gar nicht
00:51:22.920
damit umzugehen, sondern dieser Mensch muss genauso auch abgeholt
00:51:25.920
werden. Man sagt dann, hey ja, die AGB ist richtig, wir gucken die
00:51:28.710
natürlich gemeinsam durch, aber ich kann dir sagen, das ist im
00:51:32.270
Wesentlichen das, was wir alle unterschreiben, damit man das nutzen kann.
00:51:36.650
Das ist kein Problem,
00:51:38.280
das kannst du nutzen, du kannst auch wieder jederzeit wieder das ababonnieren.
00:51:41.310
Das ist wichtig, dass du,
00:51:44.280
dass wir Menschen da wirklich in die Lage versetzen, wirklich dazu zu befähigen.
00:51:48.000
Mir geht es so ein bisschen darum, diesen Begriff der Unterstützung, den wir ja
00:51:51.430
jetzt verortet haben, dass viele Ebenen dazu beitragen müssen,
00:51:56.410
einfach zu differenzieren, weil es sind ganz unterschiedliche Dinge gefragt.
00:52:00.650
Es sind grundlegende Kurse gefragt oder auch Individualbetreuung, dass man die
00:52:06.390
Geräte kennenlernt, dass man bisschen mit denen umgeht.
00:52:09.690
Ich finde es aber wichtig zu sagen, dass es auch so Kleinigkeiten gibt,
00:52:13.720
die vielleicht von ganz anderen Personen ausgefüllt werden können.
00:52:16.950
Und deswegen will ich darauf hinweisen, je nachdem, was man fordert, sind unter
00:52:21.570
Umständen andere Leute da, die dann unterstützen. Da kann ich, ist
00:52:25.710
ein ganz kurzes Beispiel, von Japan würde ich gerne nennen.
00:52:28.770
Da gibt es den sogenannten Postboten, der gleichzeitig die Aufgabe hat, sich immer
00:52:33.390
auch nach dem Rechten seiner Leute aus seinem Bezirk zu erkundigen.
00:52:39.810
Der hat quasi schon, das ist schon immer
00:52:42.760
da so gewesen, die Aufgabe, mal zu gucken, auch bei älteren, bedürftigen Menschen,
00:52:46.710
die zu Hause liegen, zu gucken, wie es denen geht.
00:52:49.650
Solche Leute, bei denen ist es zum Beispiel jetzt selbstverständlich, wenn
00:52:53.790
die ein Smartphone regelmäßig nutzen, die älteren Menschen, und dann blinkt
00:52:58.960
irgendwas auf, dass sie es grad nicht mehr nutzen können.
00:53:01.210
Der guckt dann mal eben drauf und macht so Kleinigkeiten weg.
00:53:04.320
Noch ein anderes Beispiel, meine Mutter,
00:53:05.930
92, kann ohne ihre smarten Geräte gar nicht leben.
00:53:10.120
Dann hat sie aber manchmal eine Fehlermeldung und dann kommt zufällig
00:53:13.150
gerade die Reinigungskraft und die macht das dann eben.
00:53:16.800
Das sind so Kleinigkeiten, die aber den
00:53:18.510
Alltag am Laufen erhalten, die wesentlich sind, die aber nicht großartig von
00:53:23.010
Kommune oder sowas initiiert werden müssen, das sind Kleinigkeiten.
00:53:26.730
Aber die größeren Befähigungen zum sicher
00:53:30.240
im Internet unterwegs zu sein, das sind nämlich andere Herausforderungen, wo ich
00:53:33.710
dann natürlich auch die Kommunen jetzt zum Beispiel in Verantwortung sehe.
00:53:37.640
Christine. Es ist eine gesamtgesellschaftliche
00:53:40.110
Aufgabe, in der die Politik natürlich aber auch eine zentrale Rolle spielt.
00:53:43.840
Also, ich habe in meinem Kopf gerade 7.
00:53:45.270
und 8. Alten-, damals noch Alten-, jetzt
00:53:47.400
Altersbericht, so ein bisschen zusammengedacht, also, dass die Rolle der
00:53:50.070
Kommune mit Sicherheit wichtig ist, aber auch auf allen Ebenen natürlich
00:53:55.050
entsprechend das Thema angegangen werden muss.
00:53:59.640
Ich fand das gerade, Helga, was du nochmal
00:54:01.030
gesagt hast, ganz spannend, ich finde diese Anforderung, die an digitale Themen
00:54:05.650
aufgestellt ist, dass, ja, ich bin immer der Meinung, Probleme
00:54:09.030
oder Herausforderungen in der analogen Welt werden in der
00:54:12.230
digitalen nicht automatisch gelöst, sondern tendenziell eher verstärkt,
00:54:15.800
deswegen finde ich dein Beispiel ganz spannend, auch da, wo die Menschen leben
00:54:19.590
im Sozialraum, welche Strukturen da sind,
00:54:23.310
Daseinsvorsorge, Versorgungsstrukturen, Hilfemix, also da sind ja ganz viele
00:54:27.350
Akteure/-innen, die ganz relevant sind, insbesondere für die Zielgruppe älterer
00:54:31.360
Menschen, was mit Sicherheit aber auch auf andere Gruppen übertragbar ist.
00:54:34.470
Und ich glaube, da ist Digitalisierung auch eher als Querschnittsthema zu sehen.
00:54:39.360
Wenn wir im Pflegekontext sprechen, natürlich ist Digitalisierung da nochmal
00:54:42.710
eine ganz andere Nummer als nur die “digitale Teilhabe”.
00:54:46.870
Es ist aber trotzdem so, dass wir auch bei Ausbildung von Menschen, bei
00:54:50.550
Qualifizierungen, auch schon da digitale Aspekte mit aufnehmen sollten.
00:54:55.490
Denn es ist kein
00:54:57.280
einzelner Baustein, den man von allem anderen loslösen kann, weil dann, finde
00:55:00.480
ich, ist der Nutzen, der Mehrwert für den Einzelnen, manchmal nicht aufgenommen.
00:55:04.320
Das heißt, ich sehe es auch so, dass wir
00:55:05.910
gucken müssen, da im Sozialraum, in der Nachbarschaft, wo Menschen unterwegs sind,
00:55:10.330
die sich gegenseitig helfen, wo Begegnung passiert, da ist es wichtig, digitale
00:55:15.150
Kompetenzen zu fördern und mitzugeben, Erfahrungsräume zu schaffen
00:55:21.050
, ja, um da einfach auch kurzfristige Hilfen irgendwie zu implementieren.
00:55:26.610
Und auch da ist natürlich die Riesenfrage, wenn jemand von euch die Antwort hat, ich
00:55:30.880
nehme sie gerne mit, wie erreiche ich die Unerreichbaren, also von Einsamkeit
00:55:34.720
betroffenen Menschen, von Isolation betroffenen Menschen?
00:55:37.390
Da brauchen wir diese Türöffner/-innen und da sind Postboten und Hausmeister/-innen
00:55:41.720
und was es nicht alles gibt, da gibt es schöne Ansätze und da muss man auch
00:55:45.190
einfach im Kontext der Digitalisierung weiterdenken.
00:55:48.050
Ich nehme zwei Titel für zukünftige
00:55:50.320
Podcasts schon mit rein, lieber Joachim, und ich glaube, dass du mir da Recht
00:55:53.470
gibst: Befähigung und wie erreichen wir alle mit dieser, mit der Digitalisierung?
00:55:59.560
Ich glaube, das sind zwei Themen, die
00:56:00.870
einen, mindestens einen, Podcast alleine füllen könnten.
00:56:04.080
Joachim, ich fange mal bei dir an.
00:56:05.230
Wir haben das Thema Befähigung.
00:56:06.920
Wir reißen es heute nur kurz an, wie wir alle Themen heute nur kurz anreißen
00:56:10.230
können, weil, ich merke schon, wir könnten hier stundenlang miteinander
00:56:13.880
darüber philosophieren und diskutieren und uns austauschen.
00:56:16.160
Das ist auch sehr spannend.
00:56:17.370
Aber Befähigung, gib mir mal zwei, drei
00:56:20.590
Gedanken von dir, wie können wir denn die Menschen befähigen, mit Behinderung, ohne
00:56:24.830
Behinderung, im Alter usw., wie können wir die Menschen alle
00:56:28.430
befähigen, mit Digitalem, mit der Digitalisierung umzugehen?
00:56:32.400
Ich glaube, der allererste Schritt ist überhaupt erst mal das Sensibilisieren.
00:56:35.240
Also, erst mal verstehen, worum geht es eigentlich?
00:56:37.710
Was bringt es mir?
00:56:39.120
Welchen Mehrwert bietet es meinem Leben,
00:56:40.360
bevor überhaupt eine Motivation da ist, um sich überhaupt zu befähigen?
00:56:43.600
Weil, wir wollen und sollten auch
00:56:44.830
niemanden dazu zwingen, sich da der Sache zu widmen.
00:56:49.400
Wenn man jetzt möglichst passende
00:56:51.070
Bildungsangebote schaffen möchte, dann muss man, ich glaube, das hat Christine
00:56:55.750
vorhin gesagt, von diesem bunten Blumenstrauß
00:56:58.200
Gebrauch machen und sagen, hey, welche Möglichkeiten gibt es, was ist
00:57:01.160
denn, wer ist denn eigentlich bei mir gegenüber?
00:57:03.090
Was braucht dieser Mensch denn am besten?
00:57:05.200
Welche Ansprache braucht er oder sie denn?
00:57:07.210
Möchte er oder sie eher vom Typus her was lesen?
00:57:10.600
Möchte er oder sie in der Schulung sein?
00:57:12.040
Möchte er sich in einer großen Runde mit anderen austauschen, und vielleicht auch
00:57:15.950
ein bisschen profilieren und auch zeigen, was er oder sie schon kann.
00:57:20.600
Oder brauchen Menschen auch vielleicht
00:57:22.240
irgendwie eher so ein bisschen eine individuelle Ansprache und auch die
00:57:25.550
Möglichkeit, immer wieder auch Rückfragen zu stellen?
00:57:28.890
Unsere Erfahrung, wir sind jetzt
00:57:31.840
in unserer Projektarbeit, dass wir es immer schaffen, dass wir
00:57:34.830
versuchen, Menschen zu den Projekten, diejenigen aufzuschlauen, die sich im
00:57:41.750
Umfeld von älteren Menschen, bei dem Beispiel damals,
00:57:45.520
befähigen, also dass wir uns an die richten, weil die nämlich gleichzeitig
00:57:48.430
auch ein Vorbild sind in ihrer Rolle, dass sie also auch gleichzeitig zeigen,
00:57:53.600
einfach durch ihr Alter und sagen, hey, ich bin jetzt schon in einer bestimmten
00:57:57.120
Altersgruppe angekommen und ich habe es trotzdem diesem Thema angewandt und ich
00:57:59.790
nutze es genau für diese und diese Dienste, das kannst du doch auch.
00:58:03.760
Denn, wenn ich mit Mitte 40 komme und das erkläre, hat das einen ganz anderen
00:58:06.950
Stellenwert, der kommt immer unterbewusst mit, ja,
00:58:10.570
das ist ja vielleicht gar nicht für mich überhaupt noch relevant.
00:58:14.410
Das Zweite ist,
00:58:16.130
ja, möglichst individuelle Austausche sind, glaube ich, ganz, ganz wichtig,
00:58:20.190
Rückfragen stellen, sollte man immer wieder Möglichkeiten für schaffen.
00:58:23.800
Und das Dritte ist, glaube ich, der wichtigste Punkt ist, dranbleiben.
00:58:27.170
Es bringt überhaupt nichts,
00:58:29.760
Angebote zu schaffen, die jetzt nur für ein Jahr existieren und danach sagt man,
00:58:33.160
okay, ihr habt doch jetzt mal was kennengelernt und das war´s.
00:58:35.730
Es geht wirklich um das Thema
00:58:37.410
Nachhaltigkeit, dranbleiben, nochmal aktiv mal nachfragen, hey, war das jetzt gut,
00:58:41.810
war das jetzt hilfreich für dich oder für Sie, um das Ganze, dieses Thema, dieses
00:58:46.610
digitale Thema jetzt ein bisschen zu verarbeiten, gab es denn Rückfragen?
00:58:50.840
Und es ist halt durchaus auch die
00:58:52.390
Erfahrung so, dass dann auch im Alter öfters mal auch die
00:58:56.190
Fragen öfters mal kommen müssen und auch mal manchmal eine Scham entsteht vor
00:59:00.600
vielleicht peinlichen Fragen oder scheinbar dummen Fragen.
00:59:03.400
Die gibt es nicht, das wissen wir alle.
00:59:05.090
Insofern ist es ganz wichtig, diesen Dialog vor allem zu ermöglichen.
00:59:09.040
Stephan, Joachim hat den Peergedanken angesprochen, also ältere Menschen
00:59:12.560
unterstützen ältere Menschen mit ihrem Wissen, sind dadurch ein Vorbild.
00:59:15.640
Menschen mit Behinderung unterstützen Menschen mit Behinderung.
00:59:18.240
Teilst du diesen Peergedanken?
00:59:20.810
Absolut.
00:59:21.920
Das ist auch unsere Erfahrung.
00:59:23.270
Auch in unserem Projekt Digital Mobil im Alter hat sich das ganz oft so ergeben,
00:59:29.010
dass es eben Menschen, Engagierte aus der Altersgruppe selbst sind, die dort
00:59:35.270
Hilfestellung geben, Lernen und Erfahrungsangebote begleiten.
00:59:42.880
Entweder, oder überwiegend, sage ich mal,
00:59:45.070
aus zwei Bereichen, entweder eher aus dem pädagogischen Bereich oder eher aus dem
00:59:50.150
technischen Bereich, beides hat so seine Vor- und Nachteile, kann ich nur mal
00:59:55.530
anmerken, ohne das weiter ausführen zu wollen.
00:59:59.000
Genau. Also das funktioniert sehr gut.
01:00:01.520
Aber wir haben auch festgestellt, dass
01:00:03.230
durchaus auch intergenerationale Konzepte geeignet sind, insbesondere wenn man so
01:00:08.430
die Großelterngeneration mit den Enkeln da zusammenbringt.
01:00:13.730
Was weniger gut funktioniert, ist, wenn
01:00:15.850
die Kinder mit ihren Eltern sich da zusammensetzen, da ist es doch
01:00:22.170
eher dann häufiger mal von Spannungen oder von Ungeduld vielleicht geprägt.
01:00:27.810
Da will ich auch so ehrlich sein,
01:00:31.170
dass es mir selbst, obwohl ich ja beruflich damit auch zu tun habe, manchmal
01:00:35.550
auch an der Geduld fehlt, wenn meine Mutter mich etwas fragt.
01:00:39.150
Also, ich kann auch gar nicht genau sagen,
01:00:42.230
woran es liegt, aber es ist eine Herausforderung.
01:00:45.560
Ich,
01:00:47.440
vielleicht an der Stelle würde ich auch Joachim gerne nochmal
01:00:52.130
beipflichten, er hatte nämlich vorhin auch gesagt, dass es nämlich
01:00:55.890
auch eine Verantwortung im Prinzip im privaten, im familiären oder im
01:00:59.910
nachbarschaftlichen Umfeld ist, Leute mitzunehmen,
01:01:03.810
vielleicht dann auch nochmal in dem Kontext, wie erreichen wir schwer
01:01:07.270
erreichbare Menschen, dass man wirklich versucht, auf Menschen
01:01:14.400
da zuzugehen und sich die Zeit zu nehmen, geduldig zu sein.
01:01:18.800
Also, Geduld ist auch auf jeden Fall ein
01:01:20.830
Gelingensfaktor, wenn es um Befähigung geht.
01:01:24.800
Und das meine ich im Prinzip
01:01:26.170
auch für beide Seiten, also sowohl die oder den Lernenden, da braucht man
01:01:31.830
Geduld, bestimmte Dinge lernt man einfach nicht von heute auf
01:01:35.910
morgen, sondern eher im Wiederholen und täglichen Üben.
01:01:40.050
Und genau das gilt dann letzten Endes auch
01:01:42.670
für die Person, die dort die Information vermittelt und Anleitung gibt.
01:01:48.830
Und man braucht ein Stück weit auch eine
01:01:51.570
Bereitschaft zur, also sagen wir mal, auf Seiten der
01:01:57.110
Lernenden eine Offenheit für einen gewissen Wandel, auch ein Stück weit eine
01:02:01.870
Leidensfähigkeit, sage ich mal, wenn etwas nicht sofort funktioniert.
01:02:05.970
Ja, und auf Seiten der Vermittelnden gilt das im Prinzip
01:02:13.410
auch, da braucht man auch ein Stück weit Leidensfähigkeit mitunter.
01:02:18.960
Christine, befähigen ist ja ein wichtiges,
01:02:21.930
wichtiges Tool, den Menschen wirklich zeigen, wie es funktioniert.
01:02:25.920
Helga hat vorhin angesprochen, das dürfen
01:02:27.720
wir oder sollten wir nicht nur dem Ehrenamt überlassen, sondern auch
01:02:30.830
professionalisieren, sage ich das mal so ein bisschen überspitzt.
01:02:34.240
Wie ist dein Gedanke? Wie kann man besser befähigen?
01:02:36.640
Was sind die Tools, was sind die Möglichkeiten, die uns gegeben sind?
01:02:39.600
Was wir in den letzten Jahren auf jeden Fall gemerkt haben, dass es nicht nur die
01:02:43.470
ehrenamtlichen Unterstützenden sind, die selbst Hilfe und Qualifizierung
01:02:49.310
brauchen im Kontext digitaler Kompetenzen, sondern auch
01:02:53.360
die rahmengebenden Akteure/-innen, also das Hauptamt, was es ja in der Regel schon
01:02:57.470
auch gibt und so eine koordinierende, ja, so eine strukturbildende Rolle übernimmt.
01:03:02.850
Auch da hat es ganz gewaltig an
01:03:05.210
Kompetenzen gemangelt, würde ich mal sagen.
01:03:07.710
Und ich würde sagen, auch heute ist das noch so an der einen oder anderen Stelle.
01:03:12.320
Ich glaube, es ist wichtig, auch da
01:03:13.950
Ressourcen zu schaffen, weil Digitalisierung, ob das jetzt
01:03:17.130
in stationären Einrichtungen ist oder in der Nachbarschaft, ist egal.
01:03:20.930
Überall ist das nur so ein On Top noch.
01:03:23.950
Es gibt ja wenig Akteure/-innen, so wie
01:03:26.080
wir das im Zweifel haben, hier und da mal so eine Initiative, die sagt, wir setzen
01:03:29.600
uns jetzt nur mit dem Thema auseinander, aber wir wollen es ja als
01:03:32.350
Querschnittsthema implementieren und das heißt, hier braucht es Kompetenzen,
01:03:36.710
Ressourcen, um das auch wirklich adäquat durchführen zu können.
01:03:40.960
Und ich glaube, dann ist es wirklich ein
01:03:42.710
super Ansatz, da zu gucken, wo die Menschen sind.
01:03:45.190
Also, es gibt ja auch in Nordrhein-
01:03:47.510
Westfalen Miteinander Digital, es gibt ganz viele Ideen, auch Räume zu öffnen,
01:03:53.330
beispielsweise stationäre Einrichtungen zu öffnen, das als einen Sozialraum zu
01:03:57.230
definieren und auch hier mit digitalen Werkzeugen und Tools zu arbeiten.
01:04:01.400
Und ich glaube, das sind ganz genau die richtigen Ansätze.
01:04:04.030
Und ob das dann Peer to peer ist oder
01:04:06.810
intergenerativ, ich glaube, das ist auch ganz, ganz
01:04:10.040
individuell, wie man das halt so haben will.
01:04:12.030
Also, ich kann aus meiner Lehr-Biografie
01:04:14.360
sagen, ach Schule war okay, aber ich hätte jetzt keinen Bock mehr, mich in die
01:04:17.870
Hochschule zu setzen, an so einem Schulformat teilzunehmen.
01:04:20.800
Dann würde ich mich lieber mit euch so
01:04:22.190
treffen und wir haben ein bisschen Spaß dabei und wir trinken Kaffee, essen ein
01:04:26.230
Stück Kuchen und gucken mal, was es da so gibt auf Augenhöhe.
01:04:29.430
Und ich glaube, das ist, ja, sehr individuell.
01:04:33.080
Und an dieser Stelle, Stephan, wenn deine
01:04:35.150
Mutter das hört, solltest du sie auf jeden Fall grüßen.
01:04:38.960
Aus deiner Anekdote, ist bei mir
01:04:40.510
ähnlich, also, ich kann auch nur sagen, ich habe meiner Mutter mal am Telefon
01:04:44.880
den Router installiert, weil die einen neuen bekommen hat.
01:04:47.080
Danach konnte ich sie auch ungefähr vier
01:04:48.480
Wochen nicht mehr sehen, das war besser für uns alle.
01:04:50.970
Also, ich will damit nur sagen, ich
01:04:52.920
glaube, auch da gibt es kein richtig und falsch.
01:04:54.840
Es gibt ganz viele unterschiedliche Wege
01:04:56.670
und es ist einfach wichtig, wirklich auch das zu akzeptieren.
01:05:00.800
Das hatten wir ganz oft, wenn wir Initiativen begleitet haben, wie kleine
01:05:04.190
Projekte, Aktionen zum Thema der Gewinnung von Medienkompetenz gestartet haben und
01:05:09.880
die wollten dann alle erreichen, und das machen wir noch und das.
01:05:12.330
Und das fängt schon damit an, um wie viel Uhr machen wir das denn?
01:05:15.600
Dann hast du im Zweifel schon eine bestimmte Zielgruppe ausgeschlossen.
01:05:18.590
Und dann sagen wir auch immer,
01:05:20.130
es ist okay, sich auch einfach, auf eine kleine Zielgruppe einzuschießen,
01:05:25.720
gemeinsam zu überlegen, wer sind das, wen können wir da erreichen?
01:05:28.960
Und man wird nicht die eierlegende
01:05:30.470
Wollmilchsau schaffen, auch nicht in dem Konzept.
01:05:33.430
Und ich glaube, wenn man sich das selber
01:05:36.130
eingesteht, hat man ganz, ganz viel geschafft.
01:05:38.550
Und auch diese Frustration ist nicht ganz
01:05:40.630
so groß, wenn man keine Hunderte von Leuten am Ende erreicht hat.
01:05:45.570
Peer, integrativ oder intergenerational?
01:05:49.490
Helga, was sagt die Wissenschaft und die Soziologin?
01:05:53.970
Wie wäre Befähigung gut möglich und erfolgreich?
01:05:57.330
Gibt es überhaupt da einen Schlüsselsatz?
01:06:00.280
Ja, es gibt ganz viele Punkte, wo ich
01:06:01.750
anknüpfen möchte, aber ich mache jetzt einfach einen anderen auf, der vielleicht,
01:06:07.290
also einerseits will ich honorieren, dass es wahnsinnig viele tolle Ansätze gibt in
01:06:12.230
ganz Deutschland, was ich total super finde.
01:06:16.210
Ich glaube, eines der Probleme ist da, es ist doch, oft hängt das am Engagement
01:06:21.810
einzelner Personen, die wahnsinnig motiviert in ihrem konkreten Umfeld sind.
01:06:26.650
Problem wird allenfalls dann, wenn sie dann einfach keine Lust mehr haben und das
01:06:31.350
sehe ich jetzt und aus so einer übergeordneten Perspektive jetzt auch, vor
01:06:35.560
allen Dingen vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen aus dem Altersbericht.
01:06:39.210
Das, was wir probiert haben,
01:06:42.330
na ja, zu fordern, zu empfehlen, sage ich jetzt mal vorsichtig, ist,
01:06:47.010
so was wie eine flächendeckende Verbreitung dieser Angebotsstrukturen.
01:06:52.850
Das ist, was wir nicht haben, ist flächendeckend und was wir nicht haben
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bisher, ist so was wie eine Standardisierung.
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Ich finde, das ist eine viel zu große Herausforderung, die Digitalisierung,
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insbesondere auch vor dem Hintergrund der Risiken.
01:07:07.450
Und Christine, du hast es auch schon angesprochen, Multiplikatoren oder die,
01:07:11.730
die im Grunde dann das Wissen weitertragen sollen, haben möglicherweise ja auch gar
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nicht die Ausbildung, das überhaupt so weitertragen zu können.
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Außerdem ändert sich ständig was.
01:07:22.880
Ich bringe es auch meiner Mutter bei, mit
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den gleichen Erfahrungen wie hier so, aber ich weiß es ja eigentlich auch selber
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gar nicht so als Nichte xperte in diesem Bereich.
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Und deswegen das Plädoyer, was wir damals
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auch im Altersbericht geschrieben haben, Standardisierung, Zertifizierung.
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Das heißt, es muss einfach mal
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flächendeckend auch so was geben wie so die Möglichkeit, einen bestimmten Standard
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zu schaffen, der verantwortlich dann auch weitergetragen wird.
01:07:53.130
Das heißt, wir müssen und das finde ich so toll, da hattest du eben schon von
01:07:57.030
gesprochen, Christine, in deinem Rahmen, man über die Multiplikatoren/-innen,
01:08:02.610
die wir wesentlich haben, also diese, wir haben sie auch mal Türöffner genannt
01:08:07.310
bei uns, die finde ich ganz, ganz, ganz wichtig, aber das und weil ältere Menschen
01:08:14.310
dann motiviert werden, sich digitalen Medien zu nähern, wenn auch aus ihrem
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bisherigen, aus dem nachbarschaftlichen Kontext, aus den
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Personen, die für vertrauensvoll erachtet werden, wenn von der Seite etwas kommt in
01:08:29.480
Richtung Digitalisierung, dann wird das viel eher angenommen.
01:08:32.450
Das müssen natürlich dann auch Informationen sein,
01:08:37.210
die eben auch so solide sind, dass man darauf aufbauen kann.
01:08:41.720
Und deswegen ist mein Plädoyer gar nicht
01:08:43.670
so unbedingt nur Befähigung der älteren Menschen selbst, also, wenn ich auf die
01:08:47.750
Gruppe der älteren Menschen gucke, sondern eben auch die, die dafür verantwortlich
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sind, dass so ein Wissen weitergetragen wird.
01:08:54.760
Ich finde, es ist gar nicht möglich ohne familiäre Unterstützung.
01:08:59.590
Ich glaube, ich kenne keine Studie dazu,
01:09:02.800
ich glaube, das ist ganz, ganz wesentlich, dass innerhalb der Familie
01:09:06.070
unterstützt wird, dass es einen ganz großen Bereich betrifft.
01:09:09.800
Ich kann das aber nicht einschätzen.
01:09:11.260
Ich weiß nicht, wie viele über andere
01:09:14.090
Ebenen laufen, aber auch da gilt es, irgendwie so ein
01:09:18.750
bisschen zu fördern, dass so ein gewisser Grad an Standards hergestellt wird.
01:09:24.800
Stefan? Ich stimme da absolut zu.
01:09:27.490
Da ist nur wieder dann auch eine Aufgabe, eben die Menschen, die
01:09:32.070
eben nicht mehr über ein solches familiäres Umfeld verfügen oder
01:09:37.570
nur wenige oder keine soziale Kontakte haben, wie man die dann erreicht?
01:09:42.320
Da hatten wir ja ein paar Sachen auch
01:09:43.590
schon angesprochen, das Bild oder das Beispiel der Postboten oder ähnliches.
01:09:51.070
Also, da gibt es ja auch Ansätze in der ambulanten Pflege, aber da ist es
01:09:57.070
eben auch ganz wichtig, dass das keine Tätigkeiten oder Angebote sein dürfen, die
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noch on top kommen zu dem, was diese Personen eh schon
01:10:07.180
leisten, mit einem sehr engen Zeitrahmen, mit einer ja nicht allzu hohen Vergütung.
01:10:14.530
Deswegen würde ich auch dem, was Helga gerade ausgeführt hat, also der
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Standardisierung, vielleicht auch noch die Worte, eine bessere Honorierung auch
01:10:24.570
dieser Aktivitäten, dieser Angebote hinzufügen wollen bzw.
01:10:28.680
auch eine Professionalisierung.
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Und dazu gehört eben auch genau das, dass man diese Menschen ein Stück weit auch
01:10:34.340
qualifiziert, aber auch nicht in dem Sinne, ich hatte mir ein ähnliches Wort,
01:10:39.200
wie es jetzt Christine gerade benutzt hat, auch hier schon mal notiert, dass man eben
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nicht versucht, eierlegende Wollmilch -Helfer/-innen im Prinzip auszubilden,
01:10:48.220
sondern dass man eben schaut, wer können wirklich die Türöffner sein?
01:10:51.920
Da reicht es vielleicht zu sagen, na, das, was du jetzt hier machst,
01:10:55.130
das könntest du vielleicht auch gut mit einem Tablet tun oder
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wenn, ach schade, gerade die Lieblingssendung verpasst, weil jetzt hier
01:11:02.870
irgendwas dazwischengekommen ist, Essen kam zu spät oder was auch immer,
01:11:07.080
aber man kann sich das ja auch noch mal in der Mediathek anschauen.
01:11:10.220
Wie man aber letzten Endes, was man dafür braucht, an Zugängen, an Konfiguration, an
01:11:16.590
Bedienkompetenz und Medienkompetenz, das muss nicht die gleiche Person
01:11:21.490
zwingend sein, also da wirklich auch eine Diversifizierung, eine
01:11:25.460
Professionalisierung zu erreichen, das halte ich für sehr, sehr wichtig.
01:11:31.110
Und das sind im Übrigen auch Punkte,
01:11:34.720
Mini-Werbeblock auch nochmal für das Buch von Herrn Professor Kubitschek, wo es
01:11:39.260
genau um auch digitale Teilhabe im Alter geht.
01:11:43.920
Da sind genau solche Ansätze auch nochmal
01:11:46.630
ein bisschen konkreter beschrieben und ich bin überzeugt davon, dass da, ja,
01:11:53.410
dazu beitragen würde, digitale Teilhabe zu erreichen oder zu verbessern.
01:11:59.400
Ich nehme aus diesem Podcast mit heraus,
01:12:01.110
dass Digitalisierung oder digitale Teilhabe ein Prozess ist, der wird
01:12:05.600
wahrscheinlich nie abgeschlossen sein, weil die Digitalisierung immer weitergeht
01:12:08.520
und weil wir immer weiter entwickeln müssen und dass es ganz, ganz wichtig ist,
01:12:12.170
zu befähigen im Umgang der Menschen, die selber das nutzen wollen, aber auch die
01:12:16.960
Menschen, die anderen Menschen das beibringen wollen, dass der Peergedanke
01:12:20.500
wichtig ist und dass aber auch vielleicht dies intergenerationale wichtig ist.
01:12:25.330
Joachim, was nimmst du mit?
01:12:26.720
Du hast ja schon das Beste
01:12:27.920
jetzt schon rausgepickt, das ist super. Ich nehme auf jeden Fall auch
01:12:31.630
mit, dass die Digitalisierung sich im vollen Gange
01:12:36.600
befindet, also, dass jeden Tag nahezu neue Dienste entstehen und dementsprechend
01:12:40.110
auch die Aufklärungsbedarfe entsprechend sich auch anpassen müssen.
01:12:44.180
Insofern bin ich sehr zuversichtlich, dass wir die nächsten
01:12:47.320
vielen, vielen Jahre noch gemeinsam an dem Thema arbeiten werden, dass es nicht
01:12:50.840
einfach, sag ich jetzt mal in Bezug auf jetzt Senioren, nicht irgendwie
01:12:54.280
sich dann rauswächst, sondern wir einfach irgendwie immer wieder Fragen haben
01:12:57.950
werden, weil es immer wieder auch Themen gibt, die Menschen auch beschäftigen.
01:13:02.720
Jetzt besonders auf Bezug auf Menschen mit Sinneseinschränkungen,
01:13:06.240
da gibt es verschiedene Zahlen zu, aber wir reden von ungefähr 10 Millionen
01:13:09.500
Menschen in Deutschland, gibt es und wird es immer wieder geben
01:13:15.280
und alleine schon, weil wir auch als Gesellschaft immer weiter altern und es
01:13:18.830
auch einen Zusammenhang gibt zwischen Sinneseinschränkungen und höherem Alter.
01:13:22.800
Insofern gibt es,
01:13:26.480
ja, auf jeden Fall einen ganz, ganz großen Bedarf und dementsprechend sollten wir auf
01:13:30.200
jeden Fall noch weitere Bildungsangebote da schaffen.
01:13:32.240
Und ich freue mich, dass wir im
01:13:32.920
Digital Kompass und auch in diesem Podcast die nächsten zweieinhalb Jahre dieses
01:13:36.180
Thema noch weiter auseinander bröseln werden.
01:13:38.960
Christine, was nimmst du aus diesem
01:13:40.380
Podcast, aus diesem Gespräch, aus diesem Rundtischgespräch mit vier sehr spannenden
01:13:44.550
und unterschiedlichen Menschen, die ja aber sich ziemlich einig waren?
01:13:49.800
Ganz viel inhaltlich, aber auch
01:13:51.600
strukturell nochmal, was, glaube ich, auch in unserem Arbeitsfeld super wichtig ist,
01:13:55.630
dieses von und miteinander lernen, dass wir uns einfach auch an anderen Stellen
01:14:01.790
nochmal, so wie im Podcast hier, auch einfach nochmal zusammenfinden.
01:14:05.400
Denn, das ist auch an der einen oder
01:14:06.630
anderen Stelle schon gesagt worden, es gibt viele tolle innovative Ansätze und
01:14:10.680
das Rad muss nicht immer neu erfunden werden, auch nicht in unserem Feld.
01:14:14.260
Und ich glaube, da sind solche Formate wie hier oder wir machen Ende des
01:14:18.840
Monats März nochmal eine Frühjahrsakademie und wollen gemeinsam über den Tellerrand
01:14:22.950
hinausschauen, dass man da einfach nochmal gemeinsam diskutiert.
01:14:26.640
Denn das, was hier passiert ist, wir waren uns am Ende einig, nichtsdestotrotz sind
01:14:30.760
wir uns auch einig, dass wir eigentlich vielleicht aus unterschiedlichen Bereichen
01:14:34.520
in dem Sinne kommen und unterschiedliche Perspektiven mitgebracht haben.
01:14:37.950
Und ich glaube, diese Einigkeit ist etwas, was man ausbauen kann und
01:14:42.330
ja, dass man einfach auch gemeinsam in eine Richtung geht und auch schaut.
01:14:46.490
Stephan, du konntest dich jetzt vorbereiten, was nimmst du mit?
01:14:50.040
Ja, Christine hat wiederum ganz viel von
01:14:53.140
dem gesagt, was ich wirklich tatsächlich auch mitnehme.
01:14:57.640
Und zwar, dass wir uns einig sind, was das Ziel oder die Ziele angeht,
01:15:02.290
was die Herausforderungen sind, was mögliche Lösungsansätze sind.
01:15:06.210
Ich habe aber auch
01:15:08.120
eine Hoffnung, die ich mehr oder weniger mitnehme und zwar, dass wir
01:15:13.680
halt hier nicht nur in unserer Blase jetzt gesprochen haben, die wir uns ja alle im
01:15:18.630
beruflichen Kontext mit diesen Themen beschäftigen, also damit verbunden auch
01:15:24.460
die Hoffnung, dass wir auch etwas mitgeben konnten.
01:15:28.080
Also, nicht nur mitnehmen, sondern vielleicht auch den Zuhörerinnen und
01:15:31.110
Zuhörern mitgeben an Motivation, an Ansatzpunkten, vielleicht im eigenen
01:15:36.990
Umfeld oder im Rahmen einer freiwilligen Tätigkeit oder so, da aktiv zu werden.
01:15:44.070
Das ist das,
01:15:47.640
was ich aus unserem Gespräch auch gerne mitnehmen würde und mitgeben würde.
01:15:51.920
Last but not least, Helga, was nimmst du mit?
01:15:54.490
Ich freue mich ganz besonders über die Einigkeit, die hier vorherrscht, weil wir
01:15:59.220
kommen ja doch aus sehr unterschiedlichen Bereichen jeweils.
01:16:02.530
Und ich finde es wahnsinnig toll, dass im Grunde auch der Podcast mir jetzt wieder
01:16:06.830
gezeigt hat, wir wissen eigentlich schon, was wir
01:16:11.180
wollen, was wir propagieren, was wichtig wäre.
01:16:14.250
Und wir haben damit dann auch eine Stimme gegenüber der Öffentlichkeit.
01:16:18.210
Also, das, was wir immer sehen, ich bin in verschiedenen Gruppen mit drin,
01:16:23.240
in Fachausschüssen zum Thema Alter und Technik, was ich immer denke, wir haben so
01:16:26.990
eine geringe Reichweite, uns hört keiner zu so richtig.
01:16:30.000
Und je mehr unterschiedliche Gruppen das
01:16:32.220
Gleiche dann auch nach außen hin tragen, umso eher werden wir gehört.
01:16:38.610
Und ich glaube, als Soziologin, es ist
01:16:40.910
eine Dimension sozialer Ungleichheit, die wir nicht unbeachtet lassen dürfen.
01:16:44.920
Und das ist schon fortgeschritten, Internetzugang für Ältere,
01:16:50.520
sieht man jedes Jahr an den Zahlen, steigt, aber nichtsdestotrotz müssen wir
01:16:54.220
unbedingt weitermachen und unsere Stimme dafür laut werden lassen.
01:16:58.410
Und die Einigkeit hier trägt dazu bei, denke ich.
01:17:02.720
Christian, Stephan, Joachim, Helga,
01:17:05.090
herzlichen Dank für diese erste Reise, die wir im digitalen
01:17:10.280
Zeitalter gemacht haben, digitale Teilhabe begutachtet, analysiert, geschaut.
01:17:14.990
Und ich freue mich auf die nächsten zweieinhalb Jahre.
01:17:17.920
Das wird noch sehr interessant und sehr lehrreich.
01:17:19.760
Vielen Dank und euch eine schöne Zeit!
01:17:21.490
Tschüss zusammen.
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Vielen Dank an die Runde und dir, Sascha.
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Digital Kompass-Podcast – der Podcast, um gemeinsam digitale Barrieren zu überwinden. Herausgeber Deutschland sicher im Netz e.V.. Der Digital Kompass-Podcast wird ermöglicht durch das Bundesverbraucherschutzministerium. Der Digital Kompass ist ein Verbundprojekt der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen und von Deutschland sicher im Netz. Weitere Informationen findet ihr unter www.digital-kompass.de. Über Feedback zu diesem Podcast freuen wir uns. Kontakt zu uns und dem Moderator Sascha Lang schickt ihr bitte per Mail an podcast@digital-kompass.de.
In der Podcast-Folge ging es um diese Fragen:
- Was bedeutet “digitale Teilhabe”?
- In welchen Bereichen sind die Menschen aktuell besonders damit konfrontiert?
- Welche Personengruppen sind von digitaler Exklusion betroffen?
- Wie kann man digitale Teilhabe noch besser ermöglichen? Was braucht es?
Feedback
Ihre Anmerkungen und Fragen sowie Lob und Kritik können Sie jederzeit per Mail an podcast@digital-kompass.de richten.

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