14. Oktober 2021

3 Fragen an den Standort Berlin-Wedding

Eine ältere Person tippt auf einem Laptop.
Quelle
Steve Buissinne I Pixabay

Das Zukunftshaus Wedding ist ein Stadtteilzentrum und Mehrgenerationenhaus in Berlin Wedding. Der Digital-Kompass Standort realisiert neben einem regelmäßigen ComputerTreff auch sogenannte Digitalpatenschaft. Hierbei begleiten und unterstützen freiwillige Digitalpatinnen und -paten ältere Menschen bei digitalen Anliegen. So auch Regina Mans, die seit Januar 2021 im Zukunftshaus Wedding ehrenamtlich aktiv ist. Einmal in der Woche berät sie in der 1:1-Betreuung Seniorinnen und Senioren zu digitalen Fragen rund um Smartphone, Laptop und Internet. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen rund um ihr Engagement und verrät uns ihre Geheimtipps, wie sie digitale Inhalte für Ältere vermittelt. 

Wie sind Sie zur Arbeit beim Digital-Kompass-Standort gekommen?
Regina Mans: Ich habe eine Einladung zur Eröffnung des Digital-Kompass-Standortes Wedding im Stadtteil-und Familienzentrum erhalten, diese wahrgenommen und fand bzw. finde das Konzept sehr gut. Da ich mit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in einer anderen kleinen Senioren-PC-Gruppe nicht ausgelastet war, habe ich mich entsprechend um eine Digitalpatenschaft bemüht. Mir macht es Freude, anderen etwas beizubringen. Das begleitet mich in meiner Berufstätigkeit schon seit der Lehre. Jetzt in der Zeit der Smartphones und iPhones ist Seniorenarbeit noch einmal zunehmend wichtiger geworden. Kinder und Enkel sind hier oft überfordert, haben nicht genug Zeit.

Was wollen ältere Leute rund um die digitale Welt lernen?
Regina Mans: Smartphones werden immer wichtiger für Senior:innen. Vorne weg ist es erst einmal die grundsätzliche Bedienung, also auch einfach mal das Telefonieren oder eingehende Telefonate annehmen. Dicht gefolgt von der Nutzung von Messenger-Diensten, allen voran WhatsApp. Das Verschicken von Bildern und kleinen Videos ist wichtig geworden – als Kontakt zur Familie und um auch das Gefühl zu behalten, einfach mal "noch dabei zu sein".
Wer z.B. in einer Sportgruppe kein WhatsApp hat steht häufig automatisch außenvor. Die Nutzung des Internets ist bei vielen Senior:innen gleichbedeutend mit Google. Es ist toll, alles mögliche im Internet suchen zu können. Von der Gewichtung kommt die Nutzung von Emails am Smartphone tatsächlich erst recht spät. Viele Senioren:innen wissen gar nicht, dass sie mit einem Smartphone oder iPhone automatisch auch im Besitz einer Emailadresse sind.

Erstaunlich finde ich den Mut, mit dem so mancher sich noch an Computer oder Laptop wagt. Mitunter sogar mit Ü80 und mehr. Wer in diesem Alter damit noch startet hat meinen vollen Respekt. Schaut man auf die Computernutzung  ist die Emailnutzung sehr beliebt, dicht gefolgt vom Internetbrowser mit Suchmaschine. Einfache Textverarbeitungsprogramme reichen oft schon aus. Und aus meiner Erfahrung kommen diejenigen, die einen Computer haben, auch sehr schnell zum Thema Onlinebanking. Schneller als Leute, die "nur" ein Smartphone besitzen. Auch kenne ich einige Senior:innen, die durch regelmäßige Computernutzung dann auch den Mut hatten, ein Smartphone zu nutzen.

Wie begeistert man Senior:innen für digitale Themen und das Internet?
Regina Mans: Wenn ich Senior:innen zuhöre kann ich schnell Ansätze heraushören, um Problemstellungen zu lösen. Wie beispielsweise eine Sehbehinderte, die in der Sportgruppe "mitreden" möchte. Es bedurfte einer längeren Recherche, welches Smartphone ihre Bedürfnisse erfüllen kann, dann einige Stunden üben und dann kam eines zu anderem. Die ersten Erfolge bringen immer den Mut für mehr. Oder eine Dame, deren Kinder im Ausland sind. Per Festnetz telefonieren ist recht teuer, der Geldbeutel dünn, ihre Parkinson-Krankheit ein Problem: Geduld und Lob für jeden kleinen Erfolg haben die Dame zum Strahlen gebracht. Also bedarfsorientiertes Handeln mit Blick auf den Geldbeutel, Aufzeigen von – erst einmal nur wenigen –  aber tollen Möglichkeiten mit Ruhe und Geduld. Dann heißt es für mich: Ansprechpartnerin bleiben, Gelegenheiten nutzen und Neues zum dazulernen anbieten. Rückschläge in Kauf nehmen und immer wieder zum "Dranbleiben" ermutigen , denn wer keinen Biss hat und nichts übt, verliert schnell die Lust an der Technik, ist überfordert und gibt auf. 

Vor allem habe ich gelernt, dass es grade beim Smartphone oder iPhone auf die Kleinigkeiten ankommt und auf „Warum ist das so“-Erklärungen. Zu den wichtigen Themen gehören: Die allgemeine Navigation durchs Handy (Wo wischen und wie tippen?), telefonieren, Tastatur- und Schriftgröße an die Benutzenden anpassen, Fehler in Textnachrichten korrigieren, neue Kontakte anlegen, die Zustellung von WhatsApp-Nachrichten überprüfen, Prepaidkarten alleine wieder aufladen und vieles mehr. Bei all diesen Themen versuche ich alles mit kleinen ruhigen Gesten und eher kurzen Sätzen zu erklären. Zudem achte ich darauf langsam zu sprechen. Und besonders wichtig: Die Lernenden dann selber machen lassen bis es klappt! 

Nähere Informationen zum Standort Berlin-Wedding finden Sie unter
https://digital-kompass.de/standorte/standort-berlin-wedding



Von
E.Nehse