K.Braun
Ein Herr liegend auf dem Sofa, im Gespräch mit einem Arzt über ein Tablett
Quelle
Syda Productions @AdobeStock

Ein Beitrag von Marcel Weigand, Unabhängige Patientenberatung Deutschland: 

Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen liegt Deutschland zwar immer noch hinter vielen anderen Industrienationen zurück, aber durch zahlreiche Gesetze und Maßnahmen nimmt sie nun endlich Fahrt auf. Auch die Corona-Pandemie bringt einen Schub bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen, wie sich am Beispiel von Videosprechstunden zeigt. Auch der Bedarf an digitalen Gesundheits-Anwendungen ist groß. Einer Umfrage im Auftrag der Bitkom zufolge können sich 59 % der Befragten grundsätzlich die Nutzung von Gesundheits-Apps vorstellen, bei den über 65-Jährigen ist es knapp die Hälfte. Ein höherer Verbreitungs- und Nutzungsgrad von Gesundheits-Apps in der Zukunft liegt also nahe. Wobei beachtet werden muss, dass nur 4 von 10 Senioren über ein Smartphone verfügen und somit die Nutzungsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind.

Mit Spannung wird erwartet, welche Apps die Aufnahme in das Register beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM schaffen. Zum Thema Gesundheits-Apps auf Rezept veranstaltet der Digital-Kompass am 2. Oktober einen digitalen Stammtisch: https://www.digital-kompass.de/termin/gesundheits-apps-auf-rezept

Die Königsdisziplin unter den digitalen Gesundheits-Anwendungen ist jedoch die elektronische Patientenakte (ePA). Die ePA hat das Potential, zahlreiche Versorgungsprobleme zu verbessern und Patienten in eine deutlich souveränere Rolle zu versetzen. Untersuchungen aus anderen Ländern zeigen: Es kommt zu weniger Medikationsfehlern und Doppeluntersuchungen, außerdem orientieren sich Ärzte stärker an Leitlinien. Zudem erhalten Patienten Einblick in alle Befunde und Berichte, was trotz Patientenrechtegesetz bis heute keine Selbstverständlichkeit ist. Damit die ePA ein Erfolg wird, sind jedoch zwei Dinge entscheidend. Erstens: Patienten sowie Therapeuten und Pflegekräfte sollten sie nutzen, denn der Nutzen zeigt sich oft erst bei der Nutzung einer Anwendung. Zweitens: Um eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu fördern, braucht es eine konzertierte Aktion aus Aufklärungskampagnen, Weiterbildungs- und Unterstützungsangeboten. Vor allem ältere und digital unerfahrene Menschen dürfen nicht abgehängt werden. Projekte wie der Digital-Kompass sind daher geeignet, um genau die Bevölkerungsgruppen an die Digitalisierung heranzuführen, die am meisten davon profitieren könnten. Davon abgesehen wäre es für Patienten aber auch für im Gesundheitswesen Tätige Menschen sinnvoll, wenn es eine eHealth-Strategie geben würde. Viele fragen sich, wozu und mit welchem Ziel Digitalisierung vorangetrieben wird. Eine Strategie, die klare Versorgungsziele benennt und den Fahrplan beinhaltet, würde für mehr Orientierung und Akzeptanz sorgen.