Sabine Wolf @BAGSO e.V.
Alexa von Amazon
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Andres Urena (Pexels.com)

An Termine erinnern, das Wetter ansagen, Einkaufslisten führen, Musik spielen: die Aufgaben, die Sprachassistenten im Alltag übernehmen können sind vielfältig – und werden ständig ergänzt.

Interesse steigt

Daher überrascht es nicht, dass regelmäßig in Artikeln mit Titeln wie „Sprachassistenten machen Senioren froh“, „Senioren, freut euch auf Siri und Alexa“ oder „Alexa wird deine beste Freundin, wenn du alt bist“ darauf hingewiesen wird, dass ältere Menschen von Sprachassistenten profitieren können. Auch Suchmaschinen finden bei der Suche nach den beiden Stichworten Senioren und Sprachassistenten über 74.000 Treffer (Stand: 08.03.21). Aktuelle Umfragen allerdings sagen etwas anderes aus: Durchschnittlich 2 % der beim Digitalindex 2020/21 befragten Über-70-Jährigen nutzen digitale Sprachassistenten. Betrachtet man alle Altersgruppen, verwenden immerhin 10 % der Befragten Sprachassistenten, Tendenz stark steigend.

Vielen Älteren sind die Funktionsweisen von Sprachassistenten bzw. Geräte, die mit Sprachbefehlen arbeiten, noch nicht oder nur vom Hörensagen bekannt. Oft wird kein Sinn darin gesehen, sich eine zusätzliche App zu installieren bzw. ein weiteres Gerät ins Regal zu stellen oder es herrschen Unsicherheiten bezüglich des Datenschutzes. Nehmen sich aber zum Beispiel Familienmitglieder, Freunde oder Engagierte die Zeit, den Nutzen von Sprachassistenten im Alltag aufzuzeigen, klären sie noch dazu darüber auf, was mit den eingegebenen Daten geschieht und besteht sogar die Möglichkeit, ein Gerät auszuprobieren, stoßen die digitalen Alltagshelfer in der Regel auf großes Interesse. Das bestätigen auch die ersten Erfahrungen der Teilnehmenden am Projekt „Digital souverän mit KI“.

Smartphone, intelligente Lautsprecher und mehr

Sprachassistenten funktionieren zum einen als Anwendung, insbesondere bei Smartphones und Tablets. Statt mühsam Texte zu tippen oder kleine Tasten zu drücken, werden Fragen oder Befehle einfach ausgesprochen und schon antwortet der Sprachassistent mal mehr, mal weniger intelligent oder führt die gewünschte Funktion aus. „Smart Speaker“, also intelligente Lautsprecher, bevölkern mehr und mehr die Wohnzimmer, um mithilfe der Sprachassistenz-Software zum Beispiel auf Zuruf Musik zu spielen oder Nachrichten vorzutragen. Sprachassistenten können außerdem dazu genutzt werden, Smart-Home-Geräte zu steuern. Wenn die passende Technik vorhanden und alles richtig miteinander vernetzt ist, reicht dann ein Sprachbefehl, um das Licht einzuschalten oder den elektronischen Rollladen zu bedienen.

Die wohl bekannteste Sprachassistentin stammt von Amazon, heißt Alexa und ist vor allem in Kombination mit den intelligenten Lautsprechern der Reihe Echo bekannt. Weitere verbreitete Sprachassistenten sind bei Android-Geräten Google Assistant (entsprechender Lausprecher: Google Nest) und bei Apple-Produkten Siri (entsprechender Lautsprecher: Apple Homepod).

Für die Sprachassistentin Alexa gibt es neben voreingestellten Funktionen viele weitere kleine Anwendungen, sogenannte Skills, die sich über eine kurze Wortkombination aktivieren lassen. Bei Google Assistant heißen die Funktionen „Actions“ bzw. Aktionen. Im Internet findet man zahlreiche Empfehlungen und Listen zu diesen Anwendungen.

Ein Tag mit Alexa

Die Sprachassistentin Alexa könnte im Laufe des Tages zum Beispiel mit diesen Funktion und Anwendungen den Alltag erleichtern:

  • Wecker stellen: „Alexa, stelle den Wecker auf 7:30 Uhr.”
  • Neuigkeit des Tages: „Alexa, guten Morgen.“
  • Erinnerung: „Alexa, erinnere mich jeden Tag um 9:00 Uhr, meine Tabletten einzunehmen.”
  • Wettervorhersage: „Alexa, wie wird heute das Wetter?“
  • Rezepte: „Alexa frage Chefkoch nach dem Rezept des Tages.“
  • Einkaufszettel schreiben: „Alexa, setze Kartoffeln auf meine Einkaufsliste.”
  • Musik abspielen: „Alexa, schalte Radio Bayern 1 ein.”
  • Lotto: „Alexa, sage mir die Lottozahlen.“
  • Bahnverbindung: „„Alexa, starte Deutsche Bahn.“
  • Humor: „Alexa, erzähle einen Witz.“
  • Tagesschau in 100 Sekunden: „Alexa, spiel die Tagesschau in 100 Sekunden.“
  • Fernsehprogramm: „Alexa, frag das Fernsehprogramm, was heute Abend läuft.“
  • Alltagsfragen: „Alexa, wann wird die Uhr umgestellt?“

Erste Erfahrungen im Projekt „Digital souverän mit KI“

Im Projekt „Digital souverän mit KI“ gehören Sprachassistenten zur Grundausstattung der 16 lokalen Partner. Zum einen sind sie vergleichsweise einfach einzurichten, zum anderen sind sie durch ihre Sprachsteuerungsfunktion für viele weitere Technologien und Anwendungen, die im Laufe des Jahres noch getestet werden, Dreh- und Angelpunkt. In der ersten Austauschrunde der lokalen Partner stand schnell fest: Von allen Geräten, die im Projekt ausprobiert werden, sind die Sprachassistenten welche der beliebtesten. Bei den meisten Testpersonen wurden sie trotz anfänglicher Skepsis schnell in den Alltag integriert. In einem Fall war ein Tester nach dem ersten Ausprobieren sogar so begeistert, dass er sich direkt einen smarten Lautsprecher für zu Hause gekauft hat. Andere Projektteilnehmende loben die Vorteile der Sprachassistenten bei der Steuerung von Smart-Home-Geräten. Sprachbefehle würden Menschen, denen das Laufen schwer fällt, viele kleine Wege zum Lichtschalter oder zu Jalousien ersparen. In einem Hotel für Sehbeeinträchtigte wird überlegt, in Zukunft bei Interesse der Gäste Hotelzimmer mit den intelligenten Lautsprechern auszustatten.

Bei der Frage, welcher Sprachassistent nun der beste Alltagshelfer ist, lautet eine Empfehlung aus dem Kreis der Projektteilnehmenden: Wer vor allem nach Informationen und Suchergebnissen im Netz recherchiert, ist mit einem Produkt von Google gut aufgehoben. Wer eher den Zugriff auf Unterhaltungsmedien sucht, sollte sich die Amazon-Angebote einmal genauer anschauen. Grundsätzlich bietet es sich an, bereits im Vorfeld zu prüfen, welche digitalen Dienste man mit dem Gerät nutzen möchte. Ein wichtiger Tipp eines Projektpartners lautet, sich für Sprachassistenten und die damit verbundenen Geräte ein eigenes E-Mail- bzw. Kundenkonto anzulegen. Wichtig sei es außerdem, die Nutzerinnen und Nutzer von Beginn an darüber aufzuklären, welche Daten sie beim Verwenden von Sprachassistenten freigeben und wie sie ihre persönliche Daten am besten schützen können.

Tipps zur sicheren Nutzung von Sprachassistenten

Sprachassistenten sammeln große Datenmengen und erhöhen das Sicherheitsrisiko des Datenmissbrauchs durch Dritte. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gibt unter anderem folgende Tipps, um Sprachassistenten sicher zu nutzen. Ausführliche Informationen finden Sie dazu weiter unten:

  • bei Abwesenheit ausschalten, um unberechtigte Zugriffe zu vermeiden
  • für verschiedene Personen eigene Sprachprofile einrichten
  • an geeignetem Standort aufstellen (z.B. nicht an geöffneten Fenstern)
  • PIN oder Passwort für Bestellungen etc. einrichten
  • gespeicherte Daten regelmäßig sichten und ggfs. löschen
  • Datenschutzeinstellungen anpassen
  • nur vertrauenswürdige Erweiterungen nutzen
  • Schnittstellen mit anderen Geräten (z.B. Smart Home) und Kundenkonten (z.B. für Streamingdienste) im Blick behalten und beschränken

Die Antwort lautet…

Ja! Sprachassistenten können auch laut der Erfahrungen im Projekt „Digital souverän mit KI!“ im Alltag Älterer Unterstützung bieten. Wichtig dabei sind allerdings engagierte Menschen, die zeigen, welche Aufgaben Sprachassistenten überhaupt übernehmen können; Menschen, die beim Einrichten der Geräte helfen und sich die Zeit nehmen, auch später aufkommende Fragen zu beantworten. Gemeinsam mit anderen kann es außerdem auch riesigen Spaß machen, an Lernorten wie Senioren-Internet-Initiativen, Mehrgenerationenhäusern oder Seniorenbüros neue Technologien zu entdecken!

Weitere Informationen

Zum Einstieg

Digital-Kompass: Anleitung Sprachassistenten (Print, PDF)

Die kostenlose Anleitung zu Sprachassistenten können Sie per E-Mail an info@digital-kompass.de bestellen oder sich als PDF herunterladen.
Hier geht’s zur Anleitung „Sprachassistenten“

Digital-Kompass/Levato: Sprachassistenten kurz erklärt (Video)

In dem ca. 10-minütigen Kurzvortrag klärt Kristoffer Braun von Levato über die Chancen und Risiken von Alexa, Siri und Co auf.
Hier geht’s zum Kurzvortrag „Sprachassistenten“

Digitaler Engel: Sprachassistenten für Senior:innen (Video)

In rund neun Minuten werden in diesem Video die Funktionsweisen und verschiedene Sprachassistenten und ihre Nutzung vorgestellt.
Hier geht’s zum Erklärvideo „Sprachassistenten für Senior:innen“

Hintergrundwissen und Datensicherheit

irights e.V.: Was macht einen Sprachassistenten klug? (Online-Artikel)

Ein Beitrag, der erklärt, wie die Spracherkennung von Sprachassistenten funktioniert.
Hier geht’s zum Artikel „Was macht einen Sprachassistenten klug?“

irights e.V.: Welche Daten sammeln Sprachassistenten? (Online-Artikel)

In diesem Beitrag steht die Frage im Zentrum, was mit den Daten, die ein Sprachassistent erfasst, passiert.
Hier geht’s zum Artikel „Welche Daten sammeln Sprachassistenten?“

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Mit digitalen Assistenten durch den Alltag (Online-Artikel mit Schaubild und Video)

Das BSI erklärt mit einem Schaubild, wie Sprachassistenten funktionieren. Ergänzt wird der Beitrag um ein Video zur sicheren Bedienung von Sprachassistenten und Tipps zur Datensicherheit.
Hier geht’s zum Artikel „Mit digitalen Assistenten durch den Alltag“

Deutschland sicher im Netz (DsiN): Cyberfibel. Das smarte Zuhause sicher einrichten (Online-Artikel)

Auch DsiN gibt Tipps zum sicheren Einrichten von Sprachassistenten.
Hier geht’s zum Artikel „Das smarte Zuhause sicher einrichten“

CheckMyVA (Projekt)

Das Projekt CheckMyVA (in Deutsch: Analysiere meinen Sprachassistenten) hat zum Ziel, die Datensouveränität und Datenhoheit für Nutzer von Sprachassistenten zu verbessern. Dafür soll eine Internetseite entwickelt werden, die eine einfache und übersichtliche Einsicht in die gesammelten Daten der Sprachassistenten bietet und im Falle von Verstößen bei der Wahrnehmung ihrer Verbraucherschutzrechte gemäß der Datenschutzgrundversorgung unterstützt.
Hier geht’s zur Website des Projekts CheckMyVA

Wissen weitergeben

digitaleSeniorInnen: Leitfaden für Trainerinnen und Trainer – Smart Speaker im praktischen Einsatz (Lehrmaterialien)

Der Leitfaden der österreichischen Servicestelle für die digitale Bildung von Seniorinnen und Senioren unterstützt Multiplikatoren dabei, Unterrichtseinheiten zum Thema Sprachassistenten zu planen und umzusetzen. Außer dem Leitfaden gibt es unter anderem auch Vorlagen für Präsentationen zu Sprachassistenz-Systemen, Fragekarten, Handzettel mit Tipps zur sicheren Nutzung und einem Glossar und ein Quiz.
Hier geht’s zum “Leitfaden für Trainerinnen und Trainer – Smart Speaker im praktischen Einsatz” (PDF)

Hier geht’s zu weiteren Materialien zu Sprachassistenten

Gerätetests

Stiftung Warentest: Die besten Lautsprecher mit Sprachassistent (Test, kostenpflichtig)

Im Test der Stiftung Warentest vom 21.10.20 wurden zwölf Lautsprecher mit Sprachassistenten getestet. Der Test kann gegen 2,50 Euro heruntergeladen werden.
Hier geht’s zum Test der Stiftung Warentest

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): Der Sprachassistent fürs Zuhause (Test)

Im Test der FAZ vom 30.09.20 wurden 23 Lautsprecher mit Sprachassistenten getestet.
Hier geht’s zum Test der FAZ

Der Spiegel: Sprachassistenten im Vergleich: Was können Siri, Alexa und Co? (Test)

Der Test der des Spiegels stammt vom 03.03.20 und vergleicht insgesamt sechs Sprachassistenten.
Hier geht’s zum Test des Spiegels

Sonstiges

Digitale Nachbarn „ixem deheem“ (Projekt)

Im Ende 2020 abgelaufenen Modellprojekt wurde in Zweibrücken der Frage nachgegangen, wie Sprachassistenten Älteren länger ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen können. Dafür wurden 15 Seniorinnen und Senioren Sprachassistenten samt Lautsprechern zur Verfügung gestellt. Die Geräte wurden sehr positiv aufgenommen: als Hilfe gegen Einsamkeit, als Erinnerung zum Fensterlüften und vieles mehr.
Hier geht’s zu Artikeln des Projektpartners Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz

Dieser Artikel von Sabine Wolf erschien zum ersten Mal bei wissensdurstig.de am 9. März 2021 als Beitrag zum BAGSO-Projekt „Digitale Souveränität älterer Menschen mit KI-Technologien fördern”.