Engagement für digitale Teilhabe
Digital-Kompass und DigitalPakt Alter: Zwei Ansätze im Fokus
Ähnlich und doch unterschiedlich: Der Digital-Kompass und der DigitalPakt Alter
Die Digitalisierung ist immer wichtiger geworden ist. Manchmal braucht es bei der Nutzung noch Unterstützung, damit alle davon profitieren können. So auch die Projekte Digital-Kompass und DigitalPakt Alter. Sie haben zum Ziel, dass jede und jeder digitale Technologien nutzen kann. Die beiden Projekte wirken zunächst relativ ähnlich, haben jedoch einen unterschiedlichen Ansatz. Diese möchten wir Ihnen jeweils im Folgenden genauer erklären.
Zum Digital-Kompass
Eine kurze Entstehungsgeschichte
Der Digital-Kompass ist seit über zehn Jahren gewachsen. Anfangs lag der Fokus darauf, insbesondere ältere Menschen im Umgang mit digitalen Technologien zu unterstützen. Dafür wurden bundesweit über 100 Standorte ausgewählt, die Beratungsangebote zur digitalen Welt in verschiedenen Formaten anbieten. Schon damals waren vor allem die Materialien des Digital-Kompass und die Online-Veranstaltungen sehr beliebt.
Von 2022 bis 2025 richtete sich das Angebot verstärkt an (ältere) Menschen mit Seh-, Hör- und Mobilitätsbeeinträchtigungen. Bestehende und neue Standorte konnten Schulungen zur Beratung von Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen besuchen. Für Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigung gab es digitale Lern-Tandems: Interessierte, die Beratungsangebote vor Ort nicht wahrnehmen konnten, konnten so gemeinsam mit Studierenden bequem zu Hause digital lernen. Auch Online-Veranstaltungen, Materialien und ein Podcast fanden in dieser Projektphase großen Anklang.
Ein neues Kapitel seit Dezember 2025
Für viele Menschen ist die Nutzung von Smartphone und Co. nicht einfach, da es verschiedene Hürden gibt. Dies trifft insbesondere auf Personen zu, für die Einfache Sprache hilfreich sein kann. Das sind beispielsweise Personen mit Lese- und Rechtschreibschwäche, ältere Menschen und Menschen mit Hör- und Sehbeeinträchtigung. Dies nimmt sich der Digital-Kompass-Standorte zum Anlass, um den Einstieg in die digitale Welt zu erleichtern. Besonders Menschen, die Schwierigkeiten beim Verstehen neuer Inhalte haben, profitieren von den Beratungsangeboten. Seit Dezember 2025 liegt darauf der Schwerpunkt des Digital-Kompass.
Der Digital-Kompass ist ein Projekt der BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen und Deutschland sicher im Netz e.V. mit Förderung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. Partner des Projektes sind die Verbraucher Initiative e. V., der Deutsche Schwerhörigenbund e. V. und der Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.
Schulungsangebote
Um Interessierte in der Digitalberatung bestmöglich zu unterstützen, brauchen Beratende eine klare, zugängliche und leicht verständliche Kommunikation. Diesen Bedarf greift der Digital-Kompass mit der Schulung zum Thema „Einfache Sprache“ auf, die sich an alle haupt- und ehrenamtlichen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren richtet. In der Schulung geht es darum, Informationen so aufzubereiten, dass sie für alle gut zugänglich sind – etwa durch einfache Satzstrukturen, verständliche Begriffe und eine klare Ausdrucksweise.
Fach- und Netzwerktagungen
Im Rahmen des Projektes finden Fach- und Netzwerktagungen statt, die zum einen zum fachlichen Austausch zu verschiedenen Themen dienen sollen. Zum anderen wird ein Schwerpunkt auf die Vernetzung der Standorte, Verbände und Beratungsstellen gelegt.
Insgesamt finden drei Veranstaltungen statt – zwei digital und eine vor Ort. Zu allen Veranstaltungen wird es eine Nachbereitung geben, die die Tagung dokumentiert und praktische Tipps für die Arbeit vor Ort gibt.
Online-Themenstunden und Fachimpulse
Die Online-Veranstaltungen des Digital-Kompass bieten praxisnahes Wissen für die Beratung vor Ort, aber auch wertvolle Informationen für Verbraucherinnen und Verbraucher. Interessierte erfahren, wie sie digitale Angebote sicher nutzen können, zum Beispiel beim Online-Shopping oder Schutz ihrer persönlichen Daten. Sie lernen wichtige Anlaufstellen kennen und erhalten weiterführende Informationen, um digitales Wissen verständlich zu vermitteln. Die Veranstaltungen ermöglichen direkten Austausch und Fragen in einer interaktiven, digitalen Umgebung.
Materialien und Podcast
Im Rahmen des Projektes sind bereits vielzählige Materialien entstanden, die für den Einstieg in digitale Themen hilfreich sein können. Beispielsweise gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Nutzung von WhatsApp oder der Deutschen Bahn-App. Aber auch Themen wie digitale Hilfsmittel bei Seh-, Mobilitäts- und Hörbeeinträchtigung werden behandelt.
Zudem gibt es den Digital-Kompass-Podcast, in dessen Folgen mit verschiedenen Expertinnen und Experten zu Themen wie Künstlicher Intelligenz, Ehrenamt und Hürden in der digitalen Welt gesprochen wird.
Zum DigitalPakt Alter
Eine kurze Entstehungsgeschichte
Der DigitalPakt Alter wurde 2021 als Reaktion auf den Achten Altersbericht ins Leben gerufen. Er ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und der BAGSO e. V. Er stärkt die digitale Teilhabe älterer Menschen mit Hilfe eines gesellschaftlichen Bündnisses und der Förderung von sogenannten Erfahrungsorten. Das Bündnis besteht aus mehr als 45 Partnern, zu denen alle Bundesländer sowie zentrale Partner aus Gesellschaft und Wirtschaft gehören, die sich für ältere Menschen und deren digitale Teilhabe stark machen. Zusätzlich förderte der DigitalPakt Alter bis 2025 insgesamt 315 Erfahrungsorte, also wohnortnahe Angebote für Ältere, und entwickelte neben anderen Materialien die kostenfreie Informationsreihe „Digitales kurz und bündig“.
Kommunen stärken
In der neuen Projektlaufzeit kommt der Kommune eine zentrale Rolle im DigitalPakt Alter zu. Sie ist der Ort, an dem (ältere) Menschen leben und an der Gesellschaft teilhaben. Da dies zunehmend ohne digitale Kompetenzen nicht mehr möglich ist, sollen Kommunen gezielt unterstützt werden.
Kernpunkte sind:
- Mit dem Prädikat „Kommune im DigitalPakt Alter“ werden Kommunen ausgezeichnet, die nachhaltige und zukunftsorientierte Strukturen schaffen, um Älteren die digitale Teilhabe zu ermöglichen und Beteiligte zu vernetzen. Kommunen erhalten zur Unterstützung Beratung, Schulungen für kommunale Mitarbeitende, einen Lehrplan für freiwillig Engagierte sowie Materialien.
- 60 Kommunen, die „Kommune im DigitalPakt Alter“ werden wollen, erhalten eine finanzielle Unterstützung von je 5.000 Euro.
- Regelmäßige Fachgespräche und Online-Arbeitsgruppen werden durchgeführt, um Bedarfe frühzeitig zu erkennen und Lösungen gemeinsam mit Kommunen zu entwickeln.
Strukturen vor Ort ausbauen
Auch in der aktuellen Förderphase werden wohnortnahe Initiativen als Erfahrungsorte ausgezeichnet. Als solche erhalten sie das Prädikat „Erfahrungsort im DigitalPakt Alter“. Für das Prädikat werden Qualitätsstandards, ein Rahmencurriculum und Qualifizierungsbausteine für die Technikvermittelnden vor Ort entwickelt. Es dient als Qualitätsmerkmal, das Sichtbarkeit schafft, Zugang zu einem Netzwerk ermöglicht und älteren Menschen verlässlich zeigt, wo sie gute digitale Lern- und Unterstützungsangebote finden.
Erfahrungsorte im DigitalPakt Alter können auf drei Wegen entstehen:
- Erfahrungsorte können von einer „Kommune im DigitalPakt Alter“ auf- bzw. ausgebaut werden. Diese orientiert sich an den Qualitätsstandards.
- Initiativen können sich im Rahmen von Förderprogrammen als Erfahrungsort bewerben. Neben der Auszeichnung erhalten sie eine finanzielle Förderung von 2.000 €. Die Förderprogramme werden von externen Partnern wie Stiftungen und Unternehmen unterstützt. (Informationen zu aktuellen Bewerbungsverfahren und Förderprogrammen finden sich auf der Internetseite des DigitalPakt Alter)
- Initiativen können sich außerhalb eines Förderprogramms als „Erfahrungsort im DigitalPakt Alter“ bewerben.
Das Prädikat wird zu Beginn 2027 beworben.
Qualität sichern & Kompetenzen stärken
Um bundesweit vergleichbare, verlässliche Unterstützungsstrukturen zu schaffen, setzt der DigitalPakt Alter auf klare Qualitätsstandards und die Bereitstellung von Materialien.
Zentrale Maßnahmen:
- Entwicklung einheitlicher Qualitätsstandards mit Hilfe eines Rahmencurriculums für die Vermittlung digitaler Kompetenzen gemeinsam mit Partnern des DigitalPakt Alter.
- Aufbau eines Qualifizierungsprogramms und einer Basisqualifizierung für Mitarbeitende in den Kommunen.
- Fachliche Begleitung der Lernorte.
- Aufbau einer zentralen Materialdatenbank.
Zusammenarbeit mit Unternehmen ausbauen
Die neue Projektphase legt einen Fokus auf Kooperationen mit der Digitalwirtschaft, denn Produkte und Dienste werden nur dann alltagstauglich, wenn ihr Nutzen direkt erkennbar und der Zugang so einfach wie nur möglich ist. Um dies zu erreichen, müssen ältere Menschen aktiv an der Entwicklung und dem Ausbau von digitalen Geräten und Diensten beteiligt werden. Dafür schaffen das Projekt neue Räume der Zusammenarbeit.
Beispiele & Maßnahmen:
- Veranstaltungsreihe „Alltagstechnologien vereinfachen“, bei der Unternehmen ihre Produkte mit älteren Menschen diskutieren.
- Kooperationen mit Unternehmen, bei denen Unternehmen sich an der Schaffung von Zugängen zur digitalen Teilhabe für Ältere beteiligen.
- Sichtbarkeit für Innovationen durch Messeauftritte, Festivalformate und gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit.
Ziele des DigitalPakt Alter bis 2029
Bis Ende 2029 wird das bundesweite Netz für digitale Teilhabe älterer Menschen verdichtet:
- Kommunale Strukturen deutschlandweit mit wohnortnahen Unterstützungsangeboten
- standardisierte, qualitätsgesicherte Lern- und Beratungsstrukturen
- echte Mitgestaltung älterer Menschen bei digitalen Produkten
Zusammenfassung
Der Digital-Kompass und der DigitalPakt Alter verfolgen beide das Ziel, die digitale Teilhabe voranzubringen. Der Digital-Kompass möchte dies insbesondere für Personen, für die Einfache Sprache hilfreich sein kann. Das sind beispielsweise Personen mit Lese- und Rechtschreibschwäche, ältere Menschen und Menschen mit Hör- und Sehbeeinträchtigung. Der DigitalPakt möchte insbesondere die digitale Teilhabe älterer Menschen voranbringen, durch einen kommunalen, politischen und strukturellen Ansatz.
Beide Projekte richten sich in erster Linie an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren verschiedener Standorte in ganz Deutschland, die ihr digitales Wissen durch verschiedene Beratungsformen an andere Interessierte weitergeben.